Cartagena, 1879. Der wenig vermögende Telegrammbote Florentino verliebt sich in die schöne Fermina aus reichem Hause. Trotz glühender Liebesbriefe fügt sich diese schließlich dem Druck ihres Vaters und heiratet den gut situierten Arzt Dr. Juvenal Urbino. 51 Jahre lang gibt Florentino seine Liebe trotz Karriere und zahlreicher Affären nicht auf und gesteht Fermina nach dem Tod ihres Mannes erneut seine Gefühle.
Mike Newell verwandelte den Bestseller aus der Feder von Gabriel García Márquez in ein farbenfrohes und bildgewaltiges Leinwandepos, welches trotz der Tragik und Schwere der Handlung 139 leichtfüßige und beschwingte Kinominuten beschert.
Leichtfüßige Tragik
Die Handlung hält an sich alle Elemente eines emotional schweren Dramas bereit: Eine unerfüllte Liebe zwischen unterschiedlichen Gesellschaftsschichten, 51 Jahre des bangen Wartens und Hoffens und die zeitliche Einbettung in eine Epoche voller Krankheit und Tod. Der Blick von außen täuscht jedoch: Momente leichtfüßigen Humors, die durch die zahlreichen Affären Florentinos stattfindende Brechung des Pathos um zwar unerfüllte, aber dennoch Enthaltsamkeit fordernde Liebe und eine dem Gesamtwerk innewohnende fröhliche Beschwingtheit halten „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ beständig davon ab, von der Tiefe ihrer Handlung erstickt zu werden. Stattdessen ist Newells Werk ein Liebesfilm geworden, der die schwierige Balance zwischen einer ernsthaften und respektvollen Thematisierung tiefer Liebe und einer augenzwinkernden, trotz aller Tragik der Ereignisse lebensbejahenden Grundstimmung in beachtlicher Qualität meistert. Zu einem hohen Grad verdankt er dies wohl dem adäquaten Spiel seiner Protagonisten Giovanna Mezzogiorno und dem frisch gebackenen Oscargewinner Javier Bardem (Nebenrollen-Oscar für „No Country for Old Men“), die sowohl Humor als auch Tragik des Werkes gekonnt mittragen.
Die eine Liebe und die anderen
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Die sich über Jahrzehnte erstreckende Lebensgeschichte der beiden Hauptfiguren zeigt persönliche und menschliche Entwicklungen, den Umgang mit den jeweils gewählten Lebensformen und erprobte sowie auch wieder verworfene Versuche, in diesen glücklich zu werden. Gerade die Unerfülltheit der Liebe ist es hier, die den Blick für die zahlreichen Facetten dieser Emotion weitet und die Betrachtung zweier, unabhängig voneinander entstehender Verständnisse dafür ermöglicht. In dieser Hinsicht ist der Titel von Roman und Film tatsächlich Programm: Nicht nur eine bestimmte Liebe, sondern die Liebe an sich findet hier Beachtung, denn vor farbenfrohem Panorama im Herzen Kolumbiens, mit überzeugenden Schauspielern und einer wunderbar beschwingten Grundstimmung gibt es eine Lektion zu lernen: Es ist nie falsch, die eine große Liebe zu suchen, aber man kann im Laufe eines Lebens auf zahlreiche Arten lieben und keine ist richtiger oder echter als die andere.
Die Liebe in den Zeiten der Cholera Buchvorlage "Die Liebe in den Zeiten der Cholera" von Gabriel García Márquez
Regie: Mike Newell
Darsteller: Javier Bardem, Unax Ugalde, Giovanna Mezzogiorno, Benjamin Bratt, Catalina Sandino Moreno
Drehbuch: Ronald Harwood
Kamera: Affonso Beato
Musik: Antonio Pinto
Produzent: Scott Steindorff
FSK: ab 6 Jahren
Spieldauer: ca. 138 Minuten
Verleih: Tobis