Die Verwegenheit und Naivität der Jugend!
Als Kind ist man verführbar und ohne Blick die Gefahren des Lebens. Nur kurz hat der kleine Romek in Krakau die Wohnung verlassen. Sehnsüchtig schaut er auf das rote Auto und die gelbe Hupe des Tretautos von Lala! Für das Ausleihen des Autos ist der Preis leider recht hoch! Die Anzahl der Minuten, die man es ausleihen darf, richtet sich nach der Anzahl der Küsse, die Lala einem abverlangt! Und die sind eklig! Aber für das Auto tut man doch alles.....
Nicht ahnend, dass zeitgleich sein Elternhaus ausgeraubt wird, genießt Romek die Fahrt um den Marktplatz mit dem schönen Tretauto.
Als er schließlich in die Wohnung zurückkehrt, ist das Entsetzen groß. Nicht nur das ganze Besitztum der Eltern, sondern auch wertvolle Kleidung und Pelze, zu Änderungsarbeiten in Vaters Schneiderei eingelagert, sind verschwunden.
Romeks Familie, die im Polen der fünfziger Jahre ums Überleben kämpft, kann sich von diesem Schlag nur schwer erholen. Denn nur knapp schafft es der Vater, ein stiller Wodkatrinker, die Familie mit seinem bescheidenen Schneideratelier zu ernähren. Und so überschattet dieses Ereignis das ganze Leben der Familie und Romek, der sich schuldig fühlt, kann das alles nicht fassen.
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In komisch naiven und kurzen Sätzen lässt uns Tomek Tryzna die Welt durch Romeks Augen erfahren. Einer Welt, geprägt vom Kampf ums Überleben, in der sich Ängste und Freuden die Waage halten. Dank seiner großartigen Beobachtungsgabe und viel Einfühlungsvermögen zeichnet Tomek Tryzna das Bild eines ruhigen und ängstlichen Jungen, der seinen Träumen nachhängt und sich in vagen Vermutungen über die Welt verliert.
Fast magische Hilfe erhofft sich Romek von Gott, mit dem er Zwiesprache über seine Wünsche und Hoffnungen hält. Seine Zweifel an der Güte und Gerechtigkeit Gottes lassen sich dabei jedoch nicht ausräumen.
Dieser Roman gewährt Einblicke in das kommunistische Polen und in die Welt eines von der Kindheit zur Schwelle des Erwachsenen stehenden Protagonisten, der die Schwankungen des Lebens zu nehmen versteht. Geht es einem heute schlecht, so wird es morgen wieder besser. Denn nur mit einem ausgeprägten Fatalismus lässt sich das Leben ertragen, das ist die Lehre, die unser Held davon tragen wird.
Die Lektüre lässt ahnen, wie es sich nach dem Krieg in einem Land lebte, das von der Diktatur und der Besetzung durch die Nazis zur Diktatur unter kommunistischer Herrschaft geriet. Die politische Seite der Geschichte bleibt zwar meist geschickt verborgen, schimmert aber gelegentlich durch den Handlungsrahmen hindurch.
Bei allem Ernst bietet dieser Entwicklungsroman aber durch seine naiv lakonische und fast trockene Erzählweise auch Stoff zum Schmunzeln. Und so legt man das Buch schließlich amüsiert, aber auch ein klein wenig nachdenklich zur Seite.