Nach seinem Buch "Andenken", in dem Lars Brandt dem Andenken seines Vaters Willy Brandt nachgeht, hat er sich an seinen ersten Roman gewagt. Er ist leicht, schwebend und unnahbar!
Eine Gruppe von Künstlern hat sich in irgendeiner Kleinstadt Deutschlands zusammengeschlossen. Man hat soeben die Schwelle zum 21. Jahrhundert überschritten.
Unwirklich ist die Welt, die das Leben der Protagonisten spiegelt.
In einer Art Künstlerwohngemeinschaft haben sich die handelnden Personen eingerichtet. Rudi, der Icherzähler, geht traumwandlerisch durchs Leben. Er ist als Zeichner nicht sehr erfolgreich und lebt zwischen Utopie und Wirklichkeit. Die anderen suchen die Nähe zur Literatur, zur Musik, zum Bild und zum Film.
Die Stadt in der sie leben bleibt ungenannt. Es könnte sich um Bonn handeln, die Stadt, in der Lars Brandt, der Autor, als Sohn seines berühmten Vaters aufgewachsen ist. Nach Berlin richtet sich der Blick und nach Berlin zieht es Jarl, den Mann von Ginger. Er will dort Filme machen.
Ginger, auch Ginevra in Anlehnung an die Artussage genannt, ist die stille Liebe des Icherzählers, der ihr in steter Ergebenheit zugeneigt ist.
Sich in den Text einzufinden, fällt nicht ganz leicht.
Geht es doch im Wesentlichen um Gedanken, Visionen, vorübergehende Begegnungen, kleine Ausflüge und eine unverkennbare ratlose Zielstrebigkeit von Rudi, mit der er unverdrossen an seiner Bewunderung und Werbung um Ginger festhält. Dem Ritter Lancelot aus der Artussage gleich dient er Ginger und glaubt, sie überall beschützen zu müssen. Ärgerlich äußert er sich zu seinen Rivalen, Gingers Mann und anderen, die ihre Nähe suchen.
Empört hört Rudi, dass Ginger mit ihrem Mann einen Arbeitsaufenthalt in Rom plant. Sofort will er sich ihnen anschließen. Der Icherzähler hat sich in den Gedanken so verrannt, dass ihm ganz unverständlich bleibt, warum sie sich von ihm und dem Gemeinschaftsleben im Konsortium entfernt,--so bezeichnet sich die Künstler WG. Schließlich finden sich die Mitglieder der WG fast vollzählig in Rom bei Jarl und Ginger zu einem Kurzbesuch ein.
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Unwirklich und unnahbar bleiben fast alle Figuren. Rätselhaft erscheint ihr Leben, von dem wenig bis nichts bekannt wird. Was denken sie? Wohin wollen sie? Wovon leben sie?
Jarl geht seinen Filmprojekten nach, und Parkland begeistert mit seinen Fotografien, die in einer Ausstellung präsentiert werden sollen. Viel mehr erfährt man nicht.
Rudis Einfälle, Tageserlebnisse, die gemeinsamen Unternehmungen einzelner oder der ganzen Gruppe werden durch Wahrnehmungen beschrieben. Es finden sich eindrucksvolle Impressionen von Straßenecken, Kneipen, Bars oder Partys. Einmal ist es ein Ausflug nach Berlin, von dem berichtet wird. Dort richtet sich das Auge auf den Grunewald und auf verschlissene Häuser in Zehlendorf.
Episode reiht sich an Episode. Am Ende ist das Buch durchsetzt mit freien Assoziationen, die den Leser in den luftleeren Raum fallen lassen.
Ist es die Absicht des Autors, auf diesem Wege der inneren Leere und Ziellosigkeit der Protagonisten nachzuspüren? Rudi bleibt der Träumer, der nicht wahrhaben will, dass das Leben nicht so ist, wie er es sich wünscht. Starr hält er an seiner Werbung um Ginger fest, ohne dass erkennbar wird, wohin das alles führen wird. Mehr tragisch als komisch scheint das Leben, das er führt.
Der poetische Gehalt des Romans ist bemerkenswert, der Inhalt lässt viele Fragen offen.