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Der Müßiggänger PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Claudine Borries, am 25-04-2008 11:00
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Der-Muessiggaenger120.jpgDer unvergessene Debütroman eines türkischen Schriftstellers!

An Italo Svevo Roman "Zeno Cosini" mag sich der Leser des vorliegenden Romans "Der Müßiggänger" erinnert fühlen.
Denn wie bei Svevo findet sich auch hier das Motiv des grüblerischen Zweiflers, der mit sich und der Welt nur schwer ins Reine kommt.


Ein Mann streift in Gedanken versunken durch Istanbul, beobachtet und analysiert sich selbst und seine Umwelt. Er bleibt anonym und tritt nur unter dem Buchstaben C. in Erscheinung.
 
Es geht ihm um die Frau seines Lebens, die er überall sucht. Könnte es diese sein? Oder jene?

Er geht dem Müßiggang nach, denn er kann vom Erbe seines Vaters leben. Launisch und unstet gibt er sich als Schlendrian, der seine Zeit in Kinos, Kneipen und in den Ateliers seiner Künstlerfreunden verbringt. Frauen nähert er sich drängend, sucht die körperliche Nähe, will anbandeln,- und ergreift die Flucht, sobald sie ihm ihrerseits zu nahe kommen. Hier offenbart sich sein Dilemma: die Ambivalenz zwischen der Sehnsucht nach Nähe und dem Bedürfnis nach Distanz. 
Nichts ist ihm unangenehmer und erscheint ihm verdächtiger, als Gewöhnung und Alltagsroutine. Der Gedanke an Ehe und Familie schreckt ihn. Sobald er spürt, dass eine Frau eine tiefere Bindung möchte, sucht er sofort das Weite. 

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Zu seinen Favoritinnen zählt unter anderem die Malerin Ayse. Verlässt sie ihn, weil sie sein ambivalentes Verhältnis zu Frauen bemerkt hat?
Oder die Studentin Güler. Auch mit ihr kann es nichts werden. Minutiös registriert er bei den gemeinsamen Ausflügen jede Geste, jede Mimik und die Stimmungen des Augenblicks. Nichts lässt er in seinen Gedanken unkommentiert. Vorwiegend sind es pessimistische und argwöhnische Ideen, die ihn verfolgen. Zugleich ist er ein Provokateur, der keinem Zwist aus dem Weg geht.
 
Die Ödnis und Langeweile umgeben ihn und bestimmen zugleich die Stimmung des Romans. Dieser ist in vier Jahreszeiten unterteilt, deren jeweilige Witterung Cs Gefühle wiederspiegelt. 
Dabei entstehen Stimmungsbilder von stillem Reiz und außergewöhnlicher poetischer Schärfe.
C. bleibt ein verlorener Wanderer in der modernen Welt. Er sucht die Zweisamkeit und scheut sie doch zugleich. Die Ursachen seiner Marotten finden sich in seinen ersten Kinderjahren. Der frühe Tod der Mutter und die Liebe des Vaters zu Tante Zehra haben ihn geprägt und zu einem einsamen Sonderling werden lassen.

Mit seinem Roman "Der Müßiggänger" wirft Yusuf Atilgan einen scharfen Blick auf die türkische Mittelschicht des 20. Jahrhunderts. Erstaunlich westlich erscheint uns die Offenheit, mit der Fremde einander auf der Strasse und im Kaffee ansprechen. Studentinnen, Maler und Zufallsbegegnungen bieten ein ungewohntes Bild der türkischen Gesellschaft, die man sonst eher konservativ und streng kennt.
  
Yusuf Atilgan hielt sich vom Literaturgeschehen in den großen Metropolen weitgehend entfernt und lebte in der Provinz. Umso erstaunlicher ist es, dass seine beiden Romane und ein Erzählband nicht in Vergessenheit geraten sind.
Seine Themen Entfremdung und Haltlosigkeit provozierten, denn sie stellten die Werte der jungen Türkischen Republik infrage.

In einem Nachwort von Yüksel Pazarkaya  kann man einer Deutung seines Werkes nachgehen.

Bibliographische Angaben


Der Müßiggänger
Atilgan Yusuf
Unionsverlag
August 2007
256 Seiten, EUR 19,90
ISBN (10): 3293100082
ISBN (13):978-3293100084

 

 

 

 

 


 

 



Letztes Update: 25-04-2008 11:45

Veröffentlicht in : Buch, Belletristik
Schlüsselworte : Vesuf Atilgan, Der Müßiggänger, Istanbul, Zeno Cosini
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