Was waren die 1950er Jahre doch für anstrengende Zeiten. Das deutsche Volk arbeitete fleißig am Wirtschaftswunder und sehnte sich am wohlverdienten Feierabend nach spannender Unterhaltung. Die war damals vor allem im Kino und im Rundfunk zu haben. Und da spielte mittlerweile auch der Krimi eine Hauptrolle. Nur mit der verbrecherischen Vergangenheit oder der geschönten Gegenwart durften die gruseligen Geschichten nichts zu tun haben. Die Flucht der Deutschen aus der harten Realität machte die Krimis eines Edgar Wallace und Francis Durbridge so ungemein erfolgreich. Solange das Verbrechen seine Heimstatt im nebelverhangenen London hatte und die Detektive sich als wahre oder vermeintliche Gentlemen ausgaben, war die Welt in Ordnung.
Wer also heute den Kriminalhörspielen von damals lauscht, merkt schnell, in welch gekünstelter Atmosphäre die oft charakterstarken Ermittler hier operieren. Aber das tut dem Hörgenuss keinen Abbruch. Im Gegenteil. Auch heute noch taucht man gern in die Verbrecherwelt des britischen Königreichs ab. Folgt dem unvergleichlich witzig-charmanten Ex-Spion Philip Odell bei seinen unfreiwilligen und knüppelharten Ermittlungen im verlogenen Filmmilieu. Lässt sich gern davon überzeugen, dass Lebemann und Hobbydetektiv Paul Cox nun wirklich nichts mit dem Mord an einer Tochter aus unehelichem Hause zu tun hat. Und hört gespannt dem süßlichen Geplänkel zwischen Krimiautor Paul Temple und seiner folgsamen Ehefrau Steve zu, die während eines Urlaubs an der Südküste Englands nicht nur Zeugen eines vermeintlichen Unfalls werden, sondern bei ihren Nachforschungen auch Gefahr laufen, Opfer eines heimtückischen Juwelenschmugglers zu werden.
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Wie immer ist auch in der dritten Staffel der Krimi Kult Kiste zwar nicht der Gärtner, aber doch eine eher unverhofft auftauchende Figur der Mörder. Insofern lohnt sich das Mitraten während der fast 13 Stunden währenden Hörspiele aus den 50er und 60er Jahren kaum. Ist man doch von der klangtechnisch perfekt inszenierten Atmosphäre ebenso gefesselt wie von der sprachlich wie schauspielerisch hervorragenden Leistung eines Albert C. Weiland (Odell), Günter Ungeheuer (Cox) oder René Deltgen (Temple). Allerdings sollte man jeden Fall einzeln in einem Durchlauf hören, um den oft sehr verzwirbelten Handlungsfaden nicht zu verlieren. Dennoch wird es niemandem schwer fallen, den drei bis fünfstündigen Kleinoden genügend Aufmerksamkeit zu schenken. Dafür sind die Dialoge zu geschliffen, die Plots dramaturgisch zu ausgefeilt und die Sprecher zu wohlklingend, als dass man sich eine Pause gönnen wollte.
Hier ist wieder für jeden Krimi- und Hörgeschmack etwas dabei. Die nostalgische Mischung aus Spannung, Charme und Witz ist erneut aufgegangen. An den Krimis der 50er und 60er Jahre kann man sich einfach nicht satt hören. Man darf schon auf die vierte "Schatzkiste" gespannt sein.
Krimi Kult Kiste Krimi-Hörspiele der 50er und 60er Jahre (Dritte Staffel)
Der Hörverlag, München 2007
11 CDs. 765 Minuten, 29,95 Euro
ISBN 978-3-86717-168-7
Dreimal London, dreimal Kult - x-mal MORD! Die besten Detektive Londons ermitteln in packenden Mordfällen. Und jetzt wird es für die smarten Privatschnüffler auch noch selbst brenzlig: Bonvivant und Gelegenheitsdetektiv Paul Cox wird des Mordes verdächtigt, Hobbyermittler Paul Temple und seine Frau Steve stehen plötzlich unter Beschuss. Und der stets abgebrannte, echt irische Vollzeitdetektiv Philip Odell landet in der Irrenanstalt. Diesmal keine leichte Aufgabe für unsere Stars mit Stil und Spürnase! Laufzeit ca. 760 Minuten Hörspiele Sprecher: Günther Ungeheuer, Ren¿ Deltgen, Albert C. Weiland u. a.