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Kann das alles Zufall sein? Geheimnisvolles Universum. PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Heike Geilen, am 26-05-2008 09:20
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Kann das alles Zufall sein"Das Unverständlichste an unserem Universum ist, dass es sich verstehen lässt."

Diese Verwunderung, von niemand geringerem als Albert Einstein geäußert, offerierte dessen Faszination, dass unsere naturwissenschaftlichen Gesetze in der Lage sind, die Vorgänge im Universum zu beschreiben. Wirklich durchdringen können diese komplexen Prozesse jedoch nur die Wenigsten. Dem österreichischen Physiker Heinz Oberhummer gelingt allerdings das eigentlich Unmögliche: dem Laien die dunklen Seiten seines Verständnisses über den Kosmos zu erhellen.

Zu langes Fernsehen ist ungesund und trägt wohl kaum zu Erweiterung des eigenen Bildungshorizontes bei, denn gute Sendungen sind eher Mangelware. Doch halt, ein Kanal macht eine Ausnahme. Rund um die Uhr ist hier die Entstehung unseres Universums zu beobachten - der "Big Bang" live on TV! Sie kennen ihn noch nicht? Platzieren Sie einfach Ihre Familie vor dem Gerät, wählen einen noch nicht mit einem Programm belegten Kanal und schon können Sie einen atemberaubenden Blick in die Vergangenheit werfen.
"Ja, ist sie denn jetzt völlig durchgeknallt?" werden Sie sich fragen. "Da sind doch nur tanzende Punkte und Schneegriesel zu sehen!" Korrekt! Denn "einige Prozent dieses Flimmerns sind auf die [kosmische] Hintergrundstrahlung [die uns praktisch vom Urknall weg erreicht] zurückzuführen, weil diese Strahlung auch im Bereich der Radio- und Fernsehwellen einen Beitrag liefert.", erklärt Heinz Oberhummer.

Derart locker und unterhaltsam führt der nukleare Astrophysiker aus Obertauern, Universitätsprofessor i. R. für Theoretische Physik am Atominstitut der Technischen Universität Wien, durch das gesamte Buch und erreicht dabei das beinahe Unmögliche: schwierigste Themen auch dem Laien begreiflich und schwer vorstellbare Abläufe nahezu mühelos nachvollziehbar zu machen. Dies schafft er mit einem äußerst verständlichen, klaren und einfachen Text, bar jeglichen Fachjargons und mathematischer Gleichungen, mit simplen Skizzen und einer nach jedem Kapitel befindlichen Zusammenfassung, mit witzigen Cartoons von Thomas Wizany als Dreingabe. Oberhummer dechiffriert sozusagen für die Allgemeinheit die dubiose und schleierhafte Welt der Quanten und den physikalischen Code zum Verständnis der Vorgänge in unserem Universum.

Was haben Rosinengugelhupf und Strudelteig mit strenger Wissenschaft zu tun?

Sein in fünf Kapitel gegliedertes Buch läuft zielstrebig auf ein Thema hinaus: "Kann das alles Zufall sein?" Zufall, dass sich ein Universum mit vier konstanten Grundgrößen herausgebildet hat (die gravitative, die elektromagnetische, die starke und die schwache Kernkraft), die, wenn sie nur um hundertstel nach oben oder unten abweichen würden, den Kosmos als wabernde, materielose Suppe, ohne Galaxien und natürlich auch ohne Leben hinterlassen hätten.

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Oberhummer erklärt zunächst den Aufbau des Universums, mit all seinen Myriaden von Sternen, Planeten, Kometen und Asteroiden und seiner geheimnisvollen dunklen Materie. Er erläutert den Urknall, die Quantengravitation, oben erwähnte kosmische Hintergrundstrahlung und erneut etwas Diffuses - die dunkle Energie, immer anschaulich und leicht verständlich. Die Expansion unseres Universums mit seiner fortschreitenden Galaxienflucht vergleicht er zum Beispiel mit dem Teig eines Rosinengugelhupf, der sich im Backofen immer weiter aufbläht. Die Phase der Inflation im Bruchteil einer Sekunde nach dem "Big Bang" wird anschaulich anhand eines Strudelteiges expliziert, bei dem sich die ursprünglichen Runzeln und Falten durch das Auseinanderziehen glätten.
Der Autor geht kurz auf die angestrebte "Theorie für Alles", die "Superstringtheorie" und das spekulative Vorhandensein von außerirdischen Leben ein.
Ausgesprochen interessant und anschaulich wird die Entstehung der Elemente in unseren Sternen dargelegt.

Immer wieder erzeugen die witzigen und höchst anschaulichen Cartoons mehr als nur ein Schmunzeln. So sieht man eine Gas- und Staubwolke kollidieren, in deren Ergebnis ein kleiner Stern mit Nuckel entstanden ist. An anderer Stelle schaut ein kleiner "weißer Zwerg", traurig aus seinem schwarzen planetarischen Nebel heraus oder eine Baustelle mit einem Hinweisschild warnt "Achtung! Schwarzes Loch!", in das natürlich prompt ein Unvorsichtiger stürzt.

"Wer von der Quantentheorie nicht schockiert ist, der hat sie nicht begriffen." (N. Bohr)

Auf den letzen dreißig Seiten nähert er sich dann mit Hilfe natur- und geisteswissenschaftlichen, sowie theologischen Betrachtungsweisen seinem Titelthema an. "Es gibt mehre Möglichkeiten und Ansätze, um unser Universum und die damit zusammenhängenden grundlegenden Fragen zu analysieren und zu verstehen.", so Oberhummer. Die einen versuchen das "Wie" zu erklären, die anderen eher das "Warum".
Erneut wartet er mit einem lockeren Einschub auf: "Der Physiker sucht in einem finsteren Raum nach einer vorhandenen schwarzen Katze. Der Philosoph sucht in einem finsteren Raum nach einer nicht vorhandenen schwarzen Katze. Schließlich sucht der Theologe in einem finsteren Raum nach einer nicht vorhandenen schwarzen Katze und schreit begeistert: 'Ich habe sie gefunden!'"

Oberhummer verknüpft Erkenntnisse aus der Astrophysik und Kosmologie mit denen der Philosophie und sogar Theologie, um zu zeigen, dass wir Menschen "vielleicht doch nicht eine so gänzlich unbedeutende Rolle im Universum einnehmen" und dass interessanterweise die Komplexität des Universums deutlich geringer, als jene des Lebens ist. Maßarbeit oder Zufall? Vielleicht doch ein Multiversum aus der Hand eines Schöpfers? Hier gleitet der Autor meines Erachtens etwas zu spekulativ in die Sphären der Theologie ab. Vor allem sein Vergleich der Form einiger Fenster der 850 Jahre alten Zisterzienserabtei in Maulbronn, die im oberen Teil der schematischen Darstellung einem Kohlenstoffkern ähneln, besitzt den Anschein der imaginären Erkenntnisse eines Erich von Däniken.

Alles in Allem hinterlässt "Kann das alles Zufall sein?" einen durchweg positiven Gesamteindruck. Sicherlich kann sich Oberhummer bei der Fülle an Informationen und dem Umfang dieses Buches nur an der Oberfläche bewegen. Für tiefgehende Informationen ist weiterführende Literatur unerlässlich (leider ist kein bibliografisches Verzeichnis im Buch enthalten), aber für einen ersten Einstieg in die faszinierende Welt der Kosmologie, Astro- und Quantenphysik ist das Buch genau richtig. Diese Art von Wissensvermittlung, deren primäre Aufgabe es ist, Ungekanntes und Ungesehenes, dass den Stempel "zu kompliziert und nie verstanden" trägt, auf verständliche Art und Weise zu erklären, trägt dazu bei, Neugier und Interesse an einem Thema zu wecken.

Und seien Sie sicher, "wer von der Quantentheorie nicht schockiert ist, der hat sie nicht begriffen." Dies meinte schon einer ihrer Begründer, der dänische Nobelpreisträger (1922) Niels Bohr.

Fazit: "Kann das alles Zufall sein?" ist ein Buch, das kaum physikalische Vorkenntnisse erfordert. Eine ideale Einstiegsdroge für Personen, die sich für Astronomie interessieren und endlich eine fundierte Wissensgrundlage schaffen wollen. Genau so kann und soll die Darstellung der Erkenntnisse der Naturwissenschaften auf populär verständlichem Niveau funktionieren.
Ein vorbildlich niveauvolles, kompetentes und amüsant-spannendes Buch mit hohem Unterhaltungsfaktor.

Bibliographische Angaben

Heinz Oberhummer
Kann das alles Zufall sein? Geheinmisvolles Universum
Ecowin Verlag, 28 Februar 2008
208 Seiten, gebunden, EURO 22,00
ISBN-10: 390240454X
ISBN-13: 978-3902404541

 

 

 

 


Letztes Update: 26-05-2008 09:17

Veröffentlicht in : Buch, Sachbuch
Schlüsselworte : Heinz Oberhummer, Kann das alles Zufall sein?, Physik, Astronomie, Sterne, Universum, Planeten, Materie
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