Eugen kommt nach Berlin mit dem einen großen Traum, Schriftsteller zu werden, ein Dichter, wie seine Vorbilder, die sich im Cafe Größenwahn die Klinke in die Hand geben. Als er auch noch die mondäne Maximiliane kennen lernt, scheint sein Glück vollkommen. Doch der Ruhm lässt auf sich warten, und das Geld wird knapp.
Eugen ist voller Träume, als er aus der Provinz nach Berlin kommt. Er träumt vom Theater, vom Ruhm als Schriftsteller, vom großen Leben. Tatsächlich trifft er all seine Idole im berüchtigten Cafe Größenwahn. Dort lassen sich Benn und die Lasker-Schüler vom buckligen Zeitungskellner Richard bedienen. Tatsächlich scheint Eugen den Ruhm zu erhaschen, als er sein Theaterstück in die Hände eines Verlegers fällt, doch das Erwachen ist bitter.
Während das junge Landei seinen Traum verbissen verfolgt, zerrinnt ihm die kleine Erbschaft, die er gemacht hat, unter den Fingern. Er ist gezwungen, sich nach anderen Einnahmequellen umzusehen, und seine Wahl fällt auf einen Geldboten. Der Coup funktioniert, niemand ahnt, wer der Täter ist. Doch einer heftet sich an Eugens Fersen, ein Mann, den er nur einmal kurz im Theater gesehen hat – schnarchend. Es ist Kriminalkommissar Kappe, der längt kein Landei mehr ist.
Cafe Größenwahn ist der zweite Roman in der Reihe um den Berliner Polizisten Kappe, und diesmal ist es Sybil Volks, die es übernommen hat, den Charakter des Protagonisten weiterzuspinnen. Zwei Jahre nach seinem ersten Fall in Berlin ist Kappe längst kein grüner Junge mehr, er ist ein gestandener Kriminaler mit einem gesunden Instinkt und einem großen Schnauzer. Doch das ist eigentlich alles, was wir über ihn erfahren, denn Volks stellt nicht ihn in den Vordergrund ihres Romans sondern den Täter Eugen.
Anzeige Auch der Aufbau von Cafe Größenwahn ist untypisch. Von Anfang an weiß der Leser, wer der Täter ist, aus welchen Motiven er handelt, was seine Ziele und Träume sind. So liest sich Kappes zweiter Fall eher wie das Psychogramm eines Täters als wie ein Kriminalroman. Eine Mischung aus Naivität, Selbstüberschätzung und Gier treiben einen jungen Mann ins Verbrechen. Er wirkt fast wie ein zweiter Kappe, doch wie einer, der den Sprung nicht schafft.
Doch die eigentliche Hauptfigur dieses Romans ist Berlin. Das Cafe Größenwahn existierte tatsächlich, ebenso wie seine illustren Gäste. Der Leser wird direkt hineingezogen in den Taumel des großstädtischen, durch und durch dekadenten Berlin. Sogar die Titanic wird in die Handlung einbezogen und spielt ihre wichtige Rolle bei der Aufklärung des Falles. So entsteht ein feines, kleines Portrait einer wilden Zeit, die vorbei war, kaum dass sie begonnen hatte. Weniger düster als im ersten Fall, doch nicht weniger lebendig zeigt Berlin nun sein Künstlergesicht.
Fazit: Ein weiteres sorgfältig ausgearbeitetes Berlin-Portrait mit Krimi-Touch.