London im Jahr 1521. Eine geheimnisvolle Serie von Selbstmorden unter Schülern erschüttert die Stadt. In Abschiedsbriefen erklären die Jungen, den Glauben an Gott verloren zu haben und daher nicht mehr weiterleben zu können. Angst breitet sich unter der Bevölkerung aus. Gerüchte über eine Seelenpest kursieren, die die Jugendlichen infiziert und in den Selbstmord getrieben haben soll.
Die Selbstmordserie flösst auch Andrew Whisper und seinen Freunden Angst ein. Die vier Jungen besuchen gemeinsam eine der besten Schulen Londons. Sie haben sich zu einer Bande zusammengeschlossen, um das schwere Leben auf der Internatsschule besser zu ertragen. Die Unterkunft ist primitiv, das Essen schlecht und kärglich. Am meisten leiden die Jungen aber unter ihrem grausamen Lehrer Clifford, der sie schikaniert und schlägt. Und Clifford benimmt sich in letzter Zeit sehr seltsam. Ob er etwas mit den Selbstmorden zu tun hat? Die Jungen stellen Nachforschungen an.
Dabei hat Andrew genug andere Sorgen. Er, der aus armen Verhältnissen kommt, liebt die Tochter des mächtigen Unterschatzkanzlers Thomas Morland. Eine Verbindung kommt wegen des Standesunterschieds nicht in Frage und so können sich die beiden nur heimlich treffen und von einer gemeinsamen Zukunft träumen.
Als die Serie von Suiziden nicht abreist, steigt die Unruhe unter der Bevölkerung. Kann es ein, dass jemand die jungen Leute gezielt in den Tod treibt? Unterschatzkanzler Morland wird mit der Lösung des Falls beauftragt. Als er erfährt, dass sich Andrew und seine Tochter lieben, sieht der eifersüchtige Vater die Chance, die beiden auseinander zu bringen. Morland lenkt den Verdacht auf Andrew...
Anschaulich beschreibt Seidel den Alltag im Mittelalter. Der Roman spielt zu einer Zeit weltanschaulicher Umbrüche. Erste Zweifel an einer starren Religion werden laut, in London treffen Nachrichten über die Lehre Luthers ein. Seidel spricht viele Themen an: Kritik am Ablasshandel, die Frage nach einem Leben ohne Gott, das Prinzip der Ordnung um jeden Preis und die Frage nach persönlicher Schuld und Gewissen. Fast zu viel Diskussionsstoff für einen Roman, in dem die Liebesgeschichte zwischen Margret und Andrew eine zentrale Rolle spielt. Gegen Ende des Romans überschlagen sich die Ereignisse, immer mehr Handlungsstränge verwirren sich ineinander. Bevor sich der Leser klar wird, ob das Knäuel aus Motiven und Handlungen noch plausibel ist, wird es plötzlich zerschlagen und die Lösung des Falls, einschließlich Happy-End präsentiert. Auch wenn sich der Leser wegen des schnellen Endes etwas überrascht die Augen reibt, ein spannendes und empfehlenswertes Buch.