Lust und Leid in einer aufstrebenden Kleinstadt im England des 14. Jahrhundert
Der Schauplatz dieses 1200 Seiten starken Schmökers ist das mit einer mächtigen Kathedrale begnadete Kingsbridge. Etwa 200 Jahre nach der Errichtung dieses Symbols klerikaler Macht leben die Leute im Schatten der Kirche unter der intriganten Gängelung des Priors, der Mönche und skrupelloser Adliger. Der stete Kampf rechtloser Leibeigener sind weitere Kennzeichen der Beschwernisse im mittelalterlichen Alltag des Jahres 1327.
Ken Follett gelingt es von Anfang an mit seiner klaren und bildreichen Sprache die Leserschaft für die Geschichte zu gewinnen. Detailreich schildert er den Alltag und die Nicklichkeiten des Lebens, die Sorgen und Auseinandersetzungen der Menschen, die Sehnsüchte und Niederschläge seiner Protagonistinnen und Protagonisten. Schnell empfindet man sich mittendrin im Geschehen.
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Es sind die typischen Lebensherausforderungen, die diese Geschichte glaubhaft wirken lassen. Sehr schnell kann man glauben, das könnten die Sorgen der Menschen und die Visionen für deren Zukunft, die Nöte und die Gefühle, die laienhaft religiösen Vorstellungen aber auch die Aufregungen und Herausforderungen und Leiden der Menschen gewesen sein. Intrigantes Verhalten, erniedrigende Machthaberei und Niederdrückung, leidenschaftliche Lust, abergläubischer Wahn, sinnlose Kämpfe in verachtender Mordlust, erzwungene Lust und leidenschaftliche Liebe durchziehen im Wechsel den spannenden Roman.
Drastische Gewaltszenen sind ebenso Teil des Sittengemäldes der Zeit, wie deftige Sexszenen in plumper Lieblosigkeit. Daneben erlebt man, wie die Menschen von der schlimmsten Heimsuchung damaliger Zeit – der Pest, welche die Bevölkerung um ein Drittel dezimierte – betroffen nur schwer mit Veränderungen umgehen können, beispielsweise hinsichtlich Entwicklungen in der Medizin. Daneben reizt die schwer belastete und stets angespannte LIebesbeziehung zwischen der Nonne Caris und deren Geliebten, dem ambitionierten Baumeister Merthin.
„Die Säulen der Welt“ ist trotz seines immensen Umfangs ein sehr gut unterhaltendes Buch, das von Anfang bis Ende hervorragend erzählt und spannend bleibt.
Ken Follett Die Tore der Welt (Originaltitel: World Without End)
Übersetzt von Dietmar Schmidt, Rainer Schumacher
Lübbe
1120 Seiten, gebunden, EUR 24,95
ISBN 3785723164
Geschrieben von Nicci, am 17-06-2008 09:32, , Registriert
1. Gelungen
Ich fand das Buch gelungen. Ich habe "Die Säulen der Erde" damals verschlungen. Gut, dieses Buch wird als Fortsetzung angepriesen - soweit würde ich nicht gehen, denn die Verbindungen zu den Personen im ersten Buch sind nur sehr locker. Es ist auf alle Fälle für mich ein stimmungsvoller historischer Roman, der gut unterhält. Leider für mich zu schwer, um ihn angenehm im Bett zu lesen