An einem der heißesten Tage des Jahres 1977 feiert in Israel ein kleiner Junge seinen siebten Geburtstag. Seine Mutter wird von gemischten Gefühlen heimgesucht. Sie empfindet Schuld, Dankbarkeit und Liebe. Vor vier Jahren starb ihr Mann, und sie musste von da an das Geheimnis um Jonis Geburt alleine weiter hüten.
Dreißig Jahre später beginnt die erfolgreiche und geniale Karriere eines jungen Geigers, der zum Stolz und zur Freude seiner Eltern Ascher und Rivka zum Konzertgeiger avanciert. Auch er trägt ein Geheimnis in sich. Wie man schnell errät, ist Dani der Zwillingsbruder von Joni.
Beide wuchsen in getrennten Familien als Adoptivsöhne auf und gingen mit unterschiedlichen Voraussetzungen ins Leben.
Ihre Lebensspur scheint sternförmig aufeinander zuzulaufen.
Beiden gemeinsam ist die Angst vor Prüfungen und davor, im Mittelpunkt zu stehen.
Joni gerät in seinen Jugendjahren an eine Gruppe von Freunden, die mit Schwierigkeiten in der Schule und beim Erwachsenwerden zu kämpfen haben. Seine Gang bedeutet ihm alles. Pferdesport und Tiere werden zu seinem Lebensinhalt.
Daniel hingegen hat seine Liebe zur Geige mit etwa zehn Jahren entdeckt. Hinreißend wird er beim Unterricht beobachtet, den eine pädagogisch kompetente Lehrerin übernommen hat. Wie sie ihren Unterricht gestaltet, das scheint einem Lehrbuch entnommen zu sein. Das Spiel mit der richtigen Anleitung zu begleiten, die Technik des Bogenführens zu unterrichten und darauf zu dringen, dass den Darbietungen noch Gemüt und Seele eingehaucht wird: das wird zur meisterhaften Erzählung! Die Musik und die Freude an ihr sind Elemente, in denen sich Dan zu Hause fühlt. Seine Leidenschaft für das Geigenspiel aber fordert ihren Preis! Daniel lebt für sein Spiel, und das kostet ihn die Liebe seiner Freundin Gil, die ihn nicht auf Dauer mit seiner Stradivari teilen will.
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Die Spannung wächst mit der Frage, wie die Brüder zu dem wurden, was sie sind, und an welcher Stelle sich ihre Schicksalswege kreuzen werden. Dazu benutzt der Autor die Milieustudie für Joni und das sensible Einzelgängerschicksal von Dani. Der feinfühlige aber robustere Joni und der stabile aber empfindsame Dani bieten dazu ein breit gefächertes Angebot an Projektionsflächen. Mit farbenprächtigen und lebhaften Bildern ist Jonis Weg gesäumt. Danis Leben verläuft eher in der Abgeschiedenheit seiner Träume und Ambitionen, die nicht frei von Selbstzweifeln sind. Die Prosa passt sich dem jeweils gebotenen Text an: bei Dani ist sie eher zögerlich und empfindsam, und die Kapitelüberschriften gleichen Sätzen aus Symphonien, bei Joni gibt sie sich wild, sinnlich und zupackend.
Die krassen Schnitte von einem Kapitel zum nächsten unterstreichen den gegensätzlichen Lebensstil der Protagonisten. Auf träumerische Weise suchen sie den Weg zu ihrem Double. Überzeugend ist die Sehnsucht, mit der sich beide auf einander zu bewegen. Die Spannung wächst mit jedem Kapitel und man wartet sehnsüchtig darauf, dass alles gut enden möge.
Das Umschlagdesign von Cathrin Günther und Walter Hellmann mit dem Titel des Romans übt eine starke Faszination auf den Betrachter aus und fällt gleich ins Auge: zartes grau –weiß bilden den Hintergrund, auf dem zwei Geigen abgebildet sind. Assoziationen zielen auf einschmeichelnde Geigenmelodien und versinnbildlichen die Verdoppelung, in diesem Fall des Lebens als Zwilling. Das Buch ist harmonisch in der Aufmachung, im Text und in der Darstellung. Musikalität gibt den Ton an und bringt in die Erzählung das nötige Timbre.
Eran Bar-Gil lebt als Musiker und Schriftsteller in Israel. Er wurde 2006 für diesen Roman mit dem Bernstein – Preis für den besten israelischen Roman ausgezeichnet.
Israel 1977. Es ist der heißeste Tag des Jahres, Jonis Geburtstag, und wie immer an diesem Tag befällt seine Mutter eine eigentümliche Beklemmung. Selbst als sie ihn fröhlich in seinem Zimmer spielen weiß, quälen sie Bilder von einem anderen Jungen, von einer Entscheidung vor langen Jahren. Und während sie meint, ihren Sohn zu schützen, hält sie doch nur die Wahrheit von ihm fern.
Schauplatzwechsel, Israel heute. Dan steht kurz vor seinem ersten Violinkonzert, ist mit gerade mal dreißig Solist bei den Philharmonikern, ein Mann, der ganz für die Musik lebt. Doch seine Freundin verlässt ihn, weil er nur noch übt, und plötzlich verschwindet auch noch sein geistig verwirrter Vater. Dan muss sich seiner Familie und seiner Vergangenheit stellen - und allmählich wird deutlich, wo seine Geschichte der von Joni ähnelt. Bis schließlich, am Abend von Dans großem Konzert, zwei Männer zusammentreffen, die sich aufs Haar gleichen ...
Bar-Gil erzählt von Zwillingen, die, getrennt adoptiert, aus
einandergerissen werden und durch einen unerhörten Zufall doch zueinanderfinden. Eine starke und ungeahnte Spielart des Zwillingsmotivs, ein Roman, gebaut wie eine moderne Symphonie - raffiniert und von einer verblüffenden, hochklassigen Spannung.