Arndt van Geldern hat auf den ersten Blick alles, was Neid und Missgunst erwecken könnte – ein florierendes Geschäft, zwei schöne Töchter, Macht und Einfluss. Doch inmitten des Ketzerwahns, der auch vor dem friedlichen Köln nicht halt macht, stehen Macht und Ansehen auf tönernen Füßen.
Vom Spanien Phillips II. geht eine nie dagewesene Welle der Ketzerverfolgung aus. Alles, was im Geruch steht, nicht papsttreu zu sein, insbesondere die verhassten Calvinisten, brennt auf dem Scheiterhaufen. Auch Köln, dessen Stadtväter lieber nichts mit der Inquisition zu tun haben, können sich dem Wahnsinn nicht ganz verschließen. So bringt ein übermütiger Streich der eigenwilligen Colomba van Geldern die ganze Familie in Bedrängnis. Bei einem unerlaubten Ausflug wird sie bei einer Ketzerjagd verhaftet und nur mit Müh und Not von einem Fremden gerettet.
Während ihr Vater rücksichtslos versucht, eine Ehe für seine missratene Tochter zu arrangieren, gerät er gleichzeitig immer tiefer in Geldnot, denn die spanische Krone, die tief in seiner Kreide steht, zahlt nicht. Da fällt sein Blick auf das Vermögen seiner Schwägerin Rebecca, die als Begine, Heilerin und Mystikerin hohes Ansehen in Köln genießt. Er schmiedet einen teuflischen Plan, sie dem Ketzergericht zu überantworten. Dabei übersieht er ganz, dass auch seine ältere Tochter Juliana auf einem gefährlichen Pfad verbotener Liebe wandelt.
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Schon die Inhaltsangabe zeigt, dass es sich bei Hannes Wertheims historischem Roman und eine sehr komplexe Geschichte handelt, die alle Register von Liebe, Mord und Verrat zieht. Die Figuren sind so eng miteinander verwoben, dass beinahe jede in irgendeiner Beziehung mit jeder anderen steht. So entsteht ein vielschichtiges Handlungsgewebe, das sich positiv von vielen anderen ähnlichen Werken, die derzeit den Markt überschwemmen, abhebt. Es gelingt dem Autor, fast alle Wendungen glaubhaft und logisch zu entwickeln, und nur hier und da gewinnt der Leser den Eindruck, dass die Wahrscheinlichkeiten ein wenig überstrapaziert werden.
Besonders ungewöhnlich ist der düstere Ton des Romans, der die diversen Liebesgeschichten und Intrigen beinahe gleichwertig neben den düsteren Hintergrund stellt, vor dem sich die Geschichte abspielt. Obwohl Wertheim auf plakative Szenen von Folter und Gewalt verzichtet, gelingt es ihm, die unterschwellige Bedrohung und offene Gewalttätigkeit dieses blutigen Zeitalters immer präsent zu halten. Dass einige Klischees des Genres dabei trotz aller Eigenständigkeit erfüllt werden, dass die Frauen wunderschön und die falsche Begine wirklich böse ist, gehört wahrscheinlich einfach dazu und beeinträchtigt das Lesevergnügen nicht wesentlich.
Fazit: Überraschend düsterer und eigenständiger Roman zur Zeit der Ketzerverfolgung
Europa im 16. Jahrhundert. Um seinen finanzielle Schwierigkeiten zu entkommen, versucht der Kölner Kaufmann Arndt van Geldern die reiche Seidenweberin Rebecca zur Ehe zu überreden. Doch um ihre Unabhängigkeit zu bewahren, hat diese sich zur Gründung eines Beginenordens entschlossen. Wütend über die Zurückweisung versucht van Geldern, Rebecca als Ketzerin zu verklagen und auf diese Weise in den Besitz ihres Vermögens zu gelangen. Aber er hat nicht mit seinen beiden Töchtern gerechnet, die ihre eigenen Ziele verfolgen und die Pläne ihres Vaters unbedingt durchkreuzen wollen.