Der Fund von zwei Skeletten, eines davon ein Kinderskelett, schreckt sogar das gleichgültige Edinburg auf – bis sich der brisante Fall in die Lachnummer des Monats verwandelt, als bekannt wird, dass das eine Skelett aus Plastik, das andere ein Beutezug von ein paar übermütigen Studenten aus der Universität ist. Doch eine echte Leiche scheint den Scherz in ein anderes Licht zu rücken.
Knoxland ist eine hässliche Reihenhaussiedlung, um die die bessere Gesellschaft Edinburgs lieber einen Bogen macht. Wenn dort ein Mord geschieht, so haben es die Menschen dort nicht besser verdient, nicht wahr? Die meisten sind doch sowieso Verbrecher, Illegale und Asylanten, nicht wahr? Dass diese Haltung vorherrscht, begreift schließlich auch Inspector Rebus, der – kurz vor der Pensionierung stehend – nicht ganz begriffen zu haben scheint, dass Edinburg nicht mehr die gemütliche Stadt seiner Kindheit und Rassismus ein alltägliches Problem ist.
Da ist Kollegin Siobhan schon realistischer, doch gerade sie sucht die Nadel im Heuhaufen, als sie den Eltern eines verschwundenen Mädchens verspricht, ihre Tochter wiederzufinden. Verstört durch den Tod ihrer Schwester soll das Mädchen zuletzt im Rotlichtmilieu gesichtet worden sein. Eine Spur führt in eine Kneipe und zwar ausgerechnet in die, in deren Keller die beiden falschen Skelette gefunden wurden.
Inspector Rebus, der pessimistische, alternde Mann, dessen Leben sich um seine Stammkneipe, die Oxford Bar, und gelegentliche Treffen mit seiner Kollegin Siobhan drehen, ist längst über die Grenzen von Schottland hinaus Kult geworden. Passend zu seinem leicht derangierten Helden, den die Zeit vergessen zu haben scheint, hat Ian Rankin eine Kulisse entworfen, die hilflos im Spannungsfeld zwischen Moderne und verschlafenem Charme hin- und hergerissen wird.
Anzeige Der neue Fall des Inspectors befasst sich mit einem besonders dunklen Kapitel der Multi-Kulti-Gesellschaft des 21. Jahrhunderts, denn Rebus muss sich mit Rassismus befassen. Ohne aufdringlich oder belehrend zu wirken lässt der Autor seinen Helden Schritt für Schritt erkennen, dass Rassismus nicht nur ein Problem der anderen ist sondern tagtäglich um ihn herum vorkommt. Er stellt Rebus sogar eine Aktivistin für die Rechte der Asylbewerber an die Seite, die in dem alten Helden so etwas wie romantische Gefühle zu erwecken vermag.
Doch nicht nur die „bösen Rassisten“ werden an den Pranger gestellt, Rankin bemüht sich um ein differenziertes Bild, bei dem jeder zu seinem Recht kommt, bei dem es nicht um Schuldzuweisungen sondern um Motivationen geht. Auf diese Weise kommt der Leser nicht nur in den Genuss eines geschickt komponierten Verbrechens, das mühelos die verschiedenen Handlungsstränge verknüpft, er nimmt auch Anteil an den gebrochenen Figuren, die falsch handeln mögen, aber trotzdem menschlich sind und wieder einmal beweisen, dass die größten Idealisten die unangenehmsten Zeitgenossen sein können.
Fazit: Rebus und der Rassismus – ein Edinburgh-Krimi auf gewohnt hohem Niveau