Muss man masochistisch veranlagt sein, um sich eine ganze Stunde rumkommandieren zu lassen?!? Was nur eine Stunde, mag da manch einer, insbesondere manch ein Obergefreiter, sagen – aber die aktuelle und die nach "Morgen, Ihr Luschen!" und "Blümchensex" dritte CD von Ausbilder Schmidt, die auf den pittoresken Namen Drecksack hört, geht schon ein wenig in die Richtung Masochismus.
Ganz so negativ, wie sich das bis jetzt vielleicht angelesen hat, ist die CD aber nicht zu bewerten – es ist einfach nur eine Sache der Tagesform und allen ausgelutschten Gags zum Trotze ist diese Scheibe eine insgesamt runde Sache. Denn der Ausbilder besticht hier wieder einmal durch seinen Ton, seine Rolle als tja, ziemlich beknackter deutlich überzeichneter Macho-Offizier, der vor Selbstvertrasuen nur so strotzt, wie man am Intro sehr schön beobachten kann: „Ausbilder, ich will ein Kind von Dir!“ Und schon ist man drin im aktuellen Drecksack-Programm, das dem Hörer wie dem Publikum ziemlich viel Leidensfähigkeit oder netter ausgedrückt, sehr viel Selbstironie und Humor abverlangt. Den braucht man unbedingt, wenn der Ausbilder zu seiner Publikumsbeschimpfung (Stichwort: „Luschschen!“) ansetzt und seinen Offiziersfrust an Dingen wie Kindergeburtstag (der schöne Name seines imaginären Sohnes „Ruckzuck“ verrät ja auch schon, wie er zu Gefühlen steht), Frauen, Männerbild ablässt. Revolutionär oder feinsinnig sind seine Beobachtungen selten, was der Rolle des Ausbilders ja auch nicht stehen würde, aber er schafft es über 60 Minuten hinweg, seine Zuhörer zu packen und sein Programm so zu gestalten und seiner Rolle so viele Nuancen abzugewinnen, dass es eigentlich nicht langweilig wird.
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Es sollen hier keine Gags vorweggenommen werden, aber wer auf etwas derberen Humor und auf die inzwischen landauf-landab bekannte Präsentation des Ausbilders steht, der wird keinesfalls enttäuscht! Und das ist doch ziemlich erstaunlich, konnte man doch fast glauben, dass sich die Figur relativ schnell eliminiert und erledigt – zu wenig Entwicklungspotential schien sie zu bieten. Klar, der Befehlston, die peinlich-naive Weltsicht und das Outfit, all das hatte seinen spontanen Reiz – aber mehr als ein Programm mit dieser Figur? Eigentlich undenkbar. Doch wahrscheinlich haben sich da mehr als nur Kriegsdienstverweigerer, die nicht glauben konnten oder wollten, dass aus einem Bundeswehoffizier so viel rauszuholen ist, geirrt.
Harald Schmidt gab einsamen Männern, die mit einer rauchenden Frau zusammen seien, den Rat, einfach mal des Aschenbecher auszulecken, um die Einsamkeit und die Sehnsucht nach der verreisten Frau zu stillen – in diesem Fall kann man den Tipp geben, wer im Urlaub seinen wild-tosenden autoritären Chef oder seinen Hausdrachen vermisst, der sollte auf diese CD keinesfalls verzichten! Alle anderen, die auf feingeistige Beobachtungen aus der Welt der Anthropologie oder der Hirnforschung stehen, können immer noch auf die Weicheier wie beispielsweise Dieter Nuhr zurückgreifen J !
So empfehlenswert wie ein leichter Schlag auf den Hinterkopf – ab und an gar nicht so verkehrt!
1969 wurde Ausbilder Schmidt alias Holger Müller in Idar-Oberstein geboren. Nach einer Lehre als Industriekaufmann und arbeiten als Diamantengutachter begann seine Karriere auf der Bühne.
1989 stieß er zur Charles Atlas Theatergruppe, ein renommiertes Amateurtheater in Rheinland-Pfalz.
1994 Gründung der Comedytruppe "Les Hot Banditos"
1996 Projektleiter des Kultursommerprojektes von Rheinland-Pfalz "Irrgarten der Angst". Ein Stationenspiel in einer alten US Kaserne.
1997 Gründung der ersten Kleinkunstbühne in Idar-Oberstein, das "Theaterchen". www.theaterchen.de
1999 Abschluss an Köln Comedy Schule und Geburt der Comedyfigur "Ausbilder Schmidt"
Seit 2002 ist er in diversen TV-Formaten zu sehen.
Er veröffentlich seine mittlerweile 3. CD und im August 2008 erscheint der Kinofilm: Ausbilder Schmidt - Der Film.