Als der ehemalige Gauner Feucht von Lipwig sein Erbe als Mehrheitseigentümer der Kreditbank von Ankh-Morpork antritt, macht er schnell die Erfahrung, dass nicht alles Gold ist, was glänzt: Der Bankpräsident ist ein Hund, die berüchtigte Familie Üppig macht ihm sein Erbe streitig und der Keller mit den Goldreserven hält noch so manche unangenehme Überraschung bereit….
Terry Pratchett, Schöpfer der skurrilen Scheibenwelt, auf der sich mittlerweile zum 32. Mal allerlei seltsame Gestalten tummeln, hat einmal mehr einen Fantasyroman geschaffen, der mit einem liebevoll ironischen Augenzwinkern so manche menschliche Eigenschaft kritisch beleuchtet. So werden beispielsweise Neid, Habsucht und Geltungsbedürfnis geschickt auf die wunderbar originellen Bewohner von Ankh-Morpork übertragen wobei durch die Abstraktheit der so geschaffenen Bilder die Absurdität menschlicher Verhaltensweisen überdeutlich zu Tage tritt. Pratchett ist in dieser Hinsicht tatsächlich eine Ausnahmeerscheinung: Kaum ein anderer Autor schafft es, so intelligente scharfsinnige Zerrspiegel der Gesellschaft zu kreieren, dabei stets leichtfüßig, niveauvoll und überaus amüsant zu bleiben und niemals auch nur einen Hauch von Verbitterung und Bösartigkeit zu zeigen.
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Darüber hinaus umgeht er geschickt eine Falle, in die so manche Satiriker allzu oft tappen: Im Zuge des Bemühens, möglichst gekonnte Anspielungen mit hohem Wiedererkennungswert zu schaffen, geschieht es häufig, dass die Handlung zu einer bloßen Plattform aneinander gereihter und mehr oder weniger sinnvoll miteinander verbundener Pointen verkommt. Nicht so hier. Pratchetts Roman ist auf beiden Ebenen durchwegs lesbar: Einerseits als erzählerisch starkes Werk mit originellen Charakteren in einer spannenden und wendungsreichen Handlung, und andererseits als eine ironische Fabel menschlichen Verhaltens, welches zuweilen derart absurde Formen annimmt, dass man, mit ausreichender Bereitschaft zur Selbstironie, tatsächlich nur lachend den Kopf darüber schütteln kann.
Ideal ist Pratchetts neuester Streich aus der Scheibenwelt demnach für all diejenigen, die Fantasy und Satiren gleichermaßen zu schätzen wissen und sich an einer innovativen Mischung beider Genres erfreuen können. Für Fans reiner Fantasy etwa im Stile des „Herrn der Ringe“ dürften Pratchetts Anspielungen auf das menschliche Wertesystem und seine Sprengung der Genre-Grenzen jedoch möglicherweise den Reiz an der Lektüre schmälern, da diese in Summe mehr einer gesellschaftskritischen Fabel als einem klassischen Fantasyroman gleicht.