Die Chinesische Mauer ist ein, wenn auch nur noch aus Ruinen und Teilstücken bestehendes spektakuläres Bauwerk, ein historisches Zeugnis und dokumentiert quer durch Wüsten, Ebenen und Gebirgslandschaften über Tausende von Kilometern eine wechselvolle Geschichte. "Manchmal entsteht der Eindruck, sie klammere sich an gefährliche Steigungen, als habe sie Wurzeln- alles zu einer Zeit erbaut, in der die Werkzeuge des Maurerhandwerks höchst einfach waren.
6700 Kilometer weit erstreckte sie sich einst, von Generation zu Generation, von Dynastie zu Dynastie immer weiter ausgebaut und verlängert und auch verlagert. Es existiert kein Wall als Ganzes: "In einer Katastrophe gewaltigen Ausmaßes sind während der letzten 400 Jahre etwa zwei Drittel der Ming- Mauer verschwunden."- des größten und ‚neuzeitlichsten’ Teil der Mauer.
Ob das 1987 zum Weltkulturerbe erklärte Bauwerk nun die Chinesen im Land halten, Invasoren abwehren oder lediglich die Armee beschäftigen sollte, hier streiten Historiker noch. Auf jeden Fall setzt sich vehement und engagiert die Organisation "International Friends of the Great Wall" seit ein paar Jahren für den Erhalt der Mauer ein, die ‚für jeden China- Touristen zum Höhepunkt des Besichtigungsprogramms wird’.
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William Lindesay ist nicht nur Vorsitzender der Organisation, sondern gilt auch als "weltweit führender Experte" in Sachen Chinesischer Mauer. Sein Buch wird zur abenteuerlichen Reise durch die chinesischen Dynastien, durch ein Land, das vor dem Hintergrund von Olympia und Wirtschaftswachstum im und vom Westen immer häufiger beleuchtet und erfahren wird, durch ein Land, das fernab jeder politischen Betrachtung und Wertung außergewöhnlich reizvoll ist und voller Geschichten steckt. Nicht nur schönen Geschichten. So wurde die Große Mauer auch "der größte Friedhof der Welt" genannt. "Die Sage erzählt von der Frau eines Fronarbeiters, die zur Mauer ging, um ihrem Mann Winterkleidung zu bringen. Nachdem sie dort angekommen war lag er bereits erfroren vor ihr. Durch ihre Tränen öffnete sich die Mauer und gab die Knochen tausender Arbeiter frei, die dort gestorben waren. Nachdem die Frau sie bestattet hatte, nahm sie sich das Leben."
Die Texte zu der auch fotografisch absolut einzigartigen Reise sind knapp gehalten, Infos, Sagen, Kurioses, Reisestationen und Impressionen. Der geschichtliche Abriss ist klar und übersichtlich und lässt die Entwicklung des Mauerwerks gut nachvollziehen. Immer wieder kleine ‚eingeblendete’ Landkarten des gigantischen Reichs zeigen Standorte, geben Orientierung. Und dabei springt der Funke der Begeisterung auf den Leser über: zwei Autoren, deren Herz und Leidenschaft China gehören. Spannend macht das Buch letztlich ganz einfach die Tatsache, dass es sicherlich bei uns generell einen großen Nachholbedarf an Bildern, Historie und kultureller Dokumentation aus dem Land so fern im Osten gibt.
Michael Yamashita und William Lindsay Die Chinesische Mauer Geschichte und Gegenwart eines Weltwunders
Verlag Knesebeck
ISBN: 9783896605269
Preis: 29,95 Euro