Warum der Originaltitel des amerikanischen Kriminalromans "A Field of Darkness" sperrig mit "Schneeweißchen und Rosentot" eingedeutscht wurde, lässt sich nur schwer nachvollziehen. Hat man sich jedoch trotz des verkrampften Titels durchgerungen, das Buch aufzuschlagen und anzulesen, erwartet einen die überraschend spritzig geschriebene Geschichte einer jungen Frau, die zufällig in den Bannkreis eines lange zurückliegenden Doppelmordes gerät.
Madeline Dare – so der Name der Protagonistin – stammt aus einem reichen, vornehmen Neuengland-Clan, wobei sie selbst jedoch einem mittlerweile verarmten Zweig der Familie angehört. Durch Heirat ist sie in Syracuse einer langweiligen Provinzstadt im Norden des Bundesstaates New York gestrandet. Dort arbeitet sie als Redakteurin bei der Lokalzeitung; zuständig für so prickelnde Themen wie "Heiße Drinks für kalte Tage" und Rezepte für Bohneneintopf und Wackelpudding. Ihr größter Wunsch ist es, mit ihrem Mann Dean die Stadt endlich verlassen zu können.
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Anlässlich eines Besuchs bei ihren Redneck-Schwiegereltern erfährt sie von einem neunzehn Jahre zurückliegenden, bizarren Mord an zwei jungen Frauen, deren Leichen nach dem Vorbild der beiden Mädchen im Märchen "Schneeweißchen und Rosenrot" mit Rosenkränzen drapiert waren. Ihr Schwiegervater zeigt ihr eine Militärerkennungsmarke, die er damals am Fundort entdeckt hat. Zu ihrem Entsetzen liest sie darauf den Namen ihres Lieblingscousins für den sie einst schwärmte und der zum Zeitpunkt der Tat in der Nähe auf seinen Einsatz in Vietnam wartete. Bei ihren anschließenden, sehr amateurhaften Recherchen, die sie hauptsächlich anstellt, um entlastende Indizien zugunsten ihres Cousins zu finden, stößt sie auf eine ganze Anzahl Verdächtiger. Darunter befinden sich ein ehemaliger korrupter Polizist, Vietnamveteranen und ein Fotoreporter mit einem perversen Faible für blutrünstige Tatortfotos.
Mit ihren Nachforschungen scheint sie den wahren Täter aufgestört zu haben, wodurch sie unbeabsichtigt zum Auslöser weiterer Morde wird. Auch hier bedient sich der Killer aus alten Märchen, um die Tatorte entsprechend zu "gestalten". Außerdem sorgt er dafür, dass Madeline jeweils die Opfer als Erste entdecken muss.
In diesen Thriller ist gleichzeitig ein Frauenroman verwoben, der die Entwicklung einer jungen, entwurzelten Frau schildert, die bei aller Sensibilität robust genug ist, um mit Selbstironie und Findigkeit eine lieblose Kindheit als armes "Aschenbrödel" im Hause ihrer reichen und dekadenten Familie zu überstehen. Dieser Genre-Mix gelingt der Autorin in ihrem Debütroman außerordentlich gut. Das Buch lebt vor allem von seinen Gegensätzen: hier Madelines blasierte, vornehme Verwandtschaft, da die bodenständige, pragmatische Familie ihres Mannes; hier die düster-blutigen Details der Ritualmorde, da der ungebrochene Lebensmut der jungen Frau. Das hierdurch erzeugte Spannungsfeld sorgt für fesselnde Unterhaltung bis zum Schluss. Eine ansprechende Prise Humor wird durch die herrlich skurrilen, nur leicht überzeichneten Romanfiguren gleich mitgeliefert.
Insgesamt ein spannender und oft auch witziger Krimi, von dem man erst nach dem Lesen der letzen Zeile mit Bedauern Abschied nimmt.