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Der geheime Garten PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Heike Geilen, am 16-05-2008 11:00
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Der_geheime_Garten.gifEin Ort, der Träume zum Blühen bringt

"Der geheime Garten" ist ein Buch, das Kindern und Erwachsenen gleichermaßen gefällt. Es erzählt die Geschichte eines kleinen Mädchens, das einen geheimen "Zaubergarten" entdeckt und ihn gemeinsam mit ihren zwei Freunden zum Leben erweckt. Der Uccello-Verlag hat diese wunderschöne Geschichte mit einer großartigen Rosemarie Fendel vertont.

Wohl jeder hat schon einmal ein Buch von ihr gelesen oder sich eine der unzähligen Verfilmungen angeschaut. "Der kleine Lord" (1886) oder "Sara, die kleine Prinzessin" (1905) sind Geschichten, die sie berühmt machten. In ihren Büchern verarbeitete sie ihre eigenen Kindheitserinnerungen; immer sind es Kinder, die ihrem unschönen Dasein mit Fantasie entfliehen.
Gemeint ist die in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsene englische Schriftstellerin Frances Eliza Hodgson Burnett (1849-1924). In ihren späten Jahren interessierte sie sich zunehmend für das Christentum, Spiritualität und Gärtnern. Vor allem letzteres floss in ihr 1911 erschienenes Kinderbuch "Der geheime Garten" ein, ebenfalls mehrmals verfilmt, u. a. 1939 mit Shirley Temple und 1994 mit Mario Adorf und Marianne Sägebrecht in zwei Hauptrollen.

Zum Inhalt:
Mary Lennox ist zehn und wächst in einem lieblosen Elternhaus in Indien auf. Ihre Mutter - eine Schönheit - lässt das dürre, hässliche und ständig kränkelnde kleine Ding von einer Amme großziehen, die dem Kind all seine Wünsche von den Augen ablesen muss. Dementsprechend entwickelt die verwöhnte Kleine schon frühzeitig tyrannische Züge.
Als einzige Überlebende einer Choleraepidemie wird sie zu Mr. Craven - einem Onkel - nach England geschickt. Dieser lebt in dem riesigen, geheimnisvollen Herrenhaus Misselthwaite in Yorkshire, am Rande des Moores. Geheimnisvoll nicht nur daher, weil es hundert Zimmer hat, von denen die wenigsten betreten werden dürfen und der Onkel ein sonderbarer Kauz zu sein scheint, sondern auch, weil aus dessen Räumen von Zeit zu Zeit ein markerschütterndes Jammern und Weinen dringt.

Anfangs fällt es Mary nicht leicht, sich einzuleben, ist sie doch den ganzen Tag allein und hat niemanden, den sie herumkommandieren kann. Zudem hasst sie das schlechte Wetter, welches so ganz anders als die Hitze Indiens ist. Um nicht vor Langeweile zu sterben, erkundet sie nach und nach ihre Umgebung. Eines Tages entdeckt sie mit Hilfe eines Rotkehlchens - das im wahrsten Sinne des Wortes eine Schlüsselrolle spielt und immer wieder im Geschehen auftaucht - den geheimnisumwitterten Garten, in dem vor zehn Jahren die junge, lebenslustige Hausherrin tödlich verunglückte und der auf Anweisung ihres Onkels seitdem nicht mehr betreten werden durfte.

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Gemeinsam mit dem fröhlichen zwölfjährigen Landjungen Dickon, der ständig ein paar handzahme Tiere um sich schart und ihnen allerhand lustige Namen verpasst hat (der Fuchs "Kapitän", die Krähe "Ruß" und die beiden Eichhörnchen "Nuss" und "Schale"), erschließt sie den Garten und erweckt ihn, zwar ohne Fachwissen, aber mit umso mehr Liebe, wieder zum Leben. Unmerklich verändert sie sich dabei - physisch wie mental.

Diese Entwicklung überträgt sich gleichermaßen auf Colin, den hypochondrischen Sohn des Hausherrn, der in einem abgelegenen Teil des Gutes aufwächst und dort die Dienerschaft tyrannisiert. Von ihm stammen die geheimnisvollen Schreie. Sein Zusammentreffen mit Mary hat für beide gleichfalls eine positive Wirkung, denn nun sind zwei aufeinander gestoßen, die sich in ihrer herrischen Art ziemlich ähnlich sind und sich dabei selbst erziehen, da sie ihre Schwächen im anderen wie in einem Spiegel erken­nen.

Verwandlung von innen heraus

Die Verwandlung der beiden Kinder kommt von innen heraus, unterstützt durch die heilenden Kräfte der Natur, in die sie sich fortan jeden Tag begeben. Ebenso wie durch die neuen Erfahrungen, die sich Freundschaft und Zuneigung nennen. Empfindungen und Gefühle, die Mary und Colin bis dato verwehrt blieben. Dickon und ihr Geheimnis - der Garten - sind ihr inneres, verbindendes Glied.

Letztendlich enthält dieser Garten auch für den Erwachsenen eine Botschaft: Einsamkeit, Ausgeschlossensein, vom Leben abgetrennt, lässt verkümmern. Denn jeder Mensch braucht einen - seinen - ganz persönlichen Ort, an dem er sich verwirklichen kann, eine Stätte, die ungeahnte Möglichkeiten erschließt, sei es nun die Aktivität in einem Garten, die schöpferische Tätigkeit am Arbeitsplatz, vielleicht gleichwohl die engagierte Auseinandersetzung mit Kunst oder Literatur.

"Der geheime Garten" ist eine wunderschöne, von Zeit zu Zeit gar spannende Geschichte, die in einfachen Worten erzählt und mit großer Herzenswärme, liebevoll, manchmal großmütterlich und vor allem herrlich einfühlsam von Rosemarie Fendel wiedergegeben wird.
Viele Passagen schildern Marys Begeisterung über aufblühende Pflanzen. Der Garten von Great Maytham Hall in Kent soll die Schriftstellerin inspiriert haben. Diese Begeisterung weiß Rosemarie Fendel ohne Abstriche wiederzugeben. Selten kann eine Sprecherbesetzung als so harmonisch und gelungen bezeichnet werden. Mit ihrer geheimnisvollen, angerauten, warmen, wissenden Stimme verzaubert sie den kleinen wie den großen Zuhörer. Keine kann so sanft sprechen wie sie und mit einem leichten Heber in der Tonlage Neugier, Verwunderung oder konsternierte Ablehnung begreiflich machen.
Die berühmte Film- und Fernsehschauspielerin kostet jede Möglichkeit des Textes voll aus, ihre Stimme spielt hinreißend mit der Vorlage, die Interpretation bleibt jedoch stets angemessen. Sie überzeichnet nie, erzeugt schöne und vor allem stimmige Bilder zum Text: ein Hörbuch in das man hineingezogen wird und dem man nicht mehr entrinnen kann.

Fazit: Freundschaft und Erwachsenwerden, Trauer und Einsamkeit, wieder erwachter Lebenswille und die heilende Kraft der Natur sind die zentralen Themen von Frances H. Burnetts Kinderbuch "Der geheime Garten". Die erzählerische Qualität ist beeindruckend: ein Klassiker, der in keinem Kinderzimmer fehlen sollte.
Der zauberhaften Hörbuchvariante für Kinder ab acht Jahren gilt eine besondere Empfehlung.

Bibliographische Angaben

 

Frances H. Burnett Der geheime Garten Sprecherin: Rosemarie Fendel Uccello Verlag (Oktober 2006)
5 CDs, ca. 275 Minuten, EUR 25,90
ISBN-10: 3937337237
ISBN-13: 978-3937337234

Klappentext

Die Cholera in Indien rafft die Eltern der zehnjährigen Mary Lennox und fast alle Bediensteten dahin. Der nächste verbliebene Verwandte der plötzlich zur Vollwaisen gewordenen Mary ist Onkel Craven, der auf einem herrschaftlichen, in einem Moor gelegenen Gutshaus in Yorkshire wohnt. Für Mary entspricht die Reise von Indien nach England zu dem ihr unbekannten Onkel dem Betreten einer neuen Welt - sowohl äußerlich als auch gefühlsmäßig. In Indien hatte sie kaum Kontakt zu Vater und Mutter, wurde aber von ihren Erziehern, die sie respektlos und demütigend behandeln durfte, hoffnungslos verwöhnt. So ist sie in vielem sehr unselbstständig, kann sie sich beispielsweise immer noch nicht alleine anziehen. Mary entdeckt allmählich ihren ihr bis dahin verborgenen Charakter. Sie ist ein gefühlsarmes und verstocktes Kind. In England ändert sich ihr Wesen ganz langsam von arrogant und mürrisch zu freundlich und lebensfroh. Auch ihre ange- schlagene Gesundheit bessert sich: Buttermilch, nicht Blut scheine sie in den Adern zu haben, urteilt der Gärtner. Das Dienstmädchen Martha bietet Mary Geborgenheit und echte Zuwendung, Regungen, die sie bisher nicht kannte. Parallel zum emotionalen Wandel Marys wird eine spannende Geschichte um den sonderbaren Onkel, um den geheimnisvollen Garten, um Marys vor zehn Jahren verstorbene Tante und um die unerklärlichen Schreie eines Kindes auf Gut Mis-selthwaite erzählt. Draußen entdeckt Mary Schlüssel und Tor zum verbotenen Garten, drinnen läuft Mary durch die endlos lang scheinenden Korridore und lauscht. Die späte erste Begegnung mit ihrem unglücklichen, kranken, elenden und zerstreuten Onkel, der so traurig ist, dass er Mary ganz vergessen hatte, und die noch weiter hinausgezögerte Bekanntschaft mit ihrem Cousin Collin Craven eröffnen die Konstellation für ein leises Drama, das auch Erwachsene seit Erscheinen zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht nur in England ergreift. Der Stoff wurde mehrfach verfilmt und ist in die Literaturgeschichte eingegangen als eines der ersten - und bis heute wenigen - Kinderbücher, in dem die Protagonisten (zumindest zu Beginn) ausgesprochen unsympathisch sind. Vermutlich hat Burnett zudem als erste Kinderbuchautorin mit Der geheime Garten (erstmals erschienen 1886) die bis dahin gültige strikte Trennung zwischen Jungen und Mädchen in der Kinderliteratur aufgehoben. Herausragend an der Geschichte ist zudem, dass zwei verwöhnte Kinder aufeinandertreffen und sich selbst erziehen, da sie ihre Schwächen im anderen wie in einem Spiegel erkennen. Was die Erzieher versäumt haben, die Kinder bringen es alleine zustande. Dank auch ihrem zauberhaften »Therapiegarten«.Viele intensiv gezeichnete Nebenfiguren, Natur- und Tier-liebe und der ewige Kampf der Kinder gegen die Erwachsenenwelt sorgen dafür, dass dieser Klassiker dank einer ruhigen, aber inspirierten Sprache heute noch fesselt. Gelesen wird er hier von Rosemarie Fendel. Von ihrer wunderbaren Stimme habe ich schon in Lies doch mal! Band l anlässlich ihrer Desperaux-Lesung geschwärmt. Ihre feine Modulation, die konsequente und über die gesamte Textlänge durchgehaltene Zuweisung verschiedener Stimmlagen, ihr schnelles Switchen zwischen Erzähl- und zwei Figurenstimmen - das beherrschen so einfühlsam nur wenige Sprecher. Auf der dritten CD steigert sie sich bei der Vertonung von Collins Attacken: Ich will jetzt meinen Tee! Der Selbstsucht-Streit - der erste Krach zwischen Mary und Collin - ist einer von vielen Höhepunkten in diesem Hörbuch. Bewundernswert sind auch Fendels Dialog-Interpretationen, in denen sich Kinder in völlig verschiedenen Gefühlszuständen befinden, beispielsweise beim Gespräch zwischen dem schluchzenden Collin und der befehlenden Mary. Wer das hört, wird an den Lautsprechern kleben bleiben. Nicht umsonst kursieren diese CDs als Geheimtipp unter Babysittern. Ah, und Fendels Auftakt, der leicht in die Länge gezogene, ondulierte Name Mary und die kurze Pause danach ...Francis H. Burnett, geboren 1849 in Manchester, wanderte 1865 mit ihrer Familie nach Amerika aus und begann dort mit 17 Jahren zu schreiben. Sie starb 1924 auf Long Island.Francis H. Burnett: Der geheime Garten. Gelesen von Rosemarie Fendel.




Letztes Update: 16-05-2008 10:15

Veröffentlicht in : Hörbuch, Kinder-/Jugendbuch
Schlüsselworte : Frances H. Burnett, Der geheime Garten, Rosemarie Fendel, Kinder, Freundschaft, Liebe, Natur, Garten
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