Ein Erdbeerfeld in Südengland. Neun Erdbeerpflücker aus Polen, der Ukraine, China und Malawi. Ein ausbeuterischer Bauer, der die billigen Arbeitskräfte gerne nimmt und ein osteuropäiacher Schlägertyp, der sie nach England vermittelt. Menschliche Werte wie Mitleid, Großzügigkeit oder einfach nur Fairness spielen nur insofern eine Rolle, als dass sie ganz eindeutig fehlen.
Irina hat gerade die Schule beendet und träumt davon, in England einen richtigen Gentleman kennzulernen und den dann zu heiraten. Einen wie Mr. Brown aus ihrem Englisch-Lehrbuch "Let's talk English". Andrij sollte einfach nur raus aus der Ukraine und weg von den Bergwerken, die seinen Vater das Leben gekostet haben. Auch er träumt von einer englischen Traumfrau, die er aus demselben Lehrbuch kennt. Und wie das Klischee es will, finden die beiden sich am Anfang gegenseitig unerträglich. Beide spielen eine moderne, aber doch vorhersehbare Version von Jane Austens "Stolz und Vorurteil" nach und sind natürlich am Ende ein glückliches Liebespaar.
Genau wie die beiden Ukrainer Irina und Andrij haben auch die anderen Figuren in diesem Roman einen Traum, den sie mit der Reise nach England erreichen wollen. Die Vorarbeiterin Jola will genug Geld verdienen, um für sich und ihren Sohn in Polen ein Haus kaufen zu können, die beiden Chinesinnen wollen sich ihr Studium finanzieren und Emanuel aus Malawi sucht seine Schwester. Doch nachdem die Truppe auf verschlungenen Wegen erst einmal das Erdbeerfeld verlassen haben, geht es zu wie in einem Kinderreim und eine Figur nach der anderen verschwindet von der Bildfläche ohne je wieder erwähnt zu werden.
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Soweit die Eckpfeiler in Marina Lewyckas zweitem Roman nach Eine kurze Geschichte des Traktors auf Ukrainisch. Wie sein Vorgänger auch wurde Caravan mit viel guter Kritik belohnt und begeistert aufgenommen. Doch, um ehrlich zu sein, kann ich nicht verstehen, warum. Die Autorin hat sich eine große Aufgabe damit gesetzt, die unmenschlichen Zustände anzuprangern, mit denen viele Arbeitskräfte aus Osteuropa in England zu kämpfen haben. Doch sie verschleiert diesen wirklich guten Ansatz hinter einer unnötig skurrilen und gezwungen lustigen Farce.
Der Geschichte hätte es eindeutig gut getan, wenn Lewycka sich von Anfang an entschieden hätte, wo ihr Fokus liegen soll: in der Liebesgeschichte oder in der Gesellschaftskritik. Beides zusammen funktioniert leider nicht gut, was sehr schade ist. Denn schreiben kann Marina Lewycka, sie hat einen guten Stil. Hoffentlich schafft sie s im nächsten Roman besser, ihren Fähigkeiten in einer besser aufgebauten und konzipierten Geschichte gerecht zu werden.
Fazit: Ambitionierter, gesellschaftskritischer Plot, der leider durch eine zu gezwungen wirkende Art von Humor und eine klischeehafte Lovestory verdorben wird.