21 ist die Glückszahl beim Black Jack. Im Hollywood-Streifen 21 geht es – na logisch – um Casinos, Las Vegas und das große Abräumen am Spieltisch. Das Besondere: Sechs Mathematikstudenten haben eine ziemlich sichere Methode zum Gewinnen gefunden. Die Vorlage zu dieser unglaublichen Geschichte stammt nicht nur aus der Literatur, sondern sogar aus dem wahren Leben.
Es könnte alles so schön sein: Ben Campbell (Jim Sturgess) war schon immer ein Musterschüler. Keine Frage, dass er nun auch seine Abschlussprüfungen summa cum laude meistern wird. Für das Medizinstudium in Harvard, seinen Lebenstraum, ist Ben bereits angenommen. Es könnte also bald losgehen, wäre da nicht ein Problem: die $300.000 Studiengebühren.
Doch Rettung naht. Mathematikprofessor Mickey Rosa bietet Ben die Möglichkeit, in Las Vegas das große Geld zu machen. Mit der richtigen Formel ist nämlich das Glück beim Black Jack ziemlich gut berechenbar: Indem man die Karten geschickt zählt, kann man seine Gewinnchancen kalkulieren. Gemeinsam mit einem Team aus fünf Studenten tingelt der schlitzohrige Professor durch Las Vegas, um mit seinem Spielsystem schnell an viel Kohle zu kommen.
Nur ein erfahrener Casino-Sicherheitsexperte (Laurence Fishburne) ahnt, dass da etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Zwar ist das Zählen von Karten legal, aber wer dem Casino zuviel Geld aus der Tasche zieht, findet sich schnell mit gebrochenen Rippen im Hinterhof der Glamour-Welt wieder und ist selbst ein einarmiger Bandit. Und das ist nicht das einzige Problem: Auch unter den Teammitgliedern kommt es zu Reibereien.
Wahre Geschichte
21 beruht auf einer wahren Geschichte. Autor Ben Mezrich hielt den unglaublichen Stoff bereits in seinem Buch „"Bringing Down The House: The Inside Story of Six M.I.T. Students Who Took The Vegas for Millions"“ fest. Die Verfilmung geht allerdings sehr locker mit ihrer Literaturvorlage sowie den ursprünglichen Begebenheiten um. Übrig blieb nur noch das Grundgerüst: eine Gruppe Studenten, die mit ihrem Zählsystem Casinos ausnehmen. Prinzipiell ist dagegen auch nichts einzuwenden, denn grundsätzlich gilt ja, wenn die Änderungen im Dienste einer guten Storyline stehen, ist so ziemlich alles erlaubt. Ob die künstlerische Freiheit in diesem Fall dem Ergebnis gut getan hat, ist jedoch an einigen Stellen fraglich.
Im Film hat Mathe-Überflieger Ben ursprünglich vor, das Medizinstudium mit einem Stipendium zu finanzieren. Doch gute Studenten gibt es viele und ausschlaggebend ist, dass man sich von der Masse abhebt. Man muss überraschen. Keine Chance für den langweiligen Ben. Diesen Umstand hat sich Regisseur Robert Luketic wohl besonders zu Herzen genommen. Es scheint, als hätte er Angst gehabt, die kluge Gaunerei des Studententeams sei allein nicht spannend, nicht überraschend genug. Deshalb verliert der Film nach der überzeugenden ersten Hälfte seinen Fokus und zerstreut sich in Nebenhandlungen: eine Romanze zwischen Ben und der schönen Teamkollegin Jill (Kate Bosworth), eine Abrechnung zwischen dem gealterten Casino-Sicherheitsexperten und dem zockenden Professor und am Ende noch eine überflüssige Verfolgungsszene. All diese Handlungsstränge werden nur kurz angedacht, bleiben somit oberflächlich und lenken von der eigentlichen Handlung ab.
Wie man beim Black Jack gewinnt...
Anzeige Wer verständlicherweise neugierig auf die Methode der Studenten geworden ist und seine Flugtickets nach Vegas bereits gebucht hat, um dort am Wochenende das schnelle Geld zu machen, den wird 21 enttäuschen. Das Publikum erfährt nämlich nicht so genau, wie die Gewinnstrategie funktioniert. Klar, vielleicht ist sie für den normalen Kinozuschauer ja zu kompliziert, aber wäre es nicht Aufgabe des Drehbuchautors gewesen, wenigstens eine plausible vereinfachte Erklärung zu geben? Stattdessen sehen wir nur kurze Sequenzen, in denen das Spielerteam Karten zählt: je mehr hohe Karten schon aus einem Stapel ausgespielt wurden, desto weniger attraktiv wird dieses Deck. Andersherum ist der Kartenstapel „heiß“, wenn die Luschen draußen und noch viele hohe Karten im Spiel sind. Aber dafür braucht man ja nun wirklich kein Mathegenie sein.
Viva Las Vegas
Wenn das Gezocke inhaltlich auch etwas zu kurz kommt, so ist es immerhin bildlich ansehnlich umgesetzt. Jetons und Spielkarten in Nahaufnahme und Kamerafahrten sowie Blickwechsel schaffen Atmosphäre und wirken zudem frisch. Überhaupt überzeugt 21 mit seinem jugendlichen Charme. Dabei hilft auch der stimmungsgebende Soundtrack (z.B. Peter Bjorn And John, LCD Soundsystem, Mark Ronson). Die Partyszenen in der nächtlichen Glitzerwelt sind richtig ansteckend. Nach dem Kinobesuch kann man also gleich weiter in den nächsten Club ziehen, um selbst ein wenig Las Vegas zu erleben.
Starbesetzung
Wie gewohnt macht es Freude, Kevin Spacey auf der Leinwand zu sehen und auch Laurence Fishburne liefert eine gute, solide Schauspielleistung. Doch leuchtender Stern in 21 ist Jim Sturgess. Auch wenn die Film-Liaison mit Kollegin Kate Bosworth nicht recht zünden will. Das Zusammenspiel der beiden wirkt lau und ihre ganze Romanze vollkommen überflüssig. Kate Bosworth verlässt auf die Wirkung ihres hübschen Gesichts, ihre Darstellung ist jedoch leidenschaftslos und fällt gegenüber Jim Sturgess’ Schauspiel gnadenlos ab. Der spannt seinen Charakterbogen mühelos und gekonnt: Als anfangs schüchterner Mathefreak und stets braver Einser-Kandidat überzeugt er genauso wie als selbstbewusster Gewinner im Casino, der obendrein ziemlich sexy ist. Schon in Across the Universe (dem psychedelischen Beatles-Musical) fiel das Talent des britischen Schauspielers auf. Merken Sie sich seinen Namen!
21 USA 2008
Darsteller: Jim Sturgess, Kevin Spacey, Kate Bosworth, Laurence Fishburne
Regie: Robert Luketic
FSK: ab 12 Jahre
Länge: 123 Minuten
Bundesstart: 10. April 2008