Alte Feinde : Harry Potter and the Half-Blood Prince
Endlich! Endlich hat das Warten ein Ende, für die zahllosen Harry-Potter-Fans, die so lange auf die neuen Abenteuer ihres Helden warten mussten, und natürlich auch für den jungen Zauberschüler selber, der nach tristen Ferien bei seinen verhassten Verwandten wieder in seine geliebte Schule zurückkehren darf. Doch auch in den ehrwürdigen Mauern hat die Rückkehr Lord Voldemorts ihre Spuren hinterlassen, denn Severus Snape scheint sich endgültig dem Bösen verschrieben zu haben. Doch Dumbledore traut ihm. Unerschütterlich.
Harrys sechstes Jahr in Hogwarts steht bevor und mit ihm große Veränderungen, denn neben Pubertät, Quidditch und neuen Lehrern kündigt Professor Dumbledore Harry, der laut einer mysteriösen Prophezeiung nun auch in der Öffentlichkeit als der potentielle Bezwinger Lord Voldemores gilt, Privatunterricht an. Dieser Unterricht besteht in einer Reise in die Vergangenheit des Dunklen Lords, die Dumbledore mühsam aus den Erinnerungen verschiedener Menschen rekonstruiert hat, die mit Tom Riddle, dem späteren Lord Voldemort, in Berührung gekommen sind. Sein Ziel ist es, hinter das Geheimnis von Lord Voldemorts Unsterblichkeit zu kommen.
Doch während Harry versucht, seine Bestimmung zu erfüllen, funken ihm immer wieder die Hormone dazwischen. Warum hat er nur vorher nie gesehen, wie attraktiv Rons kleine Schwester Ginny eigentlich ist? Die Tatsache, dass sie ihm auf dem Quidditch-Feld regelmäßig begegnet, macht es ebensowenig einfacher wie dass sie einen festen Freund hat. Bei so viel Verwirrung ist es nur gut, dass Harry durch Zufall an ein altes Schulbuch kommt, das ihm in den komplizierten Potions-Stunden gute Dienste leistet. Der Vorbesitzer, der sich trotzig "Half-Blood Prince“ nennt, ist ein wahrer Meister seines Fachs. Nur Hermione traut dem unsichtbaren Helfer nicht und stellt eigene Nachforschungen an.
Mit Harry Potter and the Half-Blood Prince liegt endlich der lang erwartete sechste Band der Sensationsreihe um den Zauberschüler Harry Potter vor. Mit gut 600 Seiten etwas dünner als sein Vorgänger The Order of the Phoenix zieht der Roman doch alle Register. Dabei ist er noch düsterer, noch weniger ein Kinderbuch als die bisherigen Bände. Dies ist nicht mehr eine Schulgeschichte, bei der sich die Leser an witzigen Details und liebevollen Beschreibungen erfreuen dürfen, in der fiktiven Welt um Hogwarts ist der Krieg ausgebrochen. Menschen verschwinden oder werden verhaftet, das Ministerium ist hilflos, der Feind zu allem entschlossen.
So konzentriert sich auch die Handlung des Romans weitgehend auf die enger werdende Beziehung zwischen Harry und Professor Dumbledore und ihrer gemeinsamen Suche nach den Horcruxes, denen Voldemort seine Unsterblickeit verdankt. Quidditch und Hogsmead nehmen da nur noch eine untergeordnete – beinahe pflichtschuldige – Stellung ein. Auch von Harrys alten Bekannten werden einige in die Rolle von bloßen Statisten gedrängt. Hagrid und Neville haben nur kurze Auftritte, stattdessen rückt neben Dumbledore vor allem Snape in den Vordergrund und damit die Frage, ob Harrys Intimfeind wirklich ein Verräter ist oder ob Dumbledore Recht hat mit dem Vertrauen, das er in seinen Kollegen setzt.
Alles in allem liest sich The Half-Blood Prince ein wenig wie das Aufatmen vor dem Sturm, also dem siebten und letzten Band der Reihe. Konflikte werden aufgebaut, aber nur teilweise gelöst, Hintergrundinformationen werden bereitgestellt, die – so ist anzunehmen – im siebten Band ihre volle Wichtigkeit entfalten werden. Und dann ist da natürlich noch der angekündigte Tod einer der Hauptfiguren. Und da macht J.K. Rowlings wirklich ernst: Nach Harrys Patenonkel Sirius Black muss nun jemand dran glauben, der eine tiefe Lücke in das Harry-Potter-Universum reißen wird.
Fazit: Düster gefärbte Unterhaltung auf gewohnt hohem Niveau, die ein furioses Finale verspricht.