Der zynische und vom Leben enttäuschte Autor Mike Enslin ist stets auf der Suche nach neuen furchterregenden Stätten für seine speziellen Reiseführer, in denen er von Geistern heimgesuchte Orte auf ihre Gruselqualitäten hin bewertet. Nun hat er eine neue Inspiration gefunden: Das berüchtigte Zimmer 1408 im New Yorker Dolphin Hotel, in dem bisher niemand länger als eine Stunde überlebt haben soll…
Stephen-King-Verfilmungen gelten hinsichtlich ihrer mangelnden Qualität mittlerweile als berühmt berüchtigt. Dies verwundert nicht allzu sehr, da lediglich Stanley Kubricks „The Shining“ und Frank Darabonts „Die Verurteilten“ zwei der äußerst dünn gesäten positiven Gegenbeispiele bilden. So überrascht es tatsächlich, in der Adaption der King-Kurzgeschichte „Zimmer 1408“, die im Erzählband „Das Kabinett des Todes“ erschienen ist, so klingende Namen wie John Cusack und Samuel L. Jackson vorzufinden, was die Erwartungshaltung naturgemäß nach oben schnellen lässt.
Beeindruckende One-Man-Show
Diese wird, was die schauspielerische Leistung der Akteure betrifft, auch durchwegs erfüllt. John Cusack verkörpert den desillusionierten Zweifler, der bezüglich des Geisterglaubens auf drastische Weise eines Besseren belehrt wird, äußerst glaubhaft und intensiv. Die von ihm in Zimmer 1408 durchlaufenen Phasen der Resignation, Trauer, Enttäuschung und des unglaublichen Entsetzens fangen den Zuschauer emotional ein und bilden eine darstellerisch beeindruckende One-Man-Show. Auch Samuel L. Jackson verleiht seinem vergleichsweise kleinen Part eine Glaubwürdigkeit und atmosphärische Tiefe, die dem Niveau des Films äußerst gut bekommt.
Nun kann jedoch der beste Schauspieler wenig gegen die künstlichen Längen ausrichten, die entstehen können, wenn eine Kurzgeschichte auf die Spielfilmlänge von 100 Minuten ausgedehnt wird. Die beiden vorherrschenden Elemente der literarischen Vorlage, die klaustrophobische Spannung des Szenarios und die größtenteils gestaltlose Bedrohung, die auch den stärksten Zweifler an den Rand des Wahnsinns treibt, erzeugt, kombiniert mit der schauspielerischen Leistung, eine beachtliche atmosphärische Dichte. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem das Drehbuch vorgibt, Elemente aus der Außenwelt zu involvieren und sich mit allerlei Varianten der Bedrohungssituation bemüht, die erforderlichen 100 Minuten Spielzeit auszufüllen.
Tricktechnik statt Inhalt
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Was sich daraus in der zweiten Hälfte des Films ergibt, entspricht in Summe der Wiederholung eines in den Grundzügen gleich bleibenden und nur tricktechnisch aufwendig abgewandelten Schemas, was der anfangs so gekonnt evozierten Spannung leider einigen Abbruch tut. Es hätte Håfströms Werk wohl besser getan, die gewonnen Minuten dazu zu nutzen, einige inhaltliche Grundfragen zu klären, wie etwa die, welche Intention die böse Energie des Zimmers mit der konsequenten Qual seiner Besucher verfolgt. „Zimmer 1408“ kann daher dank der bewundernswerten Kompetenz der beteiligten Darsteller und dem Einsatz beeindruckender Tricktechnik zwar sicher zu den besseren King-Adaptionen gezählt werden, lässt jedoch aufgrund der inhaltlichen Längen und den aufgesetzt erscheinenden, hinzugefügten Handlungssträngen die Klasse von „The Shining“ oder „The Green Mile“ in Summe vermissen.
Zimmer 1408 Buchvorlage "Das Kabinett des Todes" von Stephen King Darsteller: John Cusack, Samuel L. Jackson, Mary McCormack
Regie: Mikael Halström
Sprache: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Studio: Ufa/DVD
FSK: ab 16 Jahren
ASIN: B0011FDTQK
Preis: 16,95 Euro