Ich lese nie etwas noch einmal" so William Trevor "aber ich mag die Erinnerung an meine Romane. Ich denke gerne daran wie ich sie geschrieben habe, vor allem weil dies ein guter Weg ist, sich daran zu erinnern, wie die Zeit verfliegt." (In Anlehnung an ein BBC Radio Interview) Heute an seinem achtzigsten Geburtstag kann William Trevor nicht nur auf ein langes Leben als Ehemann und zweifacher Vater zurückblicken, sondern auch auf eine fünfzigjährige erfolgreiche Kariere, als hochkarätiger Schriftsteller.
Denn obwohl William Trevors Werke hierzulande noch weitgehend als Geheimtipp gehandelt werden, zählt er doch zu den bekanntesten, mehrfach ausgezeichneten Schriftstellern im europäischen Raum.
Am 24. Mai 1928 in Mitchelstown geboren, wuchs William Trevor Cox als Sohn eines protestantischen Bankangestellten in der irischen Grafschaft Cork auf. Schon in seiner frühen Kindheit verbrachte er in der Hoffnung auf eine journalistische Laufbahn viel Zeit mit Schreiben. Seinen Wunsch für eine englische Zeitung zu arbeiten, gab er jedoch nach seiner Schulzeit zunächst zugunsten eines Geschichtsstudiums am Trinity College in Dublin auf. Zugleich entdeckte er sein Interesse für die Bildhauerei, das seine schriftstellerischen Ambitionen vorerst in den Hintergrund drängte. Auch nach seinem Abschluss betätigte er sich, neben seiner Lehramtstätigkeit in Armagh, Nord Irland, unter dem Namen Trevor Cox weiterhin erfolgreich als Bildhauer.
Nachdem er 1952 nach England übersiedelte, gab er die Bildhauerei schließlich auf, um sich wieder dem Schreiben zu widmen. 1958 debütierte er mit seinen ersten Roman "A Standard of Behaviour", dem jedoch die Komplexität seiner späteren Werke fehlte und der zunächst nur geringe Beachtung fand. Dies änderte sich 1964, mit seinem schwarzhumorigen Roman "The Old Boys", den er parallel zu seiner Tätigkeit als Werbetexter in London verfasste. Dieses Werk brachte ihm 1994 nicht nur den "Hawthornden Prize for Literature", einen der ältesten literarischen Preise der UK ein, sondern erlaubte ihm zudem 1995 den Rückzug aus dem Arbeitsleben in die Selbstständigkeit des Schriftstellers.
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Heute ist William Trevor zum "melancholischen Altmeister der irischen Literatur" geworden (Süddeutsche Zeitung). Denn seine Romane und Kurzgeschichten beleuchten einfühlsam die dunklen Ecken des heutigen Irlands, ohne dabei jemals ins Sentimentale abzudriften. Seine Figuren sind häufig gewöhnlich, seine Geschichten aber sind es nicht. Denn seine mitfühlenden Erzählungen sind stets aus dem Leben gegriffen. Meist in der irischen Arbeiterschaft in Irland oder England angesiedelt, berichten sie von ungewöhnlichen Situationen, komplexen Gefühlen, der Macht des Schicksals und dem bescheidenen Glück des einfachen Mannes. Seine mitfühlenden und zugleich amüsanten Schilderungen entführen den Leser hierbei meist hinter die Kulissen der irischen Arbeiterfamilien, freilich ohne zu werten oder gar zu urteilen.
Inzwischen veröffentlichte William Trevor mehr als zwanzig Romanen, zahlreiche Erzählbände und einige Bühnenstücke, die meist ein melancholisches Bild von Einsamkeit, Armut und verlorenen Möglichkeiten entwerfen. Für mehr als die Hälfte dieser sensiblen und zugleich humoristischen Werke wurde er mit zahlreichen Preisen geehrt. Unter anderem erhielt er sowohl 1978 und 1998 für seine Romane "The Children of Dynmouth" und "Felicia`s Journey" den begehrten Whitbread Prize. Zudem wurde er 1999 mit dem David Cohen British Literature Prize für sein Gesamtwerk ausgezeichnet. Eine besondere Ehrung ließ ihm Queen Elizabeth zukommen, als sie ihn 2002, für seine literarischen Verdienste zum Ehrenritter ernannte und ihn somit in den Adelsstadt erhob.
Und auch mit dem Alter hat William Trevor nichts von seiner erzählerischen Kraft verloren. So wurde nicht nur sein letzter Roman "Tod des Professors" mit dem "Iris Times Literature Prize" gewürdigt, sondern auch sein letzter Erzählband "Seitensprung" 2004 auf die Liste der "100 Notable Books of the Year" der New York Times gesetzt.