Es herrscht Krieg und niemand weiß, wie alles weiter gehen wird.
Wir befinden uns in Rom im vierten Kriegsjahr 1943.
Eine junge Frau wandert durch die Strassen Roms. Sie betrachtet die Bauten und ruht sich auf den Treppen und Plätzen aus, die ihren Wegen kreuzen. Ihre Bewunderung gilt den herrlichen Kirchen, Brunnen und Skulpturen der italienischen Renaissance. Zwischen den warmen Sonnenstrahlen denkt sie an ihren Mann, mit dem sie erst kurz verheiratet ist. Er ist Militärpfarrer in Rom. Erst kürzlich hat er sie nachkommen lassen, und sie hatten „die römischen Freuden“ genießen wollen. Nur drei Tage nach ihrer Ankunft musste er ihr mitteilen, dass er als Soldat nach Afrika beordert war.
In zarten, einfachen Sätzen beschreibt Delius das Leben seiner Mutter. Erst 21 Jahre alt, ist sie in jenen Tagen beseelt von der Liebe zu ihrem Mann und der erwarteten Geburt ihres ersten Kindes.
Sie stammt aus Doberan in Mecklenburg und fühlt sich ungewohnt von der Ostsee ans Mittelmeer verschlagen. Fein und sensibel sind die Beschreibungen von Christian Delius über die Zeit, in der Krieg herrschte, und in der niemand wusste, wie das Leben weitergehen würde.
Die junge Frau ist von einfachem und gläubigem Gemüt. Vater und Mann stehen in kirchlichen Diensten. Ihre Sympathie gilt der bekennenden Kirche, die dem Hitlerregime kritisch gegenüber steht.
Sie wohnt in einem Hospital, das von evangelischen Diakonissen geführt wird. Dort fühlt sie sich sicher. Die Sehnsucht nach ihrem Mann vermag niemand zu lindern, und ihre Angst, dass er den Krieg nicht überleben könnte, ist unübersehbar; allein der Gottesglaube hilft ihr.
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Delius schreibt auf einfühlsame Weise eine Art Erinnerungsbuch und zeigt seine Mutter als eine geduldige, liebevolle, freundliche und unschuldige junge Frau. Sie sehnt sich nach ihrem Mann und fühlt sich recht alleine in der fremden Stadt Rom.
In einer langen Rede, unterbrochen nur von längeren Absätzen, fließen die Erinnerungen aus der Feder des Erzählers. Seine Worte sind diskret und geben doch Auskunft, wie es um die junge Frau steht, die seine Mutter ist.
Beim Anblick der schönen Gebäude, prächtigen Strassen und Plätzen mit Marmorskulturen, den Kirchen, Parks und Treppen wünscht sie sich die Erklärungen ihres Mannes, der sich in der Kunstgeschichte auskennt.
Kirchen mit so klangvollen Namen wie Santa Maria del Popolo oder der Park der Villa Borghese, die spanische Treppe und die vielen Brunnen werden in dem kleinen Erinnerungsbändchen unaufdringlich und treffend gezeichnet.
Der Romkenner wird entzückt sein, mit den Augen der jungen Frau Rom zu erkunden.
Die Mutter hängt reflektierend ihren Gedanken nach. Der passende Ausdruck von dem „katholischen, schönheitslüsternen Überfluß“ lassen die Widersprüche erahnen, die den strengen, asketischen Protestantismus vom Katholizismus trennen. Anläßlich eines Kirchenkonzerts mit Bachkantaten werden die inneren Gefühle des Fremdseins und der kurzzeitigen Heimatlosigkeit bei aller Bewunderung der Stadt schmerzlich erkennbar.
In diesem liebevollen Stück Prosa erreicht uns ein Bild des zweiten Weltkriegs, das nicht rau, brutal und blutrünstig ist, sondern aus der Innenschau einer sehr jungen Frau berichtet. Sie ist glaubwürdig und anrührend zu lesen.