Den Garten individueller, kreativer und effektiver gestalten
"Man muss nicht nur die Auswahl der Pflanzen bedenken, wenn man einen Garten anlegt und gestaltet. Denn angesichts so vieler Gartensendungen im Fernsehen, Artikel in Zeitschriften und so vieler Gartenbücher ist es heute fast ein Kinderspiel, geeignete Pflanzen zu finden…", so beginnt der Brite Stafford Cliff (Design Consultant und Art Director) seinen neuen "Ratgeber"-Bildband "1000 Gartenideen".
Er verzichtet in diesem außergewöhnlichen Ideenbuch auf die Benennung diverser Pflanzen, schreibt nichts über Pflanzzeit, Winterverträglichkeit und dergleichen. Cliffs Buch fällt durch äußerst sparsame Textpassagen, im Gegensatz zu seiner Flut an visuellen Momentaufnahmen auf, die, gegliedert nach thematischen Schwerpunktthemen, allesamt mit der Gestaltung der eigenen grünen Wohlfühloase zusammenhängen.
Beinahe wie aneinandergereihte einzelne Szenen eines Films wirken die vielen Einzelbilder, die jedoch ein äußerst gelungenes Ganzes ergeben. Schon der Beginn dieses opulenten Kompendiums verstärkt diesen Charakter. Auf den ersten drei Seiten bilden die Zahlen Eins, Zwei und Drei seitengroße Konturen, durch die man wie durch ein Schlüsselloch auf ein gärtnerisches bzw. architektonisches Ambiente blicken kann. Dieser Schlüssellocheffekt bewirkt beim Betrachter einen fokussierenden Blick, der mitunter ganz andere Details sichtbar macht, die man ohne diese Sichtbündelung wahrscheinlich kaum wahrgenommen hätte.
Denn was dem geschulten Auge des Autors nicht entgeht, gehört beim Laien geführt. Und so lenken die 1.500 Fotografien in diesem Werk auch nicht nur auf eine gestalterische Gesamtkomposition, sondern verweilen oft im Detail oder öffnen den Blick auf ein anderes Element oder eine harmonierende Komponente.
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Rundgang durch die vielfältigsten grünen Oasen dieser Welt
Gegliedert hat Cliff seinen Rundgang durch die vielfältigsten grünen Oasen dieser Welt in 14 Kapitel. Gartentore, Mauern und Zäune, Wege, Beeteinfassungen, Stufen, Gefäße, Sitzgelegenheiten oder Statuen sind Bestandteil jeweils eigener Abschnitte. Auch Felsen, Pergolen, Hecken, Aussichtspunkte und natürlich Wasser im Garten finden separate Erwähnung bzw. Abbildungen.
Ans Ende setzt der Autor dann doch noch die Pflanzenpracht. Aber nicht die Benennung unterschiedlichster Arten ist von Belang, sondern Cliff geht es einzig um Farbe, Größe und Form. Da schimmert es auf einer Seite in allen Nuancen von Gelb, auf anderen wiederum in Rot, Orange oder Violett. Andere Seiten zeigen eine Collage verschiedenster Pflanzen mit spitzen, langen Blättern. Denn, so Cliff, "wenn Sie (…) bewusst wählen, sich auf wenige Farben beschränken, Farbe und Größe der Pflanzen und Farbe und Form der Blätter in Ihre Überlegungen einbeziehen, erzielen Sie einen sehr viel subtileren Effekt - ähnlich dem Unterschied zwischen einer Blaskapelle und einem Violinquartett."
Jedem Kapitel ist ein einseitiger, kurzer Einleitungstext vorangestellt, der die Fantasie beim Betrachten der nachfolgenden Bilder und Schnappschüsse anregen soll, der manchmal auf unterschiedlichste Gartenkulturen anderer Länder eingeht oder aber wertvolle Gestaltungstipps gibt.
Anregung zum Entwickeln eigener Kreativität
Das Hauptaugenmerk richtet sich jedoch uneingeschränkt auf die wunderschönen Bilder Stafford Cliffs, aufgenommen im Laufe der letzten 40 Jahre auf Reisen und während seiner Arbeit. Da öffnen sich schmiedeeiserne Tore oder nur eine kleine schlichte Holztür, da ist ein einfacher, nur mit Bruchsteinplatten belegter Weg zu sehen, in dessen großzügigen Fugen kleine Blumenpolster wachsen. Schlicht, aber äußerst wirkungsvoll bepflanzte zerbrochene Blumentöpfe fungieren als Wegabgrenzung oder originelle Bänke laden zum Verweilen ein. Brücken führen über Gewässer, üppig berankte Pergolen spenden Schatten oder bizarre Felsen und Steinformationen ziehen den Blick an.
Der Ursprung der Bilder wird jedoch nicht verraten - wo der jeweilige Garten beheimatet sein könnte, liegt im Auge des Betrachters. So wie auch das ganze Buch der Fantasie freien Lauf lässt. Man sollte sich entspannt zurücklehnen und das Auge fokussieren oder von Zeit zu Zeit auch schweifen zu lassen. Und schon kann ein exotisch anmutender japanischer Garten bzw. ein Detail daraus, eine zündende Idee zur Umsetzung einer persönlichen Affinität liefern.
Nicht um die "Eins-zu-Eins-Umsetzung" geht es dem Autor, sondern um Anregung zum Entwickeln eigener Kreativität. Denn kaum jemand kann sich eine, da unbezahlbare, antike Statue in den Garten stellen, auch wenn der Platz vielleicht ausreichend wäre. Von massenproduziertem Kitsch rät Cliff jedoch unbedingt ab. Geeignet sind viele architektonische Fragmente. Selbst ein alter Schornsteinkopf oder ein abgebrochener Ast können ein äußerst wirkungsvoller Blickfang sein.
Fazit:
"1000 Gartenideen" bietet geschmackvolle Bildcollagen zu unterschiedlichen Themenschwerpunkten rund um den Garten, der die Kreativität des Betrachters wecken soll.