Sie sind beste Freundinnen, fast Schwestern, und der Gedanke, dass eine von ihnen das Trio verlassen könnte, scheint den drei Frauen undenkbar. Doch dann erkrankt eine von ihnen tödlich und zum ersten Mal gibt sie ihr Geheimnis preis: Ihr geschiedener Mann ist nicht der Vater ihrer Tochter. Kurz vor ihrem Tod hat sie den Wunsch, endlich reinen Tisch zu machen.
Judith, Sophie und Ariane sind erfolgreich, Ende dreißig und beste Freundinnen, seit sie denken können. Zusammen haben sie alle Krisen, ob Scheidung oder Kinderwunsch, gemeistert. Als Ariane ihren Freundinnen eröffnet, dass sie an Krebs erkrankt ist, wollen die beiden es zunächst nicht glauben. Doch Ariane war nie jemand, der sich den Tatsachen nicht stellt, und jetzt möchte sie ihre einzige Lebenslüge bereinigen. Ihr geschiedener Mann ist nicht der Vater der gemeinsamen Tochter Svenja.
Sophie, die die Hilflosigkeit nicht aushält, beschließt, Svenjas Vater ausfindig zu machen. Ihr einziger Anhaltspunkt ist ein kleiner goldener Schutzengel, den Ariane nach ihrer Liebesnacht mit besagtem Andreas auf Sylt im Sand gefunden hat. Über den Stempel macht Sophie erst den Goldschmied, dann die Auftraggeberin ausfindig. Doch die behauptet, von einem Andreas nichts zu wissen. Gleichzeitig dringt Judith immer heftiger darauf, dass Sophie ihre Suche endlich einstellt.
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Sabine Kornbichlers Roman Der gestohlene Engel ist ein Krimi, der eigentlich keiner ist. Was als knifflige Suche nach der Nadel im Heuhaufen beginnt, wird mehr und mehr zu einem intellektuellen Kammerspiel um Schuld, Loyalität und Verantwortung. Während Protagonistin Sophie immer verbissener nach der Wahrheit sucht, rücken ihre besten Freundinnen weiter und weiter von ihr ab, bis die Wahrheit schließlich ans Licht gezerrt wird.
Dabei ist Der gestohlene Engel einer der wenigen Romane, in denen die Hauptfigur nicht nur gängigen Lesererwartungen widerspricht, sondern deren Ecken und Kanten auch notwendig für den Handlungsverlauf sind. In Sophies Fall ist es ihre beinahe fanatische Wahrheitsliebe und ihr Rechtsgefühl, das sich bis in ihr Privatleben niederschlägt. Das allzu Menschliche ist ihr vollkommen fremd. Dennoch wird gerade sie auf eine harte Probe gestellt, als ihre gesamten Überzeugungen hinfällig zu sein scheinen.
Dass der Roman dabei immer mehr und mehr zu einer sorgfältig durchkonstruierten Parabel um Recht und Unrecht wird, sorgt zwar für einige Distanz zu den Figuren, andererseits ist es beinahe unmöglich, sich den ethischen Fragen, die der Roman aufwirft, zu verschließen. Die Themen sind zu brisant, die Konflikte andererseits zu menschlich, um den Leser kalt zu lassen. Dabei kann man der Autorin zwar vorwerfen, dass manches etwas konstruiert wirkt, doch das macht der Anspruch der Geschichte wett.
Fazit: Intelligente Krimiverpackung für brisante ethische Fragen