Die deutschen Truppen marschieren in Amsterdam ein. Die jüdische Familie Brenner fühlt sich umzingelt vom Krieg und vom Meer. Es gibt keine Fluchtmöglichkeit. Wenig später bekommt die 13jährige Rosemarie zu spüren, was es heißt, jüdisch zu sein. Aus Rosemarie Brenner wird Rosemarie Sarah Brenner. So steht es jetzt im Ausweis. Plötzlich soll sie anders sein als ihre Freundinnen.
Rosemarie muss die Schule verlassen. Auf ihrer Kleidung wird ein gelber Stern aus grobem Stoff genäht. Schließlich kommt der Räumungsbefehl und die Familie muss ihr Haus verlassen. Sie zieht von einer Bleibe in die nächste, kommt dann in das Übergangslager Westerbork. Die Eltern finden im Lager eine Beschäftigung, so dass die Familie zunächst nicht weiterreisen muss. Vater, Mutter und Tochter erleben wie die Menschen kommen, kurz bleiben und wieder abtransportiert werden, darunter die Oma und Rosemaries Freundin Ruthie.
Die Mutter hat in ihren Bemühungen um südamerikanische Pässe nicht nachgelassen. Und tatsächlich halten die Familienmitglieder diese eines Tages in den Händen. Leider zu spät für die Oma. Dennoch keimt ganz leise etwas Hoffnung auf. Ein Austausch nach Südamerika könnte das Ende der Gefangenschaft bedeuten. Ein paar Tage später wird der Südamerikatransport bekannt gegeben. Im Personenzug geht es nach Bergen-Belsen. Von hier aus soll die Familie dann weiter nach Südamerika reisen können. Doch einen Ort, der in die Freiheit führen soll, hat sich Rosemarie so nicht vorgestellt. Für sie ist es eher eine neue Falle.
"Um ein Haar" ist ein autobiographischer Roman. Erzählt wird die Geschichte Rosemarie Brenners, einer Überlebenden des Holocaust. All das, was Rosemarie erlebt hat, hat auch die Autorin erlebt. Es ist eine Geschichte voller Dramatik, geschrieben in einem sehr nahegehenden, ausdrucksstarken Stil, die viele historische Sachinformationen, bis hin zum kaum zu bewältigenden alltäglichen Leben in den verschiedenen Lagern, enthält. Der Geschichte Rosemaries kann man sich nicht entziehen, auch wenn sie nur schwer zu verkraften ist, zumal es nicht einfach eine erfundene Geschichte ist. Genau geschildert werden die Gedanken des Mädchen, deren Leben sich so drastisch ändert, die ihr Schicksal nicht mehr selbst lenken kann und die dennoch eine ungeahnte Stärke auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden entwickelt. Es ist eine Geschichte gegen das Vergessen.
Übersetzt wurde das Buch unter der Leitung von Reinhold Adler und Wolfgang Horstmann von Schülerinnen und Schülern der Dollinger-Realschule und des Pestalozzi-Gymnasiums, Biberach an der Riß.