Alysons einzige Sorge ist, wie sie sich und ihre beiden Geschwister in den Straßen Londons durchbringen soll. Als sie Zeugin eines Mordes wird, ahnt sie noch nicht, dass sie bald ein völlig neues Leben beginnen wird, und zwar als Schülerin und Spionin eines der mächtigsten Männer, die der englischen Königin dienen.
Nach dem Tod ihrer Eltern versucht die junge Alyson, sich und ihre Geschwister durch Betteln und Stehlen am Leben zu erhalten. Doch eines Tages beobachtet sie, wie auf dem Markt ein Mann ermordet wird. Zwar kann sie den Mördern entkommen, doch stattdessen fällt sie einem viel gefährlicherem Mann in die Hände. Sir Francis Walsingham, der treuste Diener ihrer Majestät Elisabeth I. hat das Königreich mit einem dichten Netz von Spionen überzogen, und nun soll auch Alyson eine von ihnen werden.
Einer harten Lehrzeit, die Alyson außer mit dem Lesen und dem Schreiben auch in Berührung mit der ersten Liebe bringt, folgt ihr erster Auftrag, der sie mitten hineinwirft in den schwelenden Zwist zwischen Elisabeth und ihrer Widersacherin Maria Stuart. Inmitten von Religionswirren, Machtspielchen und Menschlichkeit muss Alyson beweisen, dass sie Walsinghams wichtigste Lehre verinnerlicht hat: Sie muss überleben.
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Die Spionin, der Debütroman von Corina Bomann, entführt seine Leserinnen in ein Zeitalter, das bereits von diversen Autoren für sich entdeckt worden ist, das goldene Zeitalter Englands unter Königin Elisabeth I. Um ihrem Roman eine besondere Note zu verleihen, entscheidet Bomann sich allerdings für einen eher ungewöhnlichen Zugang. Das Geschehen wird durch die Augen einer jungen Frau gesehen, die in engem Kontakt mit einem der zwielichtigsten Gestalten der damaligen Zeit steht, mit Sir Francis Walsingham.
Doch leider ist dann doch vieles so, wie man es hinlänglich aus anderen Büchern kennt, allem voran die kluge, schöne Heldin, die sich in Ausnahmesituationen bewährt. Doch auch Walsingham wird kaum in seiner Rolle als kalter Machtmensch gezeigt, der England mit seinem Spionagenetz beinahe erstickt hat. Wenn er mit Alyson in Berührung kommt, verdrängen die väterlichen Gefühle alles andere, und der Leser begegnet ihm nur in der herkömmlichen Rolle des strengen, aber doch wohlwollenden Mentors. Seine dunkleren Seiten, seine Homosexualität oder anderes, das das Bild stören könnte, werden allenfalls leicht angedeutet.
Auch die Liebesgeschichten, die Alyson immer wieder in einen Konflikt stürzen könnten erscheinen eher lauwarm und im Gegensatz zu ihrer ausführlich beschriebenen Lehrzeit fast nebensächlich. Sowohl ihr Jugendfreund als auch ihre große Liebe Robin treten immer nur kurz auf und wecken so nur wenig Anteilnahme. Im Vordergrund steht immer, wie sich Alyson aus Gefahrensituationen herauswindet, und dass ihr dass gelingen wird, ist durch die Ich-Perspektive – und durch die Vorgaben des Genres – eigentlich von vorneherein klar. So bleibt zwar ein flüssig geschriebener Schmöker, doch bei anderer Schwerpunktsetzung hätte mehr Spannung und Komplexität erzeugt werden können.
Fazit: Lesenswerter, aber nicht herausragender Historienroman aus der Zeit Elisabeths I.