Mit einer Siedlung von Mönchen am Petersbergl soll die Stadt München, die heimliche Hauptstadt Deutschlands, vor 850 Jahren ihren Anfang genommen haben. Heinrich der Löwe, Herzog von Bayern und Sachsen, gilt als Stadtgründer, nachdem er 1158 eine Brücke über die Isar bauen ließ. Schon 1175 erhielt die Siedlung den Status einer Stadt und wuchs und wuchs bis heute.
Dazwischen liegen viele Seiten an Geschichte, überschattet von Fehden und Pestepidemien,
Begehrlichkeiten anderer Staaten, aber auch überstrahlt von Glanzzeiten mit bemerkenswerter Bautätigkeit, die das Stadtbild Münchens bis heute unverwechselbar prägt. Namen aus der Dynastie der bayerischen und pfälzischen Wittelsbacher gehören untrennbar zur Münchner Geschichte, nicht zu vergessen Kurfürst Maximilian I, der die Plünderung während des 30 jährigen Krieges abwenden konnte und zum Dank die Mariensäule errichten ließ. Adelheid von Savoyen hinterließ ihre Spuren ebenso wie die Habsburger.Päpste weilten als Gäste in der Stadt, die sich baulich herausputzte und mit einem legendären Englischen Garten im Zentrum Furore machte. Da lag es auf der Hand, dass München zur Hauptstadt des Königreichs Bayern aufrückte.
Nach dem Ersten Weltkrieg gab es in München kurzzeitig eine Räterepublik, bald darauf machte ein Diktator lautstark von sich reden und München wurde „Hauptstadt der Bewegung.“
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Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt so stark zerbombt, dass manche daran dachten, das Zentrum künftig zu verlegen. Glücklicherweise setzten sich die Befürworter des Wiederaufbaus durch, eines Wiederaufbaus, bei dem Wert darauf gelegt wurde, die historische Straßenführung nicht zu verändern und alle bedeutenden Gebäude möglichst originalgetreu zu rekonstruieren. Daraus entwickelte sich das, was bis heute den Münchner Charme ausmacht. Zur Schönheit der Stadt mischen sich Bierzeltseligkeit, das aufregende Leben der Schickeria, die dafür sorgt, dass der Klatsch nicht ausgeht, das ländliche Treiben auf dem Viktualienmarkt ebenso wie das geradezu italienische Flair der Stadt. München hat 1, 3 Millionen Einwohner und ist gemütlich und heimelig wie ein Dorf. Es war und ist ein Magnet für Touristen aus aller Welt- nicht nur im September, wenn beim Oktoberfest ozapft ist.
Reinhard Bauer und Ernst Piper sind beide gebürtige Münchner und als Historiker auch qua Profession Kenner der Stadt. Mit Blick auf das 850 jährige Jubiläum haben sie eine kleine Geschichte Münchens vorgelegt. Da steht fast alles drin über den „Kini“ und die architektonische Entwicklung der Stadt. Es ist ein Buch mit Bildern und gut recherchierte Fakten. Allerdings fehlt der Lektüre der Charme, den die Stadt verstrahlen kann, manche Texte lesen sich eher wie trockene Dekrete des Stadtrates( das ist Autor Reinhard Bauer), denn als lebendige Geschichte einer so vielseitigen und quirlig bunten Stadt wie München. Christian Ude erläutert mit staatstragenden Worten die künftigen Projekte für die Stadt, skizziert München als high tech Zentrum und auch da geht fehlen das Augenzwinkern und die Leichtigkeit, die diese Stadt so liebenswert machen.
Im Pressetext heißt es, das Buch sei ein Buch für Einheimische und Zugereiste- doch die Einheimischen wissen sicherlich sehr viel derbere, handfestere und bayerische Geschichten über ihre Stadt zu erzählen, als die beide faktenkundigen Autoren. Die Zugereisten können einiges an Zahlen und Daten, an Bauvorhaben und Namen lernen- das ist nicht wenig- aber nicht ganz das, was Münchens Unverwechselbarkeit ausmacht.
1158 verlegte Heinrich der Löwe die Isarbrücke zu der Siedlung bei den Munichen, den Mönchen, um sich die Zolleinnahmen für die Salztransporte zu sichern. Später machten die Wittelsbacher München zum Zentrum des Herzogtums Bayern. Gustav Adolf befand, München sei ein goldener Sattel auf magerem Pferd. »München leuchtete«, schrieb Thomas Mann. In der Nazi-Zeit wurde es die »Hauptstadt der Bewegung«, danach die »heimliche Hauptstadt« der Bundesrepublik, 1972 der Schauplatz der Olympiade und bis heute ein Magnet für Touristen aus aller Welt. Von den Mönchen zum High-Tech-Zentrum, vom Herzogssitz zur Bussi-Gesellschaft. Es ist schon eine erstaunliche Geschichte, die die kleine Siedlung »Munichen« an der Salzstraße des 12. Jahrhunderts bis in die Gegenwart hinter sich gebracht hat. Ein Buch für Einheimische, »Zuagroaste« und andere München-Fans.