Eine Einladung zur heißen Schokolade lässt die junge unerfahrene Käthe sofort für Alexander Wolkenrath entflammen. Trotz der Warnungen ihres Vaters folgt sie ihm zum Altar und ahnt nicht, dass sie ihrer großen Liebe längst begegnet ist. Doch die Geburt von fünf Kindern und die täglichen Sorgen in einer immer aggressiveren politischen Landschaft lassen nicht viel Raum für Leidenschaft.
Was für Käthe als die große Liebe beginnt, entpuppt sich bald als ganz gewöhnliches Frauenschicksal der Kaiserzeit. Der Ehemann Alexander ist ein windiger Geschäftemacher, der nichts dagegen hat, zusammen mit dem Schwiegervater das Haus zu bewohnen, um die Miete zu sparen und seiner Frau in regelmäßigen Abständen vier Kinder zu machen. Dass das fünfte, die bezaubernde Stella nicht von ihm sondern dem langjährigen Mitarbeiter Fritz ist, soll er dabei nie erfahren.
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Doch obwohl Käthe sich immer wieder mit ihrem Geliebten den einen oder anderen Ausbruch aus der wenig befriedigenden Ehe leistet, kommt eine Trennung doch nicht in Frage. Der eine Sohn ist homosexuell, der andere wendet sich mehr und mehr nationalistischen Ideen zu, während die Töchter – mit Schönheit die eine, mit prophetischen Träumen die andere – ihren Teil zu den Schwierigkeiten beitragen. Als die dreizehnjährige Stella schwanger wird, schickt Käthe die beiden Mädchen kurzerhand zu ihrer Tante aufs Land, wo sich ihnen ganz neue Perspektiven eröffnen.
Elke Vespers Frauenroman Die Frauen der Wolkenraths umspannt die deutsche Geschichte von der Kaiserzeit bis in die Anfänge des Nationalsozialismus. Im Mittelpunkt stehen Käthe und ihre beiden Töchter Stella und Lisbeth, denen das Kernstück des Romans gewidmet ist. Überhaupt liest sich diese Familienchronik wie zweigeteilt. Während Käthes Jugend und alles, was mit ihrem Mann und ihren Söhnen zu tun hat, eher kursorisch und mit großen Zeitabständen wiedergegeben wird, ist Stellas Schwangerschaft und das damit einhergehende Exil bei der Tante eine in sich geschlossene, ausführlich ausgearbeitete Erzählung, beinahe ein Roman im Roman.
Welchen Teil man stärker schätzt, hängt ein bisschen vom individuellen Lesergeschmack ab. Während der Mittelteil komplett mit Dianabeschwörungen im verschneiten Winterwald und der Aufforderung, sich als Frau zu schätzen, bei aller Lebendigkeit doch einige Klischees erfüllt, passiert das auch im anderen Teil, wenn auch anders. Während hier neben der Familienchronik auch das Zeitgeschehen dargestellt wird, sind die männlichen Familienmitglieder, vor allem die Söhne Eckbert und Alexander flache Charaktere, eigentlich nur Typen, die bestimmte Denkrichtungen darstellen. So liest sich der Roman zwar uneinheitlich und bisweilen etwas stereotyp, dennoch gelingt es ihm durch die Mischung aus Zeitgeschichte und prallem Familienschicksal zu unterhalten.
Fazit: Unterhaltsame, wenn auch nicht ganz stimmige Familienchronik
Dresden im Jahr 1889: Die zwanzigjährige Tischlerstochter Käthe Volpert ist einerseits ehrlich, fleißig und so brav, wie man es von einer jungen Frau der Zeit erwartet. Andererseits aber ist sie ungewöhnlich eigenwillig, klug – und sie hütet ihre Geheimnisse, zum Beispiel einen Beutel voller Gold. Sie heiratet Alexander Wolkenrath, einen eleganten Mann, jeder Zoll ein Kavalier ... dass er aus einer verarmten Familie stammt und nichts gelernt hat, stört sie wenig. Käthe bekommt fünf Kinder, drei Söhne und zwei Töchter. Die Mädchen – beide an einem 13. geboren – entwickeln sehr unterschiedliche, außergewöhnliche Fähigkeiten. »Die Frauen der Wolkenraths haben eindeutig mehr Mumm und Verstand als die Kerle«, sagt Käthes Vater auf dem Totenbett. Nach dem Ersten Weltkrieg muss die Familie vor Alexander Wolkenraths Gläubigern aus Dresden fliehen. Wird das von Käthe in einer Urne versteckte Gold ihr helfen, die Zukunft zu meistern?