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Meine Antonia PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Claudine Borries, am 29-05-2008 14:00
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Favoriten 18

Meine AntoniaLeben zu Pionierzeiten in Amerika

Das Leben im Westen Amerikas zu Pionierzeiten war hart und spartanisch.
In einem breit angelegten Epos wird in Willa Cathers Roman über die Farmer Nebraskas berichtet. Über Einwanderer aus Böhmen und Skandinavien, die sich bedürfnislos und unter einfachsten Bedingungen ein Leben im mittleren Westen Amerikas aufbauten.
 
 

Jim ist der Erzähler einer Geschichte, in der es um die Besiedelung Amerikas geht. Ihn hatte es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu seinen Großeltern nach Nebraska verschlagen. Er war erst zehn Jahre alt, als er nach dem Tod seiner Eltern von Verwandten aus Virginia zu seinen Großeltern geschickt wurde. Er liebte das Land und seine Bevölkerung und blieb ihnen stets mit ganzer Leidenschaft verbunden.
Die zentrale Figur seiner Erzählung ist Antonia, eine Nachbarstochter, die mit ihrer Familie aus Böhmen zugewandert ist. Mit ihr verbindet ihn eine innige Kinderfreundschaft, die bis weit in sein Erwachsenenalter reicht.
Anfänglich lebte die Familie von Antonia noch in einem Erdloch. Dann konnten sie das erste Farmgebäude errichten. Nach dem frühen Tod des Vaters, der die Umstellung in das fremde, weite Land unter den beschwerlichen Lebensbedingungen nicht verkraftet hatte, geht Antonia in die Stadt. Sie wird unabhängig und frei, selbstständig und selbstbewusst.

Die zugewanderten Mädchen aus Skandinavien und Böhmen, die sich in der Stadt als Dienstmädchen verdingen, werden in diesem Roman als fleißig, munter und erlebnishungrig beschrieben. Sie helfen ihren Vätern mit ihrem Verdienst bei der Abzahlung der Schulden, die zu Beginn der Besiedlung mit dem Erwerb von Grund und Boden entstanden sind. Dass sie später zu wohlhabenden und erfolgreichen  Farmerinnen mit vielen Kindern werden, unterscheidet sie von den Stadtmädchen.

Gemächlich und geruhsam wie die Prärie ist die Geschichte. Auf dem Land lebt man ereignisarm. Die jungen Leute wachsen heran, gehen zur Schule oder machen eine Lehre. Und der eine oder andere Farmerabkömmling kommt ebenfalls in die Stadt. So auch Jimmy, der mit den Großeltern in die nächst größere Stadt Black Hawk gezogen ist und dort endlich Antonia wieder trifft.

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Willa Cather zeichnet das Bild einer Gesellschaft, in der aus ärmsten Anfängen reiche Siedler Amerikas werden konnten.
Die Pionierzeit der ersten Siedler wird abenteuerlich und sehr glaubwürdig nacherzählt.
Das weite Land mit seinen Naturschönheiten nimmt lebendig Gestalt an. Die eindrucksvollen Schilderungen der Landschaft und der harten Lebensbedingungen, der Trockenheit in den Sommern und der erbarmungslosen Kälte im Winter, geben einen Eindruck wieder vom Leben unter dem weiten Himmel der Prärie. Diese Weite symbolisiert zugleich die Freiheit und Großzügigkeit des Siedlerlebens mit seinen genzenlosen Möglichkeiten. Einigen Neuankömmlingen ging es jedoch zeitlebens schlecht, und sie gingen hoch verschuldet zugrunde.

Wie in einem Nachwort von Elke Schmitter treffend angemerkt wird, geht es in Willa Cathers Roman um Nachbarschaft, Kindheit, um die kindliche Fähigkeit, der Natur etwas abzugewinnen und um die Heimeligkeit und Zugehörigkeit zu Land und Leuten. Und es geht um den Mikrokosmos eines Landlebens, in dem jeder von jedem alles wusste. Dennoch bleiben die Figuren seltsam fern; was sie denken und empfinden wird nur in ihrem Handeln deutlich. Wenn man sich jedoch in die etwas trockene Erzählweise der Prosa eingelesen hat, dann fühlt man sich hingezogen und kann die Stimmungen intensiv nachempfinden, die in dem Roman vermittelt werden.

Willa Cather gehört zur Generation der Autoren, die Romane wie die Buddenbrooks, Anna Karenina und Oblomow, auch Madam Bovary verfasst haben. Antonia ist die weibliche Figur in Cathers Geschichte, die sehr warmherzig und lebensnah beschrieben wird. Sie bietet  keine heile, aber eine zufriedene und geborgene Welt, in der man sich schnell heimisch fühlt.
Der schöne Satz von Jim, mit dem er Antonia nach Jahren im Kreise ihrer vielen Kinder und eines freundlichen Ehemannes begrüßt, sagt viel über sie aus: " .....ich hätte dich so gern zu meiner  Liebsten gehabt, zur Schwester, Freundin oder Mutter - zu all dem, was eine Frau einem Mann nur sein kann."
Das Mädchen Antonia ist eine der großen Frauengestalten in der amerikanischen Literatur. Sie gilt als ein Symbol für die Menschen in der Neuen Welt, die für ein freies und selbst bestimmtes Leben kämpften.
 
Mit "Meine Antonia" schuf Willa Cather einen wundervollen Roman, der erstmals 1918 veröffentlicht wurde und jetzt in der schönen Übersetzung von Stefanie Kremer vom Knaus Verlag neu aufgelegt worden ist.

 

Bibliographischen Angaben

Willa Cather
Meine Antonia
Knaus (Februar 2008)
318 Seiten, gebunden, EUR 19,95
ISBN-10: 3813503127
ISBN-13: 978-3813503128

 

 

 

 

 

 



Letztes Update: 05-06-2008 18:15

Veröffentlicht in : Buch, Historischer Roman
Schlüsselworte : Willa Cather, Meine Antonia, Nebraska, Amerika, Pioniere, Farmer,
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