Eines Tages, beim üblichen Fischeinkauf auf dem weitläufigen Markt von Catania, ist der Marinekommandant Piracci von einem Gespenst gestreichelt worden. Jedenfalls lässt sich die Begegnung mit einer Frau, die er zwei Jahre zuvor auf einem der von skrupellosen Schleppern verlassenen Flüchtlingsschiffe gerettet hat, nachträglich so deuten. Die Begegnung verändert sein Leben, stellt alles in Frage, was ihm bislang Halt gab, was Sinn für ihn hatte. Die Geschichte der Frau, nur eine von Tausenden, die von der Festung Europa Rettung und Heil erhoffen, raubt ihm den Boden unter den Füßen, spült ihn nach Afrika, dahin, wo die Flüchtenden herkommen, und lässt sein Leben auf einer der staubigen Straßen im Nirgendwo enden.
Irgendwann, auf dem Weg in sein Eldorado, begegnen sich der ehemalige Kommandant und der junge Suleiman. Seit Monaten ist Suleiman aus dem Sudan unterwegs, hoffend, die Stacheldrahtzäune zwischen Marokko und der spanischen Enklave Melilla überwinden zu können. Suleiman hat Angst. Angst vor den Schleppern, aber vor allem auch Angst, im Kampf ums Überleben, im Ringen um einen Vorsprung, auf der Flucht vor den Häschern seine Menschlichkeit zu verlieren, zum Tier zu werden, zu jemandem, der kein Mitleid mehr kennt.
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Wie sollte er dann ein neues, besseres Leben in Europa beginnen können, wenn er seine Würde verloren hätte? Doch im entscheidenden Moment schafft es entgegen aller wohlmeinenden Ratschläge nicht, egoistisch nur an sich, an das eigene Siegen zu denken. Er riskiert kostbare Minuten und hilft seinem Freund Boubakar, dem Krummen, über den Zaun. Jetzt weiß er, dass er weiterleben wird. "Wir sind durch die Hölle der Barbarei gegangen, sagt ihm sein Freund, "aber Du hast es geschafft, mein Bruder zu bleiben". Das gibt Suleiman Kraft und Zuversicht zum Überleben.
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In seinem großartigen Roman Eldorado verknüpft Laurent Gaudé tiefe Einsichten über Mut und Menschlichkeit, über Gerechtigkeit und Hoffnung mit dem Schicksal zweier Menschen. In der Figur des Kommandanten repräsentiert sich zunächst die Haltung derer, die Europa vor Eindringlingen schützen wollen. Der junge Suleiman ist einer dieser Eindringlinge, der darauf hofft, der Not und der Hoffnungslosigkeit in seiner Heimat zu entkommen.
Mit einer wunderbar poetischen Sprache, einer berührenden Sensibilität und tiefer Menschlichkeit umreißt Laurent Gaudé die immense Problematik der Flüchtenden aus Afrika. Anhand seiner zwei Protagonisten beschreibt er ein bewegendes Szenario, das in behutsamen Schilderungen das heutige Elend ebenso im Blick hat wie das noch Kommende. Es ist ein Buch, das anrührt und bewegt, das aufrüttelt, zu Herzen geht In einer melancholischen Sehnsucht nach einem besseren Leben, dem Eldorado, schürt Laurent Gaudé in einem großen Roman die Hoffnung auf ein Leben in Würde und Respekt.
Das neue Buch des Prix-Goncourt Preisträgers Laurent Gaudé. Ein einnehmender Roman über Menschen auf der Flucht und die unstillbare Hoffnung auf ein besseres Leben.An der Küste Siziliens wird die "Festung" Europa gegen illegale Einwanderer verteidigt. Der Marinekommandant Piracci hat viele Jahre die Flüchtlinge aus den nordafrikanischen Staaten abgefangen. Doch er beginnt an seiner Mission zu zweifeln und wird bald selbst zum Flüchtling. Bezwingend erzählt Gaudé von Wagemut, Ausbeutung, Rache und von dem nicht zerstörbaren Traum der Menschen von einem Eldorado.