Schon mit der Wahl des Titels "Blaufeuer" - dem Notsignal der Schiffe auf hoher See- signalisiert die Autorin, dass es in der vorliegenden Geschichte um Untergang und Verderben geht.
Janne, Geigerin in einem Berliner Orchester, gerät in Angst und Bedrängnis, als sie mit der Nachricht konfrontiert wird, dass ihr Bruder Erik ertrunken ist.
Im großbürgerlichen Haus des Adoptivvaters, einem erfolgreichen Reeder, ist Janne in Cuxhaven wohl behütet aufgewachsen. Dann hört sie von Tod ihres Bruders, der vermutlich einem Mord zum Opfer gefallen ist. Denn er ist auf sehr ungewöhnliche und grausame Weise ums Leben gekommen.
Von Beginn an sind die Tatsachen und Umstände des Mordes bekannt. Die Hintergründe und das Motiv aber bleiben unfassbar und harren der Aufklärung.
Bei der Beerdigung von Erik brodeln Gefühle auf. Die Familie zeigt sich nicht so stabil wie zunächst vermutet. Janne entdeckt im Zuge der Ermittlungen, dass ihre Geburt von einem Geheimnis umgeben ist. Sie versucht, diesen Nebel zu lüften und dem Mörder ihres Bruders auf die Spur zu kommen. Doch beide Unterfangen führen sie in unerwartete Gefahren!
Die Simmung der Nordseeküste, das Städtchen Cuxhaven und die Einwohner mit ihrer Spießigkeit und Verschlossenheit bieten zunächst das Bild einer zufriedenen, friedlichen Welt. Erst langsam spürt man, dass ein äußeres Bild täuschen kann.
Die wohlhabende Reederfamilie zeigt sich allmählich als brüchiges Gebilde, in dem jeder sein Geheimnis hat.
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Janne erfährt bei ihrer Suche nach Aufklärung einige Neuigkeiten, die sie verunsichern. Das Schweigen aller Beteiligten macht sie wütend und ärgerlich. Der Vater erleidet nach der Beerdigung des Sohnes einen schweren Schlaganfall und liegt im Hospital. Er kann kaum bei der Beantwortung so vieler Fragen behilflich sein, und Janne muss die Geschäfte der Firma führen. Als sie mehrfach Opfer von missglückten Anschlägen wird, spitzt sich die Lage zu.
Die subtile Art, mit der A. Kui ihr Familienepos aufbereitet hat, ist beeindruckend. Sie lüftet nach und nach die Geheimnisse der Familie. Janne bleibt im Fokus, denn sie ist es, die mit den Wahrheiten, die ans Tageslicht drängen, nur schwer fertig wird. Dabei bleibt sie jedoch stark und ungebrochen; nur das Vertrauen in alt gewohnte Familienstrukturen ist dahin, und ein allgemeines Misstrauen gegen alles und jeden macht sich breit.
Sie findet Helfer, wird auf ihrer Spurensuche aber auch in die Irre geleitet. Birger Harms, ein ehemaliger Mitarbeiter ihres Vaters, ist ihr treuster Helfer. Doch welche Rolle hat er im Leben ihres Vaters gespielt? Und wie steht es um Meinhard, den älteren Bruder, Arzt und in der dritten Welt engagiert?
Die atmosphärische Schilderung ist wirklichkeitsnah und echt.
Werden doch häufig bei Katastrophen Dinge ans Licht gespült, die lange verborgen blieben und zugunsten des äußeren Scheins kaschiert wurden. Janne macht sich zur Sprecherin der radikalen Wahrheitsfindung, unbeirrbar und mutig. Dabei erlebt man das Zusammenbrechen der heilen Welt.
Die junge deutsche Autorin Alexandra Kui hat ihren vierten Roman geschrieben, ----- und er ist gelungen!
Denn Alexandra Kui deckt eine Spur nach der anderen auf, und verhilft dem Krimi damit zu nahezu perfekter Struktur. Sie baut die Spannung geschickt auf, ohne die Familiengeschichte mit allen psychologischen Finessen dabei zu vernachlässigen.
Insgesamt ein gut zu lesender Krimi, den man sich nicht entgehen lassen sollte.