60 Jahre alt wird Industrierat und Schwerenöter Rauno Rämekorpi. Ein Anlass der natürlich gebührend gefeiert werden muss. Und da der erfolgreiche Geschäftsmann viele Freunde und Bekannte hat, häufen sich Blumen und Geschenke. Nur schade, dass seine Frau Anika allergisch gegen Blütenstaub ist. Es gilt also die schädliche Blütenpracht schnellstmöglich aus dem Haus zu schaffen. Und hier wittert Rauno die Chance herauszufinden, was das Leben mit sechzig noch zu bieten hat.
Denn statt die Blumen auf dem Müll zu entsorgen, beschließ er, die Damenwelt damit in Verzückung zu versetzen. Und so beginnt eine Tour quer durch Helsinki, die Rauno nicht nur in die Arme seiner zehn zärtlichen Kratzbürsten führt, sondern ihn auch eine Reihe skurriler Abenteuer erleben lässt. Denn Rauno beglückt die Damen nicht bloß mit Blumen und Zärtlichkeiten, sondern nimmt vielmehr an deren Sorgen und Freuden Anteil. So wird er auf seiner Fahrt unerwartet zum Vater, fasst den Entschluss das Grab Jesu aufzuspüren, verhilft einer siebzigjährigen Lebefrau zu einem rauschenden Fest und geht im Museum mit einer Hellebarde auf Verfolgungsjagd.
Und weil der Streifzug gar so schön war, muss er natürlich ein paar Monate später wiederholt werden. So zieht Industrierat Rämekorpi, diesmal in der Rolle des Weihnachtsmannes, erneut los, um Geschenke und jede Menge Liebe zu verteilen. Dumm nur, dass er sehr bald feststellen muss, dass auch die zärtlichsten Frauen bisweilen echte Kratzbürsten sein können…
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Arto Paasilinna hat mit seinen humoristischen Romanen über die finnische Lebensart längst den Status eines Kultautors erlangt. Umso bedauerlicher ist es, dass er diesem hohen Niveau mit "Zehn zärtliche Kratzbürsten" bei weitem nicht gerecht wird.
Denn obwohl der Roman seine heiteren Momente hat, lässt er doch den wunderbaren schwarzen Humor, wie er aus Paasilinnas früheren Werken (beispielsweise "Der wunderbare Massenselbstmord") bekannt ist, vermissen. Was unterhaltsam, satirisch und mit viel Potential für Witz und unerwartete Wendungen beginnt, erschöpft sich leider allzu bald in stereotypen Wiederholungen, Plattitüden und abgedroschenen Klischees. Die Begegnungen mit den verschiedenen Frauen vollziehen sich episodenhaft, wodurch die Story – ganz ohne roten Faden - eher wie eine Sammlung von Kurzgeschichten anmutet. Solcherart zerstückelt plätschert die Handlung leider ohne jegliche Spannung dahin.
Ein kleiner Trost sind dafür die häufig bizarren Charaktere, die den Leser nicht nur bei der Stange halten, sondern ihm sogar das eine oder andere Schmunzeln abringen. Sehr erfreulich sind auch das Wiedersehen mit dem Taxifahrer Seppo Sorjonen - der dem treuen Paasilinna-Fan noch aus "Der Sommer der lachenden Kühe" bekannt sein dürfte - und das bissige Ende, mit dem der Autor zeigt, welche Register er gewöhnlich zu ziehen im Stande ist.
Insgesamt ist "Zehn zärtliche Kratzbürsten" ein Roman der vielleicht einen drögen Sonntag zu beleben vermag, hinter Paasilinnas sonstigen Geniestreichen aber leider weit zurück bleibt.