"Es ist nicht das, was Sie glauben, es ist viel schlimmer." Viel mehr kann Terry vor seinem qualvollen Tod nicht mehr sagen, doch es genügt, das Gesundheitsministerium auf den Plan zu rufen. Immerhin kam Terry kurz zuvor mit einem Sarg in Berührung, der auf einem historischen Pestfriedhof gefunden wurde. Nur Ausgrabungsleiterin Illaun scheint sich die entscheidende Frage zu stellen: Was ist schlimmer als die Pest?
Auf einem alten Pestfriedhof in der kleinen irischen Stadt Castleboyne werden zwei Bleisärge zutage gefördert. Der eine enthält nichts Besonderes, nur Leichensuppe, den flüssigen Rückstand des Toten, doch es ist der andere, der Ausgrabungsleiterin Illaun zum Staunen bringt. Als sie ihn öffnet, lächelt ihr ein unglaublich liebliches Gesicht entgegnet. Erst auf den zweiten Blick wird ihr klar, dass es sich um die hölzerne Marienstatue handelt, die die Zeit überdauert hat. Doch warum wurde sie beerdigt?
Doch diese Frage muss zurückgestellt werden, als Terry, ein Mitglied der Truppe, der mit der Leichensuppe des ersten Sarges in Berührung kam, tödlich erkrankt. Als auch noch ein kleiner Junge, der auf dem Friedhof gespielt hat, mit den gleichen Symptomen ins Krankenhaus gebracht wird, wird die Stadt unter Quarantäne gestellt. Zusammen mit ihrem Verlobten Finian beginnt Illaun in den alten Aufzeichnungen der Stadt herauszufinden, welche Krankheit in Castleboyne wütet.
Anzeige
Patrick Dunnes Roman verspricht alles, was das Leserherz höher schlagen lässt: Mysteriöse Todesfälle, einen Pestfriedhof und ein Marienbild, das die Menschen bereits vor hunderten von Jahren in seinen Bann schlug. Und tatsächlich gelingt es dem Autor, einen Spannungsbogen zu entwerfen, der von Anfang an fasziniert. Die Phantasie des Lesers wird angeregt und der Wunsch wird geweckt, zusammen mit der sympathischen Heldin Illaun das Rätsel um den Pestfriedhof und seine modernen Opfer zu lösen.
Bei diesem fulminanten Auftakt ist es doppelt schade, dass Dunne diese Spannung nicht bis zum Ende durchhalten kann. Der Autor gibt sich zwar redliche Mühe, die verschiedenen Handlungsstränge von Ritualmord über Quarantäne bis hin zur Pest, miteinander zu verknüpfen und zu einer logischen Auflösung zu führen, aber gerade diese nachvollziehbare Logik wirkt bemüht und tötet irgendwann jede Magie, die zuvor aufgebaut worden ist.
Das Ende wirkt schließlich genauso lieblos wie die Auflösung der emotionalen Konflikte, in die die Heldin im Lauf der Handlung gestürzt wird, wenn sie sich zwischen ihrem dreizehn Jahre älteren Verlobten und dem aufregenden Südafrikaner und Seuchenspezialisten Peter Groot entscheiden muss. Insgesamt bietet Die Pestglocke routinierte Unterhaltung, die aber bei weitem nicht hält, was der Ansatz verspricht.