Abenteuerreich und vielschichtig ist die Geschichte über das Leben und die Reisen der Lillian Leyb. Wir schreiben das Jahr 1920 und erleben sie als 22 jährige junge Frau in New York. Sie ist gerade mit einem Einwandererschiff angekommen und schleppt sich buchstäblich mit letzter Kraft zur Adresse einer Cousine. Dort wird sie unter ärmlichsten Bedingungen in ein Schlafquartier eingewiesen, das sie sich mit noch anderen Ankömmlingen teilen muss. Sie ist Jüdin und kommt aus Russland. Dort hat sie bei einem Pogrom ihre ganze Familie verloren, nur ihre kleine Tochter hat sich versteckt und konnte vermutlich entkommen.
Lillian beginnt in New York als Näherin bei einer jüdischen Theatergruppe. Mitglieder der Truppe, ein imposanter Vater und sein Sohn, Regisseur der eine und Schauspieler der andere, werden ihre Liebhaber. Beide sind recht sonderbare Gestalten. Lillian ist alles egal, es gilt nur, das Szenario des Untergangs hinter sich zu bringen.
Als Lillian erfährt, dass ihre Tochter in Sibirien am Leben sei, kann niemand sie aufhalten, eine Reise dorthin zu wagen. Freundliche Menschen helfen ihr, von anderen weiß man nicht, ob sie ihr nicht Übles wollen.
Es geht aber in der Erzählung nur vordergründig um die Suche nach Sophie. Vielmehr scheint die Reise und Suche nach ihr den Plot zu geben für ein Leben, das von außergewöhnlichen Randbedingungen gekennzeichnet ist.
Die Geschichte spielt zwischen Neuankömmlingen in New York, zwischen Ganoven und Lebenskünstlern, Theaterleuten aus russisch - jüdischen Einwandererzirkeln und allerhand verlorenen Gestalten. Lillian taumelt zwischen Traum und Wirklichkeit. Sie wirkt fast unbeteiligt und spielt ein Spiel mit, von dem nicht klar ist, wie es enden wird. Es geht immer nur ums nackte Überleben und dazu gehört Geld, wie immer man es sich beschafft.
Anzeige Abenteuerlich, phantasievoll und fast betäubend wird über die Leiden der Lillian Leyb auf ihrem Weg zurück nach Russland berichtet. Auf ihrer Reise landet sie einmal im schwarzen Prostituiertenmilieu in Seattle mit unglaublichen Zuständen, dann wieder im Gefängnis auf dem Weg nach Kanada. Ob sie ihr Ziel je erreichen wird? Mit Chuzpe und Geschick setzt sie unbeirrt ihre Reise fort.
Neben dem New Yorker jüdischen Viertel ist es die gefährliche Reise über den halben Kontinent nach Alaska und Sibirien, die mit vielen Abenteuern aufwartet. Charakterstudien und Lebenskunst sind die herausragenden Merkmale der Erzählung. Milieustudien von seltener Vielfarbigkeit bieten bestechende Unterhaltung. Die Geschichte ist gelegentlich in epischer Breite angelegt, doch.trotz dieser wortgewaltigen Passagen und der phantasiereichen Geschichte ist das Buch eher dem Genre gehobener Unterhaltung als der großen Literatur zuzurechnen.