So zahlreich wie die Touristen, die Jahr für Jahr die Städte und Dörfer, die Hügel und Täler der Toskana überfluten, so zahlreich sind die Bücher, die es über die Toskana gibt: handliche Reiseführer, kostbare Bildbände, Romane, schlichte Erlebnisberichte, Krimis, Sachbücher zu Spezialthemen und natürlich Kochbücher füllen viele Regalmeter.
So vielfältig wie diese Kulturlandschaft mit ihren Kunststädten Florenz, Pisa oder Siena, dem wallgeschützten Lucca oder dem hochgelegenen Volterra, so vielseitig sind auch die Bilder und Vorstellungen, die sich mit der Toskana verbinden. Etruskerland, Weinanbaugebiet, Kulturlandschaft, Ferienregion, Schlemmerparadies, Wiege der Renaissance und Zentrum der italienischen Hochsprache sind nur einige der Zuschreibungen für diesen Landstrich. Er hat klüftige Küsten, Täler und Hügelketten mit sanften Rundungen, steile Anstiege bis zum Apennin und Dörfer mit mittelalterlicher Struktur. Dichter und Schriftstellerinnen haben die Toskana und die italienische Lebensart in vielfältiger Weise besungen. Hymnen, Gedichte voller Andacht und Bewunderung, Beschreibungen detailgenau wie eine Fotografie sind im Lauf der Jahrhunderte entstanden.
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Ulrich Korn hat zu Bildern von Reinhard Eisele ein auf den ersten Blick vielversprechend neuartiges Buch über die Toskana vorgelegt, das alle bekannten Ansichten vereint. Es ist ein Buch wie ein Kalender. Für jeden Tag des Jahres gibt es ein Bild, dazu einen kurzen Textauszug und ein paar freie Zeilen für mögliche eigene Impressionen und Einträge. Das ist durchaus eine sympathisch neue Art, der Toskana nochmals in Bildern und Texten zu huldigen. Da ducken sich die roten Ziegeldächer aneinander und dazu ist eine kurze Passage von Heinrich Heine über pittoreske Häusergruppen zu lesen. Da schneidet ein Toskaner konzentriert einen der köstlich Schinken an, der so saftig aussieht, dass einem schon beim Blick darauf, das Wasser im Mund zusammenläuft und daneben lesen wir eine kluge Sentenz über die hohe Schule des Kochens und Genießens. Da kräuseln sich die Wellen des Meeres und daneben steht ein kurzer Text von Virginia Woolf.
Sie ist neben Mary McCarthy die einzige Frau, die an diesen 365 Tagen zu Wort kommen darf. Keine Fanny Lewald, keine Ida von Hahn- Hahn, keine Luise Kurz, auch keine der zeitgenössischen Autorinnen fand Eingang in diese Text- Bild- Anthologie. Die Auswahl der Texte wirkt so, als seinem nur einige Werke weniger Autoren vorwiegend aus dem 19. Jahrhundert weidlich ausgeschlachtet, aber keinesfalls die Fülle dessen, was zur Toskana geschrieben wurde, ins Blickfeld genommen worden. Charles Dickens, Stendhal, Heinrich Heine und Curtio Malaparte finden sich wieder und wieder, auch Goethe und Schiller dürfen nicht fehlen, doch wo bleiben andere Autorinnen, wo andere Blickwinkel, wo auch die sperrigen Worte, wo die Bilder jenseits von Hochglanzbroschüren und Reisekatalogen. Auch in diesem neuen dicken Werk hat die Toskana nur das eine, das bekannte Gesicht.
Die Chance die Vielgesichtigkeit dieser vielbereisten und doch auch noch unbekannten Toskana auch mit den Schattenseiten aufzuzeigen, haben Autor und Fotograf leider verschenkt. Nach einigen Wochen des Lesens und Schauens wird das zunächst Neue alltäglich und langweilig wie ein in der Routine des Alltags vorbeiziehendes Jahr. Schade.
Historische Städte wie Florenz oder Pisa, Hügellandschaften mit Pinien und Olivenbäumen und traumhafte Sandstränder an der Mittelmeerküste vermitteln italienisches Lebensgefühl schlechthin. Der bekannte Fotograf Reinhard Eisele hat die Einzigartigkeit der Toskana in 365 Bildern festgehalten. Ein Buch für wundervolle Abende bei einem Glas Chianti, literarisch begleitet von Zitaten und Platz, um die eigenen Gedanken zu verewigen.