Heute kommt jeder jederzeit zu jedem Preis in jeden Winkel der Welt. Doch nur die wenigsten Pauschal-Globetrotter haben Augen, Ohren und Verständnis für die Fremde. Sie suchen das aufregende Abenteuer, den schnellen Schnappschuss. Die fremden Kulturen und Landschaften finden lediglich noch Platz auf den Speicherchips hochmoderner Digitalkameras. In der Heimat, am heimischen Flachbildschirm werden sie dann voller Entdeckerstolz noch mal zum Flimmern gebracht. In den Köpfen hängen geblieben sind vielleicht noch ein paar bunte Bilder. Doch die Fremde ist eine Fremde geblieben.
Wie weit wir uns von der aufklärerischen Neugier wirklich entfernt haben, wird uns in Georg Forsters „Reise um die Welt“ erst richtig bewusst. Zugegeben: Als der gerade mal 17-jährige Naturforscher mit dm berühmten Captain James Cook 1772 die Ozeane besegeln durfte, war die Welt vielerorts noch eine Terra Incognita. Und barg naturgemäß mehr Geheimnisse und Abenteuer als heute. Wo abgefilmte Expeditionen unser Bild von der Welt prägen. Und es oft nur noch das zu entdecken gilt, was in Reiseführern bereits abgedruckt und beschrieben worden ist. Dem wissbegierigen jungen Mann ging es bei seiner gefährlichen Reise aber nicht um schillernde Exotik oder aberwitzige Kuriosa. Ihm ging es in seinem zwischen 1778 und 1780 erstmals auf Deutsch erschienenen Bericht darum, „die Natur des Menschen so viel wie möglich in mehreres Licht zu setzen.“ und die „einzelnen Gegenstände richtig und in ihrem wahren Lichte zu beobachten, aber auch Scharfsinn genug, um dieselben zu verbinden, allgemeine Folgerungen daraus zu ziehen, um dadurch sich und seinen Lesern den Weg zu neuen Entdeckungen und künftigen Untersuchungen zu bahnen.“
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Diesem aufklärerischen Anspruch wurde Georg Forster in jedem Punkt gerecht. Auch knapp 300 Jahre später können wir dank seiner lebendigen wie lehrreichen Reisebeschreibung etwa noch manch Wissenswertes über die Flora, Fauna und Kultur der Südseeinseln erfahren. Vor allem können wir von ihm lernen, wie man sich fremden Völkern mit einem vorurteilsfreien Blick nähert und ihre im Wortsinne merkwürdigen Sitten und Gebräuche zu achten und zu verstehen lernt. Leider haben sich die Kolonialmächte diese Sichtweise niemals zu eigen gemacht. Wohl aber beeinflusste Forster mit dieser Mischung aus sachlicher Beschreibung, wissenschaftlicher Analyse und epischer Dramatisierung die Prosa aller weiteren Weltreisenden wie Alexander von Humboldt oder Adalbert von Chamisso.
Aber auch den Leser von heute vermag seine Sprache und vor allem seine von eigener Hand angefertigten Zeichnungen von exotischen Vögeln und Blumen zu begeistern. Dass wir jetzt sowohl in den literarischen wie auch in den visuellen Genuss seiner Entdeckungen kommen, ist den Herausgebern der Anderen Bibliothek zu verdanken. Sie haben die noch nicht vor allzu langer Zeit im Britischen Naturkundemuseum aufgefundenen Aquarelle und Skizzen mit seinem schon mehrfach veröffentlichten Opus kombiniert. Entstanden ist ein prächtig illustriertes Buch, das auch mit dem Vorwort von Klaus Harprecht und dem Nachwort von Frank Vorpahl der kulturhistorischen Bedeutung des Reiseberichts und seines außergewöhnlichen Autors gerecht wird.
Wer also noch exklusive Entdeckungen machen möchte, dem sei Georg Forster als weltbester Reiseführer dringend empfohlen.
Georg Forster Reise um die Welt Illustriert von eigener Hand
Eichborn Verlag (Die Andere Bibliothek)
Frankfurt/Main 2007
Gebunden, 608 Seiten. 79,00 Euro
ISBN 3821862033