Toraks Vater liegt im Sterben. Ein Bär hat ihn angegriffen und schwer verletzt. Seinem 12jährigen Sohn nimmt er ein Versprechen ab. Torak soll den Berg des Weltgeistes suchen. Nach dem Tod des Vaters ist der Junge ganz auf sich gestellt, hat er doch mit ihm fernab aller Sippen gelebt.
Der Bär ist immer noch da. Er jagt nicht, um seinen Hunger zu stillen. Er verkörpert das Böse. Er ist ein Dämon. In seinen Augen hat Torak für einen kurzen Augenblick den Hass auf alles Lebendige gesehen. Der Bär wird immer weiter morden, bis der ganze Wald tot ist.
Torak ist nicht lange allein. Er findet in einem jungen Wolf einen Gefährten. Torak entdeckt, dass er die Wolfssprache versteht. Zusammen mit dem Wolf beginnt er den harten Kampf ums Überleben in den Wäldern. Doch beim Jagen wird er von Jägern des Rabenclans erwischt, die behaupten, der Wald gehöre ihnen. Auf den Diebstahl steht der Tod.
In Gefangenschaft erfährt Torak, dass er der Lauscher ist, dazu bestimmt, den Bären aufzuhalten. Der Lauscher soll dem Berg sein Herzblut opfern, denn damit wird der Schatten vernichtet. Sein Vater wusste das. So muss der 12jährige nun einen Berg finden, den noch niemand gesehen hat, Rätsel lösen, die unlösbar scheinen und einen unbesiegbaren Bären töten. Zur Seite stehen Torak neben dem Wolf auch Renn, ein Mädchen aus dem Rabenclan, das sich den beiden anschließt und damit einiges riskiert.
Diese stimmungsvolle, mythische Geschichte fesselt von der ersten bis zur letzten Seite. Unglaubliches wird diesem 12jährigen Jungen aufgebürdet. Mit Spannung verfolgt man seinen aussichtslos scheinenden Kampf ums Überleben. Wie im Märchen muss Torak drei Rätsel lösen. Nur so kann er den Weltgeist um die Hilfe bitten, die er unbedingt braucht, um den Dämonen, der immer stärker wird, besiegen zu können. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit, was zusätzlich für Nervenkitzel sorgt.
Die Geschichte spielt 6000 Jahre vor unserer Zeit in den Wäldern Nordwesteuropas. Trotzdem kann man sich in diese Zeit gut hineinversetzen. Die Autorin schildert das Leben sehr bildhaft, hat ausführlich recherchiert und ist den Spuren unserer Vorfahren nachgegangen.
Auch die Beziehung Toraks zu dem Wolfsjungen ist eine ganz besondere. Die beiden verstehen sich nicht einfach durch Gedankenübertragung. Es ist viel mehr und liegt in Toraks frühester Kindheit begründet. Hier wurde der Grundstein gelegt für dieses ganz besondere Verständnis für Wölfe.
Auch vom Schreibstil her lässt sich der Geschichte sehr gut folgen. Die Autorin schreibt sehr flüssig, schildert Situationen und Schauplätze sehr präzise und damit gut vorstellbar. Sie spricht alle Sinne an, um die Geschehnisse für den Leser lebendig zu machen.
Wolfsbruder ist der erste in sich abgeschlossene Band der sechsteiligen Chronik der Dunklen Wälder.
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