Das Verschwinden ihres Ehemanns stürzt Ghislaine in eine schwere Krise. Völlig auf sich allein gestellt, muss sie nicht nur ihre eigene Trauer bewältigen sondern auch mit ansehen, wie ihr Sohn sich immer mehr von ihr abwendet. Endlich erhält Ghislaine neue Informationen, doch es sind nicht die, auf die sie gehofft hat.
Eigentlich hat Ghislaine Krantz sich immer für eine glückliche Frau gehalten. Sie ist verheiratet und ihr Sohn Ferry macht nicht mehr Probleme, als in seinem Alter normal ist. Doch alles ändert sich, als Ehemann Stefan spurlos verschwindet. Von der Polizei fühlt Ghislaine sich allein gelassen, doch noch größere Sorgen als ihr eigener Kummer macht ihr das Verhalten von Ferry. Er schließt sich einer Gruppe radikaler Tierschützer an und entfremdet sich im Lauf seines engagierten Kampfes immer weiter von seiner Mutter.
Diese holt sich schließlich Hilfe bei dem Rechtsanwalt Fred Benter, und tatsächlich scheint dies der richtige Schritt gewesen zu sein, denn Benter fördert endlich neue Erkenntnisse zutage. Doch was Ghislaine erfährt, macht alles fast noch schlimmer. Plötzlich sieht es so aus, als habe sie ihr Leben lang eine Lüge gelebt und sich insbesondere das gute Verhältnis zwischen „ihren Männern“ nur eingebildet. Nach Jahren ist Ghislaine gezwungen, sich der Wahrheit zu stellen, doch vielleicht ist es dafür schon zu spät.
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Wer einen Roman des niederländischen Autors Jac Toes zur Hand nimmt, der weiß schon, dass er keinen harten Thrill, keine Blutbäder und wahnsinnigen Serienkiller erwarten darf. Bei ihm lauert das Grauen in ganz alltäglichem Gewand hinter der nächsten Straßenecke, hinter dem Lächeln deiner Lieben, hinter der aufgeputzten Fassade des Alltags. Diesem Rezept bleibt er auch in Die kleine Lüge treu, wo die heile Welt einer ganz normalen Frau mit grausamer Akribie zum Einstürzen gebracht wird.
Es ist faszinierend und entlarvend zugleich zu beobachten, wie aus der klassischen Geschichte um den verschwundenen Ehemann, der auf den ersten Blick die Suche nach den Tätern als Hauptziel nahelegt, langsam ein feiner Psychothriller wird, bei dem Motive und Schuld mehr und mehr von außen nach innen verlagert werden.
Im gleichen Maße wie dem Leser die „kleinen Lügen“ der Familie Krantz bewusst werden, muss auch die Protagonistin ihren eigenen Anteil an dem Drama erkennen. Wirklich gelungen ist, dass sie dabei trotz allem eine Figur bleibt, für die der Leser Sympathie oder doch wenigstens Verständnis aufbringt, zumindest dann, wenn er sein eigenes Leben nach den kleinen weißen Lügen des Alltags durchforstet.
Fazit: Intelligenter Psychothriller, der weitgehend ohne Blut und Leichen auskommt