Serafina ist 1,68 Meter groß und wiegt 64 Kilo. Der türkisfarbene Bikini vom Vorjahr schneidet tief in die Haut ein. Der Bauch ist schwabbelig, sieht nicht aus, wie bei anderen Mädchen. Ihre zwei Jahre jüngere Schwester Marie wiegt vierzig Kilo. Sie ist so schön schlank. Auch Serafina will so aussehen und so beschließt sie abzunehmen.
Zunächst isst Serafina einfach nur weniger. Zum Frühstück gibt nur noch ein Brötchen. Statt Kakao gibt es Tee ohne Zucker. Natürlich spürt sie Hunger, doch sie bleibt standhaft. Damit sie auch ja nicht in Versuchung kommt, führt sie Buch. Dann bringt ihre Freundin Ernestine ihr eine Kalorientabelle mit. Serafina ist entsetzt, wie viele Kalorien in so manchen harmlos aussehenden Nahrungsmittel stecken und sie beginnt, nur noch Kalorienarmes zu essen. Nach und nach nimmt Serafina ab. 55 kg, das ist ihr Wunschgewicht, dann soll Schluss sein mit der Diät. Als Tante Mathilda zu besucht da ist, fällt ihr auf, wie Serafina im Essen rumstochert. Von nun an passt die Mutter auf, und nötigt Serafina ständig zu essen. Daraufhin beginnt Serafina mehr Sport zu treiben und greift zu Schlankheitskapseln. Als der Apotheker ihr diese nicht mehr verkaufen will, nimmt sie Abführmittel. Serafinas Wunschgewicht ist längst erreicht, doch sie möchte noch schlanker werden.
Die Autorin lässt Serafina selbst von ihrem Schicksal erzählen. Der Leser erfährt, wie es überhaupt passieren kann, dass aus einer Diät eine Magersucht wird. Serafina ist ein ganz normales Mädchen. Es gibt Dinge, die sie unglücklich machen. Die Probleme ihrer Eltern, die kranke Großmutter oder ihre Sehnsucht nach Italien, wo sie die ersten Jahre ihrer Kindheit verbrachte. Und auch in der Schule ist es nicht immer ganz leicht. Serafina glaubt, das es ihr viel besser gehen würde, wenn sie schlank wäre. Fast unmerklich wird sie magersüchtig. Gerät immer tiefer hinein in diesen Teufelskreis, nimmt ihren Freund Moses, der sich Sorgen um sie macht, kaum noch wahr. Die Autorin schildert sehr einfühlsam, aber eindringlich, was mit Serafina geschieht. Wie sie immer weniger isst und das richtige Gefühl für ihren Körper verliert. Sie erzählt, wie es zum Zwang werden kann, nichts zu essen. Serafinas Geschichte berührt tief. Sie ist sehr bewegend und traurig. Doch sie weckt auch Verständnis. Denn es wird sehr schnell klar, dass Serafina nicht bewusst ist, dass sie unter einer Essstörung leidet. Die Geschichte hilft zu erkennen, wo eine „normale“ Diät aufhört und wo eine Essstörung anfängt. Aufgezeigt wird auch, wie Hilfe aussehen könnte, bzw. wie Essstörungen behandelt werden. Im Anhang gibt es zudem eine Liste mit Adressen und Anlaufstellen.