Georg Schramm ist den meisten Fernsehzuschauern am ehesten durch seine Rolle als Rentner Lothar Dombrowski bekannt. Bis zum Jahr 2006 hatte er in der ARD-Kabarett-Sendung „Scheibenwischer“ die Rolle des schlechtgelaunten Haudegens inne: mit bitterbösem Sarkasmus und finsterer Polemik feuerte er, meist zum Ende des Programms, seine Pointen ins Publikum, dem dabei oft das Lachen im Halse stecken blieb.
Eben jener Dombrowski ist die Erzählfigur von Schramms Buch „Lassen Sie es mich so sagen“, das die besten Texte des mittlerweile fast 60jährigen Kabarettisten zusammenfasst. Das Spektrum reicht von Schramms ersten Bühnenprogrammen über die Scheibenwischer-Auftritte bis hin zu Beiträgen aus der Sendung „Neues aus der Anstalt“, die Schramm seit 2007 gemeinsam mit dem fränkischen Kabarettisten Urban Priol leitet.
Anbiedernde oder belanglose Lustigkeit ist nicht Schramms Sache. Für ihn scheint Kabarett eine ernste Sache zu sein: politische Relevanz steht meist an erster Stelle, Lacher allein zum Amüsement finden sich in seinen Texten eher selten. Schramms Palette umfasst alle Themen des politischen Zeitgeistes: Von Managergehältern über die Selbstzerfleischung der SPD bis hin zur Krise der Pflegeversicherung und der Heimbetreuung von Älteren, der er sich in der Rolle des Rentners Dombrowski besonders leidenschaftlich widmet, gerät alles unter sein scharfes Seziermesser.
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Dabei kommen dann Sätze heraus wie „Die halbe FDP ist eine Zweigstelle der Versicherungsmafia“ oder „Der Ludwig hat komische Ansichten. Er wählt eigentlich Republikaner, aber bei Roland Koch macht er immer eine Ausnahme.“ Und manchmal fällt es schwer, zwischen echter und gespielter Bitterkeit zu unterscheiden, etwa bei Vorschlägen wie diesem: „Ab sofort nennt jeder Redner im Bundestag zu Beginn seiner Wortmeldung nicht nur seinen Namen, sondern auch seine Nebentätigkeiten und Beraterverträge. Die Auflistung geht von der Redezeit ab. Wenn noch was übrig ist, darf er reden. Das würde uns helfen, den tieferen Sinn der Rede besser zu verstehen.“ Und zwischendurch geht er in seinen Auftritten noch frontal das Publikum an: „Ja, da schütteln Sie den Kopf. Das ist mir immer noch lieber als dieses unkontrollierte Dazwischengeklatsche.“
Doch Dombrowski ist nicht die einzige Rolle, die Schramm spielt und die in seinem Buch zu Wort kommt. In seinen Programmen schlüpft er auch hin und wieder in die Rolle des hessischen Stammtischsozialdemokraten August und des Oberstleutnants Sanftleben, der in der Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr tätig ist und, mitunter leicht angetrunken, der breiten Zivilbevölkerung die militärische Sachlage erklärt. Etwa, dass die niedrige Geburtenrate in Europa der Grund für den Frieden ist: „Nicht, weil wir uns so mögen, sondern weil uns die Söhne fehlen zum Austragen der Konflikte.“ Und setzt gleich nach: „Nehmen Sie nur die Banlieus französischer Großstädte. Dort liegt die Reproduktionsquote bei 4,8, und schon geht’s munter zur Sache.“
„Lassen Sie es mich so sagen“ ist eine unterhaltsame Satirewerkschau, die eindrucksvoll Schramms intelligente und bitterböse Pointen bündelt. Der stetige Bezug auf brisante aktuelle Themen hat zwar den Nachteil, dass gerade bei den älteren Texten im Buch bisweilen der Hintergrund fehlt, um auch die letzte Anspielung verstehen zu können, doch davon abgesehen zeigt das Buch einen der bösesten und relevantesten Kabarettisten unserer Zeit. Schramm demonstriert, wie man als Satiriker heutzutage wirklich provozieren kann: nicht mit Schlüpfrigkeiten und oberflächlichen Witze auf Kosten von Minderheiten, sondern mit politischer Relevanz, mit intelligenter Boshaftigkeit und mit virtuosem Wortspiel.
Nachdem er wegen „charakterlicher Nichteignung“ keine Offizierslaufbahn einschlagen konnte, studierte Georg Schramm Psychologie und war 12 Jahre lang als Psychologe in einer Reha-Klinik tätig. Seine ersten Auftritte als Kabarettist absolvierte er im Jahr 1983 in Konstanz. Für seine bislang sechs Soloprogramme und seine Auftritte im „Scheibenwischer“ und in „Neues aus der Anstalt“ wurde er mit zahlreichen Kabarettpreisen ausgezeichnet.