Das Leben als Nomade ist schwer. Doch wie genau muss man sich das vorstellen? Dieses Buch erzählt eine einzigartige Geschichte, aus der Sicht einer jungen Nomadin. Fern lebt mit ihrer Ahne in einer Steppe in Zentralasien. Freiheiten hat sie nicht, da sie viel in ihrer Familie helfen muss. Doch schon früh entdeckt sie ihre Tierliebe. Sie zog einen Hund auf, der nun ihr Begleiter und Beschützer ist. Erst vor kurzem hat sie eine junge, verletzte Krähe gefunden und ihr ein Zuhause und Essen gegeben. Wenn es nach ihrer Familie gegangen wäre, würde alles schon längst im Kochtopf gelandet sein. Oftmals schaut Fern ihrem Zwillingsbruder sehnsüchtig nach. Er darf mehr Freiheiten erleben, da er mal Jäger werden soll und Tiere jagen muss.
Ferns Großmutter ist blind, kann jedoch mit den Fingern "sehen". Wie an vielen Tagen hilft das Mädchen auch heute, die gefangenen Fische zu räuchern. Doch der Gestank brennt zu sehr und sie stielt sich davon. Nur ihr Hund folgt ihr. Im Sumpf macht sie eine unfreudige Begegnung: Sie findet den Kadaver einer Stute. Es haben sich wohl einige Wildtiere darüber her gemacht. Doch ihr Blick fällt nicht nur auf das Pferd. Tief im Sumpf steckt ein Fohlen fest. Noch nie hat die junge Fern ein lebendiges Pferd gesehen. In ihrer Ahne wird nur das Fleisch gegessen. Gefühle für ein Tier werden gar nicht erst entwickelt. Doch das Mädchen ist anders. Eine Stimme drängt sie dazu, zurückzugehen und das Pferd töten zu lassen, damit die Ahne Fleisch hat.
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Doch zum anderen will sie dem Pferd helfen. Es kann ihr mit Sicherheit von Nutzen sein. Das Pferd tut ihr leid. Von nun an pflegt sie das Fohlen, gibt ihm Wasser und Futter. Eines Tages kann sie es aus dem Sumpf befreien und kann eine wunderschöne Stute ihr eigen nennen. Fern gibt ihr den Namen Donner und versteckt sie. Schon bald ist das Vertrauen so weit fortgeschritten, dass Donner das Mädchen auf ihrem Rücken akzeptiert. Bald ist sie gezwungen, ihrer Ahne von dem Pferd zu erzählen. Sie wird als Hexe abgestempelt. Als dann auch noch eine schreckliche Hungerzeit kommt, soll das Pferd getötet werden. Wird Fern Donner retten können?
Kaum einer weiß, wie schwer das Leben als Nomade ist. Die Töchter werden Männern versprochen und müssen von ihnen Kinder bekommen. Die ganze Arbeit bleibt an den Frauen hängen. Es gibt ständigen Ortswechsel, Kinder und Frauen haben kaum Freiheiten. Wer dies und mehr weiß, wird das Leben in Freiheit schätzen. Diese Geschichte erzählt über ein sehr sonderbares Leben. Es fällt schwer sich so etwas vorzustellen, doch die Autorin malt mit ihren Worten ein Bild, sodass man die Geschichte direkt vor seinem Auge sehen kann. Es ist beeindruckend, wie Fern zur ersten Pferdeflüsterin wird und immer wieder das Vertrauen verschiedener Tiere gewinnt. Die Geschichte ist außerordentlich flüssig geschrieben. Man kann sich nur schwer von dem Buch trennen, da es immer wieder neue Ereignisse gibt und man am liebsten das Buch in einem Rutsch durchlesen will. Ich selbst habe das Buch in wenigen Tagen gelesen. Es hat zwar 285 Seiten, aber eine große Schrift. Pferdeliebhaber werden diese Geschichte mit Sicherheit lieben, da Fern als erste in ihrer Welt ein Pferd zähmt und es sich zu nutzen macht.
Susan Williams
Die Windreiterin
Aus dem Amerikanischen von Karlheinz Dürr
Ab 12 Jahren
cbj Verlag
285 Seiten, gebunden, 14,95 Euro
ISBN-10: 357013427X
ISBN-13: 978-3570134276