Paris: die Stadt der Liebe und der Romantik, Ziel unzähliger Hochzeitsreisen. Wie Hollywood uns mehrfach gezeigt hat, stehen an jeder Ecke Pärchen und die Funken sprühen nur so in alle Richtungen. Wie das französische Kino uns allerdings in "Die fabelhafte Welt der Amelie" gezeigt hat, ist es keineswegs so, dass alle Einwohner dieser Stadt per se verliebt und glücklich sind. Ein weiteres Beispiel liefert Francoise Dorner mit "Die letzte Liebe des Monsieur Armand".
Monsieur Armand ist 70, verwitwet und einsam. Als Lehrer der Philosophie wurde er von seinen Schülern bewundert und fühlte sich gebraucht, doch seit er pensioniert und seine Frau gestorben ist, macht das Leben ihm keinen rechten Spaß mehr. Seine beiden Kinder nehmen es ihm übel, dass er immer mehr für seine Schüler als für die Familie gelebt hat und suchen mittlerweile nicht einmal mehr an den Feiertagen seine Gesellschaft.
Erst durch die zufällige Begegnung mit der 50 Jahre jüngeren Pauline finden Abwechslung und Freude zurück in sein Leben. Und auch seine Kinder, die plötzlich um ihr Erbe fürchten, nehmen auf einmal doch wieder Anteil an seinem Leben - allerdings nur, um sich pausenlos über ihn zu beschweren.
Dabei hat alles ganz harmlos begonnen: Als Monsieur Armand aus dem Bus steigen will, lässt er sich von Paulines Anblick gefangen nehmen und ablenken - und kommt beinahe zu Fall. Doch die freundliche junge Frau hilft ihm und beherrscht von dieser zufälligen Begegnung an seine Gedanken und sein Handeln. Pauline, die aus einer zerrütteten Familie kommt und sich nichts sehnlicher wünscht als Geborgenheit, und Monsieur Armand bringen sich gegenseitig wieder bei, das Leben zu lieben, es zu genießen und nicht nur vorbeiziehen zu lassen. In kurzer Zeit werden sie Freunde, Vertraute - und doch noch so viel mehr...
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Die wunderschöne Erzählung von Francoise Dorner kommt trotz des nicht eben leichten Themas - das nahende Lebensende und die Einsamkeit im Alter wie in der Jugend - leichtfüßig daher. Trotz der Melancholie, die die beiden Figuren empfinden, kommt beim Hören doch eine gewisse Heiterkeit auf. Die Autorin blickt wechselweise aus Paulines und aus Armands Augen in die Welt. Dabei vermag sie es, sowohl Armands Perspektive des Alters als auch Paulines jugendliche Sichtweise zu vermitteln. Mit dem Schauspieler Hans Korte wurde ein sehr versierter Sprecher gefunden, dem die Rolle des Monsieur Armand auf den Leib geschrieben scheint. Es ist eine Wonne ihm zuzuhören, womit die Geschichte noch abgerundet wird.
Fazit: Francoise Dorner bringt in "Die letzte Liebe des Monsieur Armand" zwei einsame Menschen zusammen, die einander trotz völlig unterschiedlicher Ausgangslage verstehen und sich gegenseitig die Lebensfreude zurückgeben. Ein Roman, der glücklich und traurig zugleich macht und den Leser/Hörer mit einem zufriedenen Seufzen zurücklässt.
Francoise Dorner Die letzte Liebe des Monsieur Armand Gelesen von Hans Korte
Diogenes, März 2008
3 CDs, 22,90 Euro
ISBN 10: 3257801823
ISBN 13: 978-3257801828