Es gibt Bücher, die, obwohl sie in rein epigonaler Manier geschrieben wurden, auf ihre Weise genial sind. Gilbert Adairs letzter Roman"Mord auf ffolkes Manor" wäre ein solcher Titel. Ganz und gar in der Tradition der Agatha-Christie-Romane verhaftet und verpflichtet, ist ihm mit seiner Hommage an DIE britische Kriminal-Autorin ein wahrer Geniestreich gelungen, der nicht nur Kritiker sondern vor allem auch zahlreiche Krimiliebhaber überzeugen konnte.
Auch Adairs neuer Roman "Ein stilvoller Mord in Elstree" ist eine Hommage an den englischen Kriminalroman der 40er- und 50er-Jahre. Wieder ermittelt die leicht verschrobene und mehr als eigenwillige Literatin Evadne Mount. Ihr zur Seite steht der pensionierte Scotland-Yard-Ermittler Trubshaw, der inzwischen tiefer Melancholie verfallen ist und in dem 10 Jahre nach seinen Ermittelungen in "ffolkes Manor" neues Leben keimt, als er Mount wie zufällig begegnet. Leise bahnt sich von beiden Seiten ausgehend eine Art Liebesgeschichte an, umrahmt von der Ermittlungsarbeit der beiden, den Mord an der exzentrischen Schauspielerin Cora Rutherford aufzuklären, die während der Dreharbeiten zu ihrem neuen Film vergiftet wurde. Allerdings - und da ist der deutliche Unterschied zu Adairs Vorgänger-Titel auszumachen - wirkt die Handlung um ein Vielfaches gewollter und unorganischer: Der Fall ist im Grunde genommen nicht wirklich spannend und auch die Liebesgeschichte bzw. das Beziehunggeflecht der beiden Protagonisten gibt nicht wirklich viel her.
Anzeige
Adair legt sein Hauptaugenmerk vor allen Dingen auf lange und wortreiche Dialoge zwischen Trubshaw und Mount. Und gerade hier keimt immer wieder die Meisterschaft Adairs auf. Beispielhaft seien der Dialog über das Wesen von Kriminalromanen genannt oder auch die Ausführungen zum Filmgeschäft, in dem sich Trubshaw alles andere als auskennt. Hier gelingt es Adair die beiden Charaktere so aufeinander prallen zu lassen, dass sich daraus tatsächlich eine elektrisierende Spannung aufbaut. Allerdings ist dies, was Adair hier seinen Lesern bietet, zu wenig - verglichen mit seinem formidablen Vorgängerroman. Freunde der nostalgischer Old-School-Krimis dürften hier dennoch fündig werden und mit dem Roman ihre Freude haben.
Freude, diesen Text zu lesen hatte allem Anschein nach auch der Schauspieler und Hörbuchsprecher Peter Franke, der Vielen vielleicht noch als Sepp Herberger in "Das Wunder von Bern" in Erinnerung ist. Sehr pointiert, ausdrucksstark und mitreißend gelingt es ihm, über 4 CDs (knapp 4,5 Stunden) hinweg den Text mit Leben zu füllen. Vor allem seine stimmliche Interpretation der trutschigen Evadne Mount ist absolut hinreißend. Offenbart das Buch doch einige Schwächen, so gleicht die Hörbuchversion vor allem durch den Sprecher Franke diese mehr als aus!
Und hier ist sie wieder, in Begleitung ihres loyalen und geduldigen Partners, des früheren Chefinspektors von Scotland Yard, Eustace Trubshawe: Evadne Mount auf den Spuren eines noch gemeineren, genialen Mordes. Eine Schauspielerin, Evadnes beste Freundin Cora Rutherford, wird vergiftet, und zwar nicht nur vor laufender Kamera, sondern auch vor aller Augen am Set im Filmstudio. Bei der Auflösung dieses verwickelten Falles, der bis zum Schluß äußerst rätselhaft bleibt, werden nicht nur alle Register des klassischen Kriminalromans gezogen, sondern eine zweite hohe Kunst kommt zur Sprache: die des Films und eines ihrer berühmtesten Regisseure.