Einer der beliebtesten Gedichtschreiber und Zeichner, Satiriker, Karikaturist und Spötter unter den neuen deutschen Dichtern hat uns vor zwei Jahren verlassen. Er starb am 30. Juni 2006 im Alter von 68 Jahren an Krebs.
Mit unzähligen Preisen ausgezeichnet hat er ein immenses Werk hinterlassen.
Im Taschenbuch des Fischerverlages findet man eine charakteristische Auswahl mit Zeichnungen und Gedichten des beliebten Künstlers.
Er kannte die Menschen, war Psychologe, Philosoph und Geschichtenerzähler in einem. Lyrisch und makaber, bissig und verständnisvoll, liebevoll und sarkastisch, vor allem aber humorvoll: in seinen Gedichten findet man die eigenen und die Schwächen der anderen verdichtet,--und schon aus diesem letzten Wort könnte er wieder zu einem Reim finden!
Er hat andere hoch genommen und sich selbst nicht geschont. Er konnte lachen und weinen machen und dem Leben die heitere Note belassen. In ihm finden wir Spuren von Morgenstern und Ringelnatz wie z. B. in dem Gedicht Sonntag.
Der See ist blau, der Wald ist grün,
durch gelbe Felder Rehe ziehn.
Dann sind da Menschen vielgestalt
und buntgekleidet in dem Wald.
Und schaun hinüber zu dem See
Und sagen: läuft da nicht ein Reh?
Zuletzt folgt der Vers:
Die Sonne steht am Himmelszelt,
ein Glück, dass sie nicht runterfällt.
Orthographie wird zugunsten der Dichtkunst abgewandelt, damit alles seine Richtigkeit hat.
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Hinter der naiven Betrachtung steckt die pfiffige Erkenntnis, dass auch die einfachen Freuden dem Dichter Anlass zur Komik boten.
In den Gedichten: Die Nacht, das Glück und der Tod sind komische und weise Gedanken zu finden, die zuletzt immer mit einem Kick versehen sind, der ihnen die Melancholie und den Trübsinn nimmt.
Das Taschenbuch aus dem Jahr 1996 bietet die ganze Palette seiner Fähigkeiten als Zeichner, Komiker und Beobachter.
Zuweilen hat man den Eindruck, dass ihm keine Situation und keine Erkenntnis über das menschlich- Allzumenschliche entgangen ist. Unermüdlich strömen die Verse und Einfälle aus seiner Feder. Aus dem Nichts zaubert er Allegorien auf das Leben, und er erweist sich als unerschöpfliches Genie.
Zu Lebzeiten schien er allgegenwärtig: als Poet, als Dichterfürst, als Lehrender, Vortragender und allzeit Lernender. Seine Poetik- Lesungen boten Glanzpunkte seines Könnens. Er wurde von einem breiten Publikum geliebt, verehrt und bewundert.
Wer sich mit ihm beschäftigen möchte, dem sei dieses kleine Taschenbuch ans Herz gelegt, erbaulich, köstlich und schließlich auch erschwinglich!
Von den Gedichten und Bildergeschichten, die Robert Gernhardt 1981 unter dem Titel Wörtersee zusammengefaßt hat und die seitdem mehrere Auflagen erlebten, sind viele zu Legenden geworden: »Bilden Sie mal einen Satz mit pervers - Ja, meine Reime sind recht teuer: per Vers bekomm ich tausend Eier.« Immer wieder zitiert, sind sie eingegangen in den deutschen Sprachschatz wie manche Cartoons von Loriot. Loriot und Robert Gernhardt - wie früher Wilhelm Busch haben sie Text und Bild in ein unzertrennbares, Auge und Ohr gleichermaßen betörendes Ganzes verwandelt. Die Komik der Gernhardtschen Texte und Zeichnungen beruht auf einer Gratwanderung zwischen Sinn und Unsinn, Feinem und Derbem, Ernst und Spaß. Daß sich die Gedichte auf Vorbilder beziehen, auf Autoren genauso wie auf literarische Formen, ist ein Indiz unter vielen dafür, daß sie kunstvoller sind, als sie zunächst scheinen. Der Reiz dieser berühmt gewordenen Gedichte und Bildergeschichten des neugierigen Sprach- und Zeichenkünstlers Robert Gernhardt liegt in ihrer klugen, kritischen Geistesgegenwart bei gleichzeitig höchstem Unterhaltungswert: »Bilden Sie mal noch einen Satz mit Garant - Der Hase trug den Kopfverband, seitdem er an die Wand garant.« Robert Gernhardt, geboren 1937 in Reval/Estland, studierte Malerei und Germanistik in Stuttgart und Berlin. Er ist Mitbegründer der Titanic und wird der »Neuen Frankfurter Schule« zugerechnet. Er lebt als Maler, Zeichner, Karikaturist und Schriftsteller in Frankfurt am Main. Der Fischer Taschenbuch Verlag plant eine Edition seiner Werke.