Ist es nun Kindesentführung oder hat wirklich eine verzweifelte Mutter ihr missbrauchtes Kind nur retten wollen? Paparazzo Vincent Hermelin wittert die Story seines Lebens und folgt der heißen Spur von Paris nach Genf. Dort erhält er Antworten – aber sind es auch die richtigen?
Ein verschwundener Ministersohn erschüttert die französische Presse. Eigentlich soll die Mutter hinter der Entführung stecken, doch diese beschuldigt kurz darauf ihren Mann des Kindesmissbrauchs. Von Paris nach Genf folgt der Fotograf Vincent Hermelin der Spur und stößt dort bald auf ein Fluchthilfe-Netzwerk, das Frauen und Kindern in Not beisteht. Doch die uneigennützige Geschichte überzeugt Hermelin nicht, der bohrt tiefer und findet einen unvermuteten Schatz im Kofferraum eines der Fluchtautos – antike Goldmünzen.
Doch nicht nur das Verbrechen fasziniert Hermelin, auch die mysteriöse Fluchthelferin und Rechtsanwältin Charlotte Nolac, die nur "die Schöne von Carnac" genannt wird, schlägt ihn in ihren Bann. In dem kleinen bretonischen Dorf Carnac geht er dem Kunstraub und Schmuggel weiter nach, doch bald muss er begreifen, dass einige der Täter bereit sind, über Leichen zu gehen. Und immer noch hat er nicht ganz begriffen, welches Spiel die "Schöne von Carnac" tatsächlich spielt.
Anzeige
Schon allein das Wort "Bretagne" bringt die Menschen zum Träumen. Vor dem geistigen Auge entstehen Bilder von endlosen Feldern, von Wein, gutem Essen und gutem Leben. Was liegt also näher, als dieses Ambiente als Hintergrund für einen Kriminalroman zu nutzen. Verbunden mit einer vielschichtigen Handlung, bieten sich für einen Autor alle Möglichkeiten, den Leser zu fesseln und zu verzaubern. Leider wird der Idealfall in Giselle Guillos Roman Die Schöne von Carnac nicht erfüllt.
Das liegt nicht so sehr an der Handlung, die genügend Wendungen aufweist, um dem Genre gerecht zu werden. Hinzu kommt ein angenehmer Hauch von Melancholie, der in der Figurenkonstellation begründet ist, doch letzten Endes fehlt genau das, was das Wort "Bretagne-Krimi" weckt, die besondere Atmosphäre. Auch wenn es um antike Schätze in einem kleinen Dorf geht, so ist das Setting doch letzten Endes beliebig. Vielleicht erkennt man vieles wieder, wenn man sich als Leser selber in Frankreich auskennt, doch für den Laien fehlen der Zauber und das Ambiente.
Fazit: Handlungsreicher, aber letztlich blasser Bretagne-Krimi