Niklas von Hahnfurt weiß eines ganz genau: Er ist zum Bierbrauer berufen. Um dieses Ziel zu erreichen, tritt er erst ins Kloster ein, doch auch die frommen Brüder können seinen Wissensdurst nicht auf Dauer stillen. Er zieht weiter, aber auf seinem Weg zur Vollkommenheit macht er sich auch tödliche Feinde.
Als der kleine Niklas davon hört, dass im nahen Kloster Novizen aufgenommen werden, weiß er, was er will – Mönch werden, um sich endlich seiner Leidenschaft, dem Bierbrauen, ganz zu widmen. Tatsächlich gelingt der Plan, doch Feindseligkeiten und der Tod seines Lehrers bringen ihn schließlich dazu, sich ein neues Wirkungsfeld zu suchen. Doch auch in Weihenstephan findet er nicht den ersehnten Frieden. Seltsame Todesfälle erschüttern das Kloster und Niklas gerät in das Visier der Inquisition.
Es gelingt Niklas zwar, sich dem Zugriff des fanatischen Bernard von Dauerling zu entziehen, doch er fühlt, dass seine Zeit im Kloster vorbei ist. Er legt die Kutte ab, um als weltlicher Bierbrauer in den Bierstädten Bitburg und später Köln sein Glück zu machen. Sein Aufstieg ist kometenhaft, aber alte und neue Feinde legen ihm immer wieder Steine in den Weg. Außerdem steht die letzte Auseinandersetzung zwischen Bernard und Niklas noch aus.
Wer Romane aus dem Gmeiner-Verlag zur Hand nimmt, tut dies mit einer bestimmten Erwartungshaltung, nämlich der, einen Kriminalroman zu lesen. Das gilt auch für die neu begonnene Sparte, die sich mit historischen Stoffen beschäftigt. Doch Günther Thömmes’ Auseinandersetzung mit der mittelalterlichen Kunst des Bierbrauens kann trotz einiger Leichen nicht als Krimi bezeichnet werden.
Anzeige Statt eine herkömmliche Mörderjagd zu inszenieren, zeichnet der Autor ein akribisch genaues Bild der Lebensumstände im 13. Jahrhundert, insbesondere der Entwicklung der Bierbrauerei. Es gelingt Thömmes, der selber eine Ausbildung als Brauer und Mälzer genossen hat, die Erfindungen und Entwicklungen der Zeit lebendig und vor allem überzeugend und schlüssig darzustellen.
Neben all diesen historischen Details erscheint die Handlung um Niklas von Hahnfurt und sein bewegtes Leben beinahe nebensächlich, so als sei ihre Hauptaufgabe, die Details und das Sachwissen zu transportieren. Obwohl Niklas immer wieder in Bedrängnis gerät, von Inquisition und Pest gebeutelt wird, folgt der Leser dem Geschehen doch eher mit Aufmerksamkeit als mit Anteilnahme. Insbesondere das Duell zwischen den Todfeinden Niklas und Bernard kann psychologisch und emotional kaum überzeugen.
Insofern ist Der Bierzauberer eine Ausnahmeerscheinung auf dem derzeitigen Buchmarkt, da es sich in erster Linie um akribische Recherche ohne den Anspruch auf pralle Action handelt. Zusammen mit einer flüssigen, wenn auch leicht dokumentarischen Sprache ist dieser Roman allen zu empfehlen, die sich wirklich für das Leben im Mittelalter interessieren, auf die spannende Verpackung aber verzichten können.
Fazit: Sorgfältig recherchierter historischer Roman, der mehr interessiert als berührt