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Der Junge, der in den Büchern verschwand PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Claudine Borries, am 22-04-2008 11:10
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Philippe Claudel : Der Junge, der in den Büchern verschwandVerkehrte Welt!

Eines Tages erscheint eine Fee bei einem kleinen Mädchen, das gerade ihre Puppe kämmt. Die Fee stört, und die Kleine gibt es ihr unmissverständlich zu verstehen. Als sie immer wieder aufdringlich ihre Zauberkünste anbietet, wird Coraline deutlicher bis grob. Schließlich ist die Fee ganz kleinlaut, spricht über ihre Arbeitslosigkeit und erfährt auch noch Trost von Coraline!
Und eines Tages sind doch sogar alle Kinder verschwunden!


Sie mochten nicht mehr ständig ausgeschimpft werden, ewig  als Störenfriede gelten, immer früh zu Bett  gehen müssen, kein Fernsehen  und welche Dinge es  noch so gibt, die Kindern das Leben schwer machen. Als sie verschwunden sind,  ist die Erde still und leer. Die Eltern suchen und trauern, und eines Tages sind dann alle wieder da. Und die Moral von der Geschichte?
Am Ende werden auch diese Kinder erwachsen, werden Eltern und haben vergessen, wie es ihnen als Kindern erging,--und so beginnt die Geschichte wieder von vorne. 

Am schlimmsten aber hatte es Lucas. Nichts durfte er, geliebt wurde er nicht, weder von seinen Eltern noch von seinem Bruder oder den Klassenkameraden, und so flüchtete er sich in die Bücher. In ihnen verschwand er häufig und lebte sein eigenes Leben. Als es ihm eines Tages zu bunt wurde, verschwand er für immer in einem Buch!

Wunderbar stellen die Geschichten von Claudel die Welt der Erwachsenen und Kinder auf den Kopf. Da sind die Kinder cool und wenig zu beeindrucken. Sie sind es, die den Ton angeben wie im Märchen mit der Fee, und  sie lehren ihre Eltern Benehmen, in dem sie sich ihnen entziehen und ihnen zeigen, dass sie nur unter veränderten Bedingungen bei ihnen bleiben  möchten. Sie sind stark und kompetent und niemand kann ihnen etwas vormachen.

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Pädagogisch einfühlsam schaut Claudel in Kinderseelen und sieht von unten nach oben auf die große Welt der Erwachsenen, in der es so häufig am Verständnis für die lieben Kleinen fehlt.  Die Macht der Großen wird gegen die Hilflosigkeit der Kleinen ausgespielt. Hier aber wissen sie sich zu behaupten und zu rächen!

Philippe Claudel  erzählt seiner kleinen Tochter oft Geschichten, deren Inhalt ihm später als Vorlage zu seinen Romanen dient.
Mit lebhafter Phantasie versetzt er sich in andere, betrachtet kleine und große Menschen als ebenbürtig, was in seinen Geschichten  zum Ausdruck kommt. Poetisch und leicht, zuweilen auch ernst und ein wenig melancholisch sind seine Geschichten. Der Junge, der sich aus Bagdad meldet, spricht so selbstverständlich über den Krieg und die Autos, in denen überall Bomben lauern können, dass man auf ganz einfache Weise versteht, wie schwer das Leben dort ist.
Fantasiereich und pfiffig, klug und weise sind Claudels Geschichten, in denen sich zeigt, dass Kinder oftmals klüger als Erwachsene sind. Haben letztere doch ständig nur die Arbeit, die Hetze des täglichen Einerleis und den Spagat zwischen Mußestunden und Alltagsbewältigung im Sinn. In den Geschichten wird ihnen der Spiegel vorgehalten, und so manch’ einer mag zur Besinnung kommen und einhalten, wenn er sie liest!
Die schönen und sinnigen Geschichten, die für Kinder und Erwachsene geschrieben sind, reizen zum Weiterlesen. Hier ereignen sich kleine Wunder, aus denen man noch lernen kann! Nachdenklich und angerührt legt man den kleinen Band aus der Hand.
Claudel lebt in Lothringen und wurde bereits für seine Bücher und Filme mehrfach mit Preisen ausgezeichnet.   

Bibliographische Angaben

Philippe Claudel
Der Junge, der in den Büchern verschwand und andere Geschichten
Übersetzt von Christiane Seiler
Kindler
92 Seiten, 14,90 Euro
ISBN  3463405253 

 

 

 

Klappentext

Philippe Claudel erzählt von Kindern und ihrem ganz besonderen Blick auf die Welt ¿ und doch sind diese Geschichten für uns geschrieben. Für uns Erwachsene, die wir durch den Tag hetzen, als gäbe es immer etwas Wichtigeres zu erledigen, als einfach zu leben, einem Gedanken nachzuhängen, zu träumen ¿ Bei Claudel sind die Kinder klüger als die Erwachsenen. Da ist Lucas, der lieber in seinen Büchern verschwindet, als sich in der Schule von seinen Klassenkameraden hänseln zu lassen, oder Zazie, die eine Medizin gegen das Unglück erfindet. «Der Junge, der in den Büchern verschwand» sind freche und zugleich anrührende Geschichten, phantasievoll erzählt, doch immer wahr. Sie sind wie kunstvolle Miniaturen der Romane von Philippe Claudel, dem Meister der schnörkellosen Sprache und der unerwarteten Wendungen.



Letztes Update: 22-04-2008 11:14

Veröffentlicht in : Buch, Kinder-/Jugendbuch
Schlüsselworte : claudel, 3463405253
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