Als eine meiner Kolleginnen die Kurzgeschichtensammlung auf meinem Schreibtisch entdeckte und den Titel "13 Storys über Männer" las, kommentierte sie ihn, indem sie ihn ergänzte mit "…wahrscheinlich auch nur FÜR Männer". Ganz Unrecht hatte sie nicht mit ihrer Vermutung. Romantik, Idylle und ritterliche Frauenversteher sucht man hier vergebens.
Was man findet, sind jede Menge Loser, Schwächlinge, Labile aber auch Machos und solche, die gern echte Kerle wären. Alle Geschichten in diesem Buch haben eines gemeinsam; ihre "Helden" sind sämtlich irgendwie gestrandet – durch eigenes Verschulden oder durch Schicksalsschläge – und zappeln wie die Fische auf dem Trockenen, um ihrer gegenwärtigen Situation zu entkommen. Manchen gelingt es, sich wieder freizuschwimmen, andere landen – um bei dem Bild der Fische zu verweilen – in der Bratpfanne.
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Die Arenen in denen der Autor seine Figuren gegen das Schicksal antreten lässt, sind abwechslungsreich, phantasievoll ausgestattet und immer verdammt fies. Genauso bunt und unterschiedlich wie die Szenarien sind auch die verschiedenen Charaktere gezeichnet. Hier eine kleine Auswahl: Da gibt es den moralisch verkommenen Zeitungswerber, der seinen ihn drangsalierenden Chef mittels übler Nachrede beruflich aushebeln will, aber nicht gründlich genug über die damit für ihn verbundenen Konsequenzen nachdenkt.
Dann der gehänselte, autoritätsarme Lehrer, der versucht, seine täglichen kleinen Niederlagen mit intensiven Tagträumen zu kompensieren, in denen er generell als strahlender Held aus fiktiven Konfrontationen hervorgeht. Wie seine Geschichte "Der Träumer" zeigt, kann diese Methode der Realitätsflucht während Autobahnfahrten verhängnisvoll werden …
Eine ganz andere Welt wird in "Der Söldner" geschildert. Hier gerät der ehemalige NVA- Offizier und jetzige Söldner Bernd in die Hände feindlicher, afrikanischer Rebellen. Um sich und seinem mit gefangenen Kameraden den Foltertod zu ersparen, muss er sich ziemlich schnell eine effektive List einfallen lassen. Mystisch geht es zu bei "Der Tierfreund". Hier sucht die Katze eines vereinsamten Witwers - per Reinkarnation als riesiger Hund – die Rache an dem Jagdaufseher, der sie einst getötet hat.
So unterschiedlich die Geschichten sind, alle sind spannend und kurzweilig geschrieben. Nimmt man noch den geschickten Wortwitz und die genießerische Süffisanz hinzu, mit denen der Autor seine Figuren leben und vor allem leiden lässt, fühlt man sich tatsächlich sehr an die Shortstorys von Roald Dahl erinnert, wie es auch ein Kurzkommentar auf dem Buchumschlag verspricht.
Resümee : Spannung, Abwechslung und vor allem Humor der Extraklasse sind gesichert. Der Vorsatz jeden Abend eine der Storys zu lesen, ist schnell vergessen. Wer dieser Verführung zur Schadenfreude nachgibt, liest das Buch garantiert in einem Zug durch. Vielleicht ja doch auch etwas für Frauen, vor allem für solche, die sich gerne über diverse Vertreter der männlichen Spezies amüsieren