In 16 Kurzgeschichten erzählt Joe Hill von mysteriösen, skurrilen und furchterregenden Personen und Ereignissen: So ist etwa von einer selbstgebauten Spielburg, in der Personen verschwinden und nie mehr auftauchen die Rede, verwandelt sich ein Junge auf kafkaeske Weise in eine Heuschrecke und findet eine einsame Geistererscheinung Freude an Kinofilmen.
Da scheiden sich die Geister
Der viel zitierte moderne Horror zeichnet sich nicht zuletzt dadurch aus, dass er sich von klassischen Schreckgespenstern wie Werwölfen, Zombies und verlorenen Seelen verabschiedet hat. Das Grauen kommt meist nicht mehr von außen sondern vielmehr aus den Abgründen der menschlichen Seele und zeigt sich daher mangels äußerlicher Erscheinungsformen oft mehr assoziativ als konkret, mehr philosophisch als gestalthaft.
Joe Hills Kurzgeschichten bieten dafür ein gutes Beispiel: Horror ist hier primär Überbegriff für eine diffus-verstörende Grundstimmung, auf deren Nährboden sich die skurrilen Erlebnisse obskurer Gestalten abspielen. Häufig verzichtet Hill in seinen Erzählungen auf klassischen Spannungsaufbau und ein dezidiertes Ende, was es zuweilen schwer macht, auf einen allem zugrunde liegenden Sinn zu schließen, da die geschilderten Begebenheiten mehr assoziativ verknüpft als kausal miteinander verbunden erscheinen. Der Autor verlässt sich offenbar auf die evozierte Stimmung mehr als auf die Inhalte der Erzählung, und bis zu einem gewissen Grad ist dieses Vertrauen auch durchaus berechtigt.
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Sein Stil ist geschliffen und äußerst eloquent, präzise schildert er Charaktere und malt Stimmungsbilder in unterschiedlichsten Ausformungen: Von gefühlvoll über aggressiv bis hin zu verklärt und skurril weisen Erzählungen wie "Witwenfrühstück" oder "Besser als zu Hause" eine erstaunlich kraftvolle emotionale Prägung auf und erreichen den Leser auf dieser Ebene scheinbar mühelos. Schnell wird jedoch deutlich, dass Hills erzählerische Stärke in dem die Handlung vernachlässigenden, primär stimmungsvollen Stil liegt - bemüht er sich dagegen wie in "Abrahams Söhne" merklich, den Fokus auf klassischen Aufbau zu legen, flacht die Qualität deutlich ab und sowohl die Abläufe der Ereignisse als auch die Enden geraten vergleichsweise vorhersehbar und belanglos.
Hills Stil ist für Freunde der assoziativen, subtilen Erzählweise in Summe absolut lesenswert und gewinnt dem mittlerweile in seinen eigenen Ausformungen beinahe selber wieder klassisch gewordenen, modernen Horror eigene Akzente ab. In diesem Zusammenhang sticht insbesondere die Erzählung "Die Maske meines Vaters" hervor, die in einer wunderbaren Mischung aus stilistischer Qualität und origineller Handlung einen absoluten Höhepunkt darstellt. Wer Horror im klassischen Sinne sucht, echte Angstgefühle entwickeln und an der Seite der Protagonisten schaurige Momente durchleben will, ist mit "Black Box" allerdings schlecht beraten und mag eine ähnliche Enttäuschung erleben, wie ein Liebhaber der Klassik angesichts des Dadaismus.
Mit seinem Roman "Blind", weltweit auf allen Bestseller-Listen, hat Joe Hill eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass er die Zukunft des Horrors verkörpert. In seinen Novellen und Kurzgeschichten können Sie nun das ganze Spektrum dieses Ausnahmeautors entdecken: Von subtilen psychologischen Skizzen "ganz normaler" Menschen über die dunkeln Abgründe amerikanischer Provinznester bis hin zu tatsächlichen Höllenfahrten - mit einigen wenigen Sätzen packt Sie Joe Hill am Kragen und lässt Sie nicht mehr los!